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Kaufförderung für Elektroautos macht derzeit keinen Sinn

Investitionen in die Infrastruktur für alternative Antriebe sind zielführender.

Elektro-Tanken.jpg © ÖAMTC
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Elektrofahrzeuge sind Zweit- oder Drittautos

Den in letzter Zeit mehrfach geäußerten Forderungen nach einer Kaufprämie für Elektroautos erteilt der ÖAMTC eine klare Absage: "Rein batteriebetriebene E-Fahrzeuge bieten noch keinen vollwertigen Ersatz für Autos mit Verbrennungsmotor. Wie man am Beispiel Norwegen sieht, ersetzen privat angekaufte Elektrofahrzeuge lediglich Zweit- oder Drittautos", erklärt Bernhard Wiesinger, Leiter der ÖAMTC-Interessenvertretung.

Kaufprämien haben in so einem Fall keinen nachhaltigen Breiteneffekt. Sie führen nur zu sogenannten "Mitnahmeeffekten", bei denen potenzielle Käufer, die sich ohnehin ein Elektroauto angeschafft hätten, auch gerne die Förderung in Anspruch nehmen. Wiesinger: "Von Kaufprämien für Batterie-Elektroautos würden derzeit lediglich die Autoindustrie und fotoverliebte Politiker profitieren. Dem Klima hilft man damit nicht."

Förderung von Ladestationen im öffentlichen Raum

"Möchte man alternative Antriebe wirklich nachhaltig fördern, muss zuerst bei der Infrastruktur angesetzt werden", stellt Wiesinger fest. "Für batteriebetriebene Fahrzeuge heißt das: Förderung von Ladestationen im öffentlichen Raum. Und für Brennstoffzellen-Antriebe müssen Wasserstofftankstellen gefördert werden."

Neben einem Ausbau entsprechender Einrichtungen im öffentlichen Raum muss auch die Errichtung privater Ladestationen forciert werden. "Wenn gleichzeitig mit dem Elektroauto eine Photovoltaik-Anlage mit einem entsprechenden Batterie-Speicher angeschafft wird, ist es nachhaltiger, schwerpunktmäßig die Anschaffung dieser Anlage zu fördern als den Kauf des E-Autos", schlägt Wiesinger vor.

Zudem braucht es auch beim Ladebetrieb lenkende Maßnahmen durch die Politik. Wie eine Erhebung des ÖAMTC im September dieses Jahres gezeigt hat, setzen Ladesäulen-Betreiber oft auf unterschiedliche Bezahlsysteme. Daher kann von den Konsumenten nur ein eingeschränkter Kreis an Ladestationen auch tatsächlich genutzt werden. "Hier ist die Politik gefordert, für ein 'Lade-Roaming' – ähnlich wie beim Mobilfunk – zu sorgen, um den Zugang zu sämtlichen Ladestationen sowie eine kundenfreundliche Abrechnung zu ermöglichen", erläutert der Chef der ÖAMTC-Interessenvertretung.

Bestehende Kaufprämien greifen nicht

Dass Kaufprämien nicht zwingend funktionieren müssen, zeigt das Beispiel Deutschland. Trotz einer Kaufprämie in der Höhe von insgesamt 4.000 Euro für reine Batterieelektrofahrzeuge, wurden von Anfang Juli bis Ende September 2016 gerade einmal 2.650 Anträge darauf gestellt. Im gleichen Zeitraum wurden in Deutschland 821.944 Pkw neu zum Verkehr zugelassen. Auch in Österreich gibt es ähnliche Erfahrungen: In Salzburg erhält man seit Jahresbeginn als Privatperson bis zu 6.000 Euro beim Kauf eines Elektroautos. Von diesem Angebot haben laut Presseberichten bis Anfang September aber lediglich 35 Autofahrer Gebrauch gemacht.

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