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Oberösterreichs erster ÖAMTC-Stützpunkt feiert 50-Jahr-Jubiläum

In Steyr fiel der Startschuss zum Aufbau der flächendeckenden Pannenhilfe.

Pannenhilfe_Steyr_vintage.jpg © ÖAMTC, Tom Grumböck
Pannenhilfe vor 50 Jahren © ÖAMTC, Tom Grumböck

Mit der Errichtung seines allerersten Stützpunktes in Oberösterreich legte der ÖAMTC vor einem halben Jahrhundert in Steyr nicht nur den Grundstein seines heutigen Erfolges, in Steyr fiel auch der Startschuss zum Aufbau der flächendeckenden Pannenhilfe in unserem Bundesland. Das erste Stützpunktgebäude, das sich an der Ennser Straße am Tabor befand, wurde 1967 errichtet und ging 1968 in den Vollbetrieb. Der ÖAMTC Oberösterreich, der damals erst rund 30.000 Mitglieder hatte, unterhielt vor der Eröffnung in Steyr lediglich eine technische Prüfwerkstätte im Clubgebäude in der Wankmüllerhofstraße in Linz.

Früher wurde patrouilliert

Pannenhelfer von damals. © ÖAMTC, Tom Grumböck Pannenhelfer von damals.

Die ÖAMTC-Pannenhilfe steckte in den 1960er-Jahren noch in den Kinderschuhen. „Die Pannenfahrer patrouillierten damals auf starkbefahren Routen wie der B1 zwischen Enns und den Strengbergen und führten im Stundenrhythmus Kontrollfahrten durch“, sagt Josef Böhm, heute 89-jähriger ÖAMTC-Pensionist und langjähriger Stützpunktleiter von Steyr.  In der Zeit zwischen den Kontrollfahrten hielten sich die Pannenhelfer möglichst sichtbar an der Strecke auf. Vorbeikommende Kraftfahrer konnten anhalten und die ÖAMTC-Patrouille über Pannen oder Unfälle entlang der Strecke informieren. Der Patrouillen-Dienst der Pannenhilfe hatte damals übrigens auch eine wichtige Funktion im Rettungswesen: Bei schweren Verkehrsunfällen wurde von den Pannenfahrern am Straßenrand eine Fahne mit der Aufschrift „Arzt gesucht“ ausgesteckt, um vorbeikommende Mediziner zu alarmieren. Zudem waren alle Pannenfahrer in Erster Hilfe geschult und alle Fahrzeuge des Pannendiensts mit Blutplasma-Konserven bestückt. Autofahren war damals noch viel gefährlicher als heute. Kollisionen endeten selbst bei geringem Tempo vielfach tödlich. 1962 starben in Österreich 1.622 Menschen bei Verkehrsunfällen, 1966 waren es 2.101. Den traurigen Höhepunkt gab es 1972 mit 2.948 Todesopfern. Zum Vergleich: 2017 verunglückten in Österreich im Straßenverkehr 413 Menschen tödlich.

Stützpunkt Steyr als Funk-Pionier des ÖAMTC

Die Dienstleistung „Pannenhilfe“ brachte dem ÖAMTC auch in Steyr und Steyr-Land einen enormen Zuwachs an Mitgliedern. Die hohe Verkehrsdichte und die immer professioneller werdende Pannenhilfe des ÖAMTC erforderten es, die Pannenfahrer ab Ende der 1960er-Jahre per Funk zu koordinieren. Als einer der ersten ÖAMTC-Stützpunkte überhaupt wurde Steyr mit einer eigenen Funkanlage ausgerüstet, was an einem 25 Meter hohen Funkmast auf dem Stützpunktdach auch weithin erkennbar war. Diese Funkanlagen waren bis zur flächendeckenden Verbreitung der Mobiltelefonie in den 1990er-Jahren erfolgreich im Einsatz.

