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Montag, 09.Februar 2026

Winter-Reichweitentest bei E-Fahrzeugen in Norwegen

Getestet wurden 24 aktuelle Elektroautos auf Reichweite und Ladezeit.

Im Jänner 2026 war der ÖAMTC wieder beim weltweit größten Reichweitentest von Elektrofahrzeugen „El Prix“ dabei. Bei der 7. Reise des ÖAMTCs nach Norwegen, um beim Reichweitentest des norwegischen Partnerclubs NAF dabei zu sein, gab es einen neuen Höchstwert. Nämlich bei der Temperatur, es wurden Temperaturen von bis zu -31°C gemessen.

Dieses Jahr wurden wieder einige Modelle getestet, die auf dem österreichischen Markt noch nicht erhältlich sind, aber einen Ausblick auf die Entwicklung der chinesischen Automobilhersteller geben. Zum Beispiel die Modelle Changan Deepal S05, KGM Musso, Xpeng X9 und Zeekr 7X.

Was ist El Prix?

El Prix ist der weltweit größte Test für die Reichweite und das Aufladen von batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen (BEV) in der Praxis. Der Norwegische Automobilverband (NAF) führt El Prix seit 2020 zwei Mal pro Jahre durch, einmal im Sommer und einmal im Winter. El Prix wird dazu genutzt, um Autofahrer:innen einen Überblick zu geben, wie BEVs unter vergleichbaren, alltäglichen Bedingungen abschneiden.

Das Ziel ist, dass die meisten neuen Elektrofahrzeuge sowohl im norwegischen Sommer als auch im norwegischen Winter auf ihre realen Reichweiten getestet werden. Somit kann festgestellt werden, wie die tatsächliche Reichweite der Fahrzeuge ist und ob diese mit den offiziellen WLTP-Reichweiten übereinstimmen.

Beschreibung der Testroute und Höhenprofil

Startpunkt war eine Tiefgarage im Zentrum von Oslo. Die Fahrzeuge wurden mit zirka 1 Minute Versatz losgeschickt und anschließend fuhren alle dieselbe Teststrecke. Von Oslo ging es entlang der RV4 nach Gjøvik, weiter nach Norden auf der E6 vorbei an Vinistra, Otta und Donbás bis nach Hjerkinn, dann nach Osten nach Folldal. Dann ging es Richtung Süden zum geplanten Endpunkt nach Enden. Alle Fahrzeuge, die zu diesem Zeitpunkt noch keine Anzeichen von Leistungsverlusten hatten, mussten bei Rondane Gjestegård umdrehen und den Weg zu Hjerkinn zurücklegen. Zum Schluss wurde die Strecke Hjerkinn - Rondane Gjestegård wieder und wieder gefahren, bis es bei allen Fahrzeugen zu einem Leistungsverlust gekommen ist und die erforderliche Geschwindigkeit nicht mehr gehalten werden konnte. Die Teststrecke wurde so gewählt, dass sie einen guten Mix aus Stadt, Landstraße und Autobahn beinhaltet.

Die Temperaturen an den Testtagen bewegten sich zwischen -8 und -31 Grad Celsius und das Wetter war sehr kalt mit einigen wenigen Schneeschauern während der Testfahrt.

Was waren die Erkenntnisse aus dem Winter-Reichweitentest?

Grafik, die die Ergebnisse des Winter-Reichweitentests bei E-Autos 2026 visuell darstellt. © ÖAMTC
Ergebnisse E-Auto Winter-Reichweitentest 2026

Der Reichweitentest hat gezeigt, dass die kalten Temperaturen einen hohen Einfluss auf die Reichweite der Fahrzeuge hatten, kein Fahrzeug erreichte seine angegebene WLTP-Reichweite. Die höchsten Abweichungen zur angegebenen Reichweite lagen bei 45,9% unter der WLTP-Angabe, die niedrigste Abweichung bei 28,9% unter der WLTP-Angabe. Im Durchschnitt liegt die Abweichung bei den getesteten Fahrzeugen bei 37,6% unterhalb der WLTP-Reichweite.

