Medizintechnische Geräte in der Flugrettung müssen handlich, leistungsfähig und luftfahrttauglich sein. Aber wie finden sich die richtigen? KLEIN, ABER FEIN Christophorus Dezember 2025 M A G A Z I N Z E I TSCHR I FT DE R ÖAMTC- F LUGR ETTUNG Österreichische Post AG – MZ 03Z035183 M – Christophorus Magazin, Baumgasse 129, 1030 Wien Emotion: Ein Thermenbesuch wird zur Geschichte einer beispiellosen Lebensrettung. Seite 4 Information: Ein Helm verhindert keinen Unfall, mindert aber das Verletzungsrisiko. Seite 8
2 Es ist die Zeit anderen, aber auch sich selbst eine Freude zu machen. Wir wünschen Ihnen eine wunderbare Zeit und ein glückliches neues Jahr! FE T SZEIT T F UDENZEIT generali.at
3 INHALT Geburtstag Vater und Sohn Partnerschaft 40 Jahre Bei einem Thermenbesuch wurde Johann Schausz nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand erfolgreich wiederbelebt. Martin und Gerold Klammer teilen den Nachnamen und die Leidenschaft für die Notfallrettung. Ein Vertrag zwischen der HeliAir und Thales Aerospace sorgt künftig für eine verlässliche Versorgung mit Avionik-Komponenten. Mit einem großen gemeinsamen Crewtag wurden am C4-Stützpunkt in Reith bei Kitzbühel vier Jahrzehnte Flugrettung gefeiert. 4. Emotion 7. 14. Innovation 15. 12. Die HeliAir setzt mit einem neuen Lichtsystem einen Meilenstein. 18. Sicher landen trotz Schneeverwirbelungen und White-out. 16. Wie neue medizinische Geräte geprüft, getestet und sicher eingeflottet werden. Fotos: ÖAMTC/Postl (2), ÖAMTC/HeliAir (1); COVERFOTO: ÖAMTC/Postl Medizintechnik im Fokus Als Mediziner:innen orientieren wir uns an den hohen Qualitätsansprüchen des Flugbetriebs und der Technik. Für jede Veränderung am und im Hubschrauber ist ein aufwendiges Prüf- und Zulassungsverfahren Voraussetzung. Daher muss es unser Anspruch sein, auch neue Geräte und Ausrüstungsgegenstände auf Herz und Nieren zu testen. Selbst wenn ein neues Medizinprodukt zertifiziert und bereits im Rettungsdienst im Einsatz ist, bedeutet das nicht, dass es auch unseren Ansprüchen in der Flugrettung gerecht wird. Gleichzeitig müssen wir uns fortlaufend mit neuen, vielleicht vielversprechenden Technologien befassen, um am Puls der Zeit zu sein. In dieser Ausgabe stellen wir unseren neu entwickelten Prozess zur Einführung neuer Medizinprodukte vor. Am Beispiel der Auswahl eines Videolaryngoskops der nächsten Generation zeigen die Autor:innen, wie viele Schritte angefangen von der Markterkundung über Tests im Simulationszentrum bis hin zur Felderprobung in der Prozesslandkarte definiert sind. In diesem Jahr haben wir viel dazugelernt. Neue Medizintechnik wird es zukünftig nur dann schaffen, fixer Teil unserer Ausrüstung zu werden, wenn sie sich nach den Tests im Versuchslabor auch in allen möglichen Einsatzszenarien als zuverlässig erwiesen hat. Information Kopfsache 900 Schädel-Hirn-Verletzungen versorgen die ChristophorusCrews pro Jahr. Auch nach Stürzen mit E-Bikes oder E-Scootern. 8. Vision Ruhestand Mit Helmut Trimmel und Hans Koren verabschiedeten sich zwei Kollegen in die Pension. 19. WOLFGANG VOELCKEL Leitender Notarzt ÖAMTC-Flugrettung