Einen weiteren großen Zuwachs an Mitgliedern brachte dem ÖAMTC die Einführung der „Pickerl“-Überprüfung nach §57a, die von Anfang an in den ÖAMTC-Stützpunkten gemacht werden konnte. Mit 1. Jänner 1973 trat diese Bestimmungen in Kraft. Hintergrund der Pickerl-Einführung waren die horrenden Unfallzahlen auf Österreichs Straßen in den 1960er- und 1970er-Jahren. Der technische Zustand vieler Autos war damals katastrophal, grobe Defekte stellten eine enorme Gefahr für die Fahrer selbst als auch für andere Lenker mit einwandfreien Fahrzeugen dar. 

Kontrollen wurden vor Einführung des „Pickerls“ in Form von Stichproben oder auf Anordnung der Polizei durchgeführt. Wie schlimm es damals um den Fahrzeugbestand tatsächlich bestellt war, zeigte sich nach dem Start der „Pickerl“-Pflicht: Etwa ein Drittel der untersuchten Fahrzeuge bekam wegen schwerwiegender Mängel keine Plakette. Die neue Begutachtungs-Pflicht zeigte jedoch bald Wirkung: Schon ab dem Jahr 1973 sank die Anzahl der Verkehrstoten beträchtlich. Die ursprüngliche Vermutung, dass viele Verkehrsunfälle durch technische Gebrechen verursacht wurden, bestätigte sich. Das Pickerl stellt seitdem einen wesentlichen Beitrag zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr dar und gehört neben der Gurtpflicht und der Verbreitung von elektronischen Hilfen wie ABS und ESP zu den Meilensteinen der Verkehrssicherheit.

Steyr als Startschuss zur Stützpunkt-Offensive in Oberösterreich

Durch das nachhaltige Mitgliederwachstum und das immer bessere Pannenhilfe-Angebot konnte der ÖAMTC Oberösterreich ab Ende der 1960er-Jahre kräftig in die Infrastruktur investieren. Als zweiter Stützpunkt nach Steyr wurde 1968 Uttendorf eröffnet, es folgten Ried, Bad Ischl und Freistadt. 1975 hatte der ÖAMTC Oberösterreich bereits 13 Standorte in Betrieb. 1989 wurde mit Gmunden der 18. Standort eröffnet und das oberösterreichische Stützpunktnetz komplettiert.

Regionaler Mobilitätsdienstleister mit 21 Mitarbeitern

Stützpunktleiter Leopold Pfleger © ÖAMTC, Rudolf Laresser Stützpunktleiter Leopold Pfleger

Heute ist der ÖAMTC Steyr ein moderner Mobilitätsdienstleister. „Wir leisten nicht nur die Pannenhilfe, von uns werden auch alle Prüfdienstleistungen wie Pickerl-Begutachtung, Sicherheits- und Fahrwerksüberprüfung, Windschutzscheibenreparatur oder die Kaufüberprüfung durchgeführt“, sagt Leo Pfleger, Leiter des Stützpunkts Steyr. Das aktuelle, 2001 errichtete Gebäude an der Kreuzung der Gleinker Hauptstraße mit der B115/B309 vereint eine Vielzahl an Experten unter einem Dach. Ob Versicherungs-, Reise- und Sachverständigen-Service oder die Auswahl des passenden Kindersitzes: Kompetente Fachleute machen den ÖAMTC Steyr zu einem Nahversorgern in allen Mobilitätsbelangen.
Die Gelben Engel des ÖAMTC Steyr leisteten im Vorjahr 6456 Pannenhilfen und 1272 Abschleppungen. Direkt am Stützpunkt wurden weitere 11.482 kleinere und größere Pannen behoben. Dazu kamen Tausende technische Dienstleistungen wie beispielsweise die Pickerl- oder die Kaufüberprüfung. „Schwache, leere oder defekte Batterien waren 2017 der häufigste Pannengrund. Auf Platz zwei in der Pannen-Hitparade folgten Probleme mit Motor und Motor-Management. Sehr viele Einsätze gab es auch wegen Problemen mit dem Starter, Reifenschäden sowie vergessenen, verlorenen oder eingesperrten Schlüsseln“, sagt Pfleger. Derzeit sind beim ÖAMTC Steyr insgesamt 21 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Pannendienst sowie im Prüf- und Beratungsbereich beschäftigt. „Wir sind auch sehr stolz darauf, dass wir einen Lehrling zum Kfz-Techniker ausbilden“, so Pfleger.

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