Die Ergebnisse und die getesteten Modelle:

Modell WLTP-Reichweite in km Tatsächliche Reichweite in km Prozentuale Abweichung

Audi A6

653 402

-38,4%

BMW iX

641 388

-39,5%

Changan Deepal S05

445 293

-34,2%

Ford Capri

560 339

-39,5%

Hyundai Inster

360 256

-28,9%

Hyundai Ioniq 9

600 370 -38,3%

KGM Musso

379 263

-30,6%

Kia EV4

594 390

-34,3%

Lucid Air Grand Touring

960 520

-45,8%

Mazda 6e

552 348

-37,0%

Mercedes-Benz CLA

709 421

-40,6%

MG IM6

505 352

-30,3%

MG S6

485 345

-28,9%

Opel Grandland

484 262

-45,9%

Skoda Elroq 524 309

-41,0%

Smart #5 540 342

-36,7%

Suzuki eVitara 395 224

-43,3%

Tesla Model Y 600 359

-40,2%

Volvo ES90 624 373

-40,2%

Volvo EX90 611 339

-44,5%

Voyah Courage

440 300

-31,8%

VW ID.Buzz

449 277

-38,3%

Xpeng X9

580 361

-37,8%

Zeekr 7X

541 338

-37,5%

Gibt es interessante Erkenntnisse aus dem Ladetest?

24 Fahrzeuge wurden getestet, 13 von ihnen erreichten den gewünschten Ladestand von 80% in weniger als 30 Minuten. Insgesamt 6 Fahrzeuge haben die 80% schneller erreicht als vom Hersteller angegeben.

Nach einer Fahrt von mindestens 2 Stunden, um die Batterie zu temperieren, wurde der Ladevorgang mit einem Batterieladestand unter 10% gestartet. Anschließend wurden die Fahrzeuge bis zu einem Ladestand von 80% geladen und die Daten protokoliert.

Bei diesem Ladetest zeigte sich wieder einmal, wie wichtig eine gut temperierte Batterie für das Laden eines Elektrofahrzeuges ist. Trotz Temperaturen von -10°C an den Ladestationen, haben die getesteten Fahrzeuge gut abgeschnitten.

Laut der Erfahrung des ÖAMTCs werden in Zukunft die Punkte wie Ladegeschwindigkeit, Verbrauchseffizienz und die Verfügbarkeit von Ladestationen wichtiger sein als die maximale Reichweite eines Elektrofahrzeuges.

NAF EL PRIX Ladetest 2026 Ergebnisse durchschnittliche Ladeleistung, 10-80 % SOC, kW Benötigte Ladezeit, um von 10 % auf 80% SOC zu laden, Minuten Ladezeit 10 – 80% laut Hersteller, Minuten
Audi A6 192 23 21
BMW iX 142 37 35
Changan Deepal S05 126 23 23
Ford Capri 149 24 26
Hyundai Inster 72 30 30
Hyundai Ioniq 9 187 28 24
KGM Musso 84 43 36
Kia EV4 110 33 31
Lucid Air Grand Touring 176 33 k.A.
Mazda 6e 71 51 47
Mercedes-Benz CLA 161 24 22
MG IM6 164 25 17
MG S6 100 34 38
Opel Grandland 100 34 30
Skoda Elroq 146 25 26
Smart #5 249 16 18
Suzuki eVitara 56 45 45
Tesla Model Y 121 35 k.A.
Volvo ES90 170 25 22
Volvo EX90 118 39 30
Voyah Courage 134 26 35
VW ID.Buzz 161 25 26
Xpeng X9 384 12 12
Zeekr 7X 231 19 16

Florian Merker, ÖAMTC Test- und Technik Experte

„Dieses Mal war der ÖAMTC bei einer Prämiere dabei, als er seinen norwegischen Partnerclub NAF beim weltgrößten Elektrofahrzeugtest „El-Prix“ bei eisigen Temperaturen von bis zu -31°C unterstütze. Der „El-Prix“ Reichweitentest mit den kältesten Temperaturen den es bis jetzt gab. Die Ergebnisse zeigten, dass die eisigen Temperaturen einen großen Einfluss auf die Reichweite der Testfahrzeuge hatten. Leider konnte kein Fahrzeug eine Reichweite erreichen, die in die Nähe der angegebenen WLTP-Reichweite liegt, mit Abweichungen von bis zu 45,9%. Dieser Test zeigt, wie wichtig es im Winter (bei sehr kalten Temperaturen) für Elektroautofahrer ist, die Strecke gut zu planen und rechtzeitig eine Ladestation zu suchen. In Norwegen finden sich viele Fahrzeugmodelle, die es noch nicht auf den österreichischen Markt geschafft haben, aber bei dem Test dabei waren. Für den ÖAMTC ist es eine gute Vorschau, welche Modelle bzw. Hersteller in der nächsten Zeit den Schritt nach Europa planen.“