4 EMOTION Christophorus von Sonja Kellner DOPPELTER GEBURTSTAG Ein entspannter Thermenbesuch wurde für Johann Schausz zum Albtraum – und zur Geschichte einer beispiellosen Rettung, weil viele Menschen im richtigen Moment das Richtige gemacht haben. Eigentlich wollte Johann Schausz am 31. Juli nur entspannt seinen Geburtstag feiern – gemeinsam mit seiner Frau Maria in der St. Martins Therme & Lodge im Burgenland. Doch kaum hatten die beiden das Foyer betreten, klagte der 71-Jährige über Seitenstechen und brach zusammen. Herz-Kreislauf-Stillstand. Von einer Sekunde auf die andere wurde aus einem gewöhnlichen Sommertag ein Wettlauf gegen die Zeit. „Ich kann mich an fast nichts erinnern“, erzählt Schausz später. „Nur daran, dass alles ganz plötzlich schwarz wurde. Und ich weiß, dass ich Glück hatte – auch weil es Menschen gab, die keine Sekunde gezögert haben.“ Entscheidende Minuten An der Thermenkassa standen an diesem Vormittag Anastasia Chirtes und Vanda Hegyi-Antman. Sie reagierten instinktiv: riefen sofort Hilfe, setzten den Notruf ab, organisierten einen Sichtschutz. Badecoach Attila Debreceni, der gerade in der Nähe war, begann ohne Zögern mit der Reanimation. „Wir haben nicht lange nachgedacht – einfach gemacht, was wir gelernt haben“, sagt er. „Durch viele Erste-Hilfe-Kurse und Erfahrungen in den letzten Jahren war mir klar, dass jede Sekunde zählt. In diesem Moment lief alles automatisch ab – die Abläufe und Schritte, die ich in den Kursen gelernt hatte, kamen mir sofort in den Sinn. Ich habe versucht, ruhig zu bleiben und professionell zu reagieren.“ Routine, die Leben rettet. Johann Schausz besuchte gemeinsam mit seiner Frau seine Lebensretter:innen.
5 EMOTION Christophorus Alle arbeiteten Hand in Hand: Während die einen Wiederbelebungsmaßnahmen durchführten, holten andere den Defibrillator, kümmerten sich um die Ehefrau, hielten Kontakt mit der Leitstelle – ein perfekt funktionierendes Uhrwerk. „Unsere Mitarbeiter:innen trainieren regelmäßig für solche Notfälle – und an diesem Tag hat sich gezeigt, wie wichtig das ist“, sagt General Manager Martin Adelwöhrer. „Niemand hat gezögert, alle haben gemeinsam gehandelt.“ Jede Sekunde zählt Minuten später traf das Notarztteam des Roten Kreuzes ein und übernahm die Reanimation. „Die Ersthelfer:innen haben alles richtig gemacht. Als wir ankamen, konnten wir den Patienten dadurch relativ rasch stabilisieren“, erzählt Notarzt Florian Pundy. Kurz darauf landete auch Christophorus 18 direkt neben der Therme. „Bei einem Herzstillstand entscheidet das Handeln der ersten Minuten. Was hier geleistet wurde, war vorbildlich – eine perfekte Rettungskette“, sagt Thomas Wagner, Base Manager des C18. Mit dem Hubschrauber wurde Johann Schausz schließlich ins Krankenhaus geflogen – und schon nach wenigen Tagen durfte er dieses auch wieder verlassen. Auch für die Mitarbeiter:innen der Therme war der Vorfall emotional belastend. „Man funktioniert in demMoment einfach. Erst später merkt man, was man da eigentlich erlebt hat – und dass so eine Situation an niemandem spurlos vorübergeht“, beschreibt es Attila Debreceni. „Solche Erlebnisse zeigen einem, wie wichtig Zivilcourage und Entschlossenheit sind. Ich habe noch mehr Vertrauen in meine Fähigkeiten gewonnen und weiß jetzt, dass innere Ruhe und Teamarbeit den entscheidenden Unterschied machen können. Es hat mich bestärkt, auch in Zukunft bereit zu sein, zu helfen, wenn jemand in Not ist.“ Damit aber auch keine:r der Mitarbeiter:innen mit dem Erlebten allein blieb, wurde noch am selben Tag ein Kriseninterventionsgespräch organisiert, um das Ereignis gemeinsam aufzuarbeiten. Wiedersehen Einige Wochen später steht Johann Schausz wieder in der Eingangshalle der Therme. Diesmal lächelt er. Neben ihm seine Frau – und vor ihm die Menschen, die ihn gerettet haben. „Ich wollte euch Christophorus 