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Sperre der Region Außerfern für „laute“ Motorräder, Meinung des ÖAMTC

Fahrverbot für Motorräder über 95 Dezibel.

Harley Dav_Fat Bob_www_IMO0251Michele Limina.jpg © Michele Limina
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Lärm durch Motorräder im Tiroler Außerfern:

Die Tiroler Region Außerfern (oberes Lechtal) ist seit vielen Jahren ein attraktives Ziel- und Durchfahrtsgebiet für Motorradfahrer. Leider ist diese Begeisterung der Zweiradfahrer für diese Täler und die kurvenreichen Pässe im Norden Tirols mit einer erheblichen Lärmbelastung für die Bevölkerung verbunden. Darum gibt es massive Anrainerproteste gegen den Lärm, der durch mitunter bis über 3.000 Motorräder pro Tag verursacht wird. Das Land Tirol hat in den letzten Jahren mit Tempolimits und Motivationskampagnen versucht, die Belastungen abzumindern. Das hat bisher nicht das erwartete oder erhoffte Ergebnis gebracht.

Aus diesen Gründen hat die Landesregierung im Jahr 2020 ein Fahrverbot verhängt.

Das Motorrad-Fahrverbot:

Konkret gilt von 10. Juni bis 31. Oktober 2020 jeden Tag ein Fahrverbot für alle (in- und ausländischen) einspurigen Motorräder mit einem Standgeräuschpegel von mehr als 95 dBA. Der maßgebliche Wert ist im Zulassungsschein im Feld U1 („Standgeräusch“) eingetragen. Mehrspurige Motorräder (Trikes oder Quads und Beiwagenmaschinen) und auch laute Sport-Pkw sind nicht vom Fahrverbot erfasst. Das Fahrverbot soll (hauptsächlich) durch Einblick in die Fahrzeugdokumente kontrolliert werden. Lärmmessungen sind nicht (und wenn, dann bestenfalls nur ausnahmsweise) geplant. Auch Ausnahmen für Anrainer, die als Bewohner solche Fahrzeuge besitzen, sind derzeit nicht ausdrücklich vorgesehen.

Was meint der ÖAMTC?

Der ÖAMTC kann die Belästigungen durch den Lärm und die politischen Absichten zur Bekämpfung des Problems nachvollziehen. Allerdings ist es fraglich, ob die aktuelle Verordnung das beabsichtigte Ziel erreicht.

Das hat mehrere Gründe:

1. Die Lärmbelästigung durch Motorräder hängt in erster Linie von der Fahr- bzw. Gebrauchsweise ab. Man kann sowohl Fahrzeuge mit niedrigem Standgeräuschpegel laut und unangenehm betreiben und umgekehrt ist es bei den meisten Modellen mit einem hohen Standgeräuschpegel möglich, sie lärmschonend zu bewegen. Die Besitzer der letzteren würden sich aber strafbar machen und riskieren, dass ihnen – neben der Verhängung einer Strafe – auch die Weiterfahrt verboten wird.

2. Auch jüngere Fahrzeuge, die zwar einen niedrigen Zulassungswert haben, können mit „Austauschschalldämpfern“ versehen sein, die zu einem lauteren Fahrgeräusch führen könnten.

Für den ÖAMTC ist der Eingriff mittels eines solchen Fahrverbotes zwar sowohl nach der österreichischen Straßenverkehrsordnung zulässig als auch EU-rechtlich nicht effektiv angreifbar. Ob die Maßnahme dem Zwecke dienlich ist, wird man evaluieren müssen.

Forderungen des ÖAMTC

Der ÖAMTC verlangt eine zeitnahe Überprüfung, ob die Vollziehung über theoretische Zulassungsdaten wirklich Messbares bringt. Wenn nicht, dann muss – so aufwendig das auch immer sein mag – auf die Messung der konkreten Lärmemission umgestellt werden, um die echten „Lärmsünder“ aus dem Verkehr zu ziehen und rücksichtsvoll fahrende Biker zu schonen und ihnen die Fahrt in das Gebiet erlauben.

Und unabhängig davon ist die Industrie gefordert, nicht nur Auspuffsysteme anzubieten, die Motorräder lauter und „kerniger“ klingen lassen sondern eine lärm- und umweltschonende Fahrweise – auch deutlich unterhalb der Werte im Genehmigungsdokument - ermöglichen.

Konsumentenschutz

Thema Konsumentenschutz & Mitgliederinteressen

Der ÖAMTC vertritt Interessen von mehr als 2 Millionen ÖAMTC-Mitgliedern gegenüber der Regierung, Verwaltungsbehörden und Herstellern in den Fällen von ungerechtfertigter Belastungen, Behördenschikanen oder mangelhafter Produktqualitäten.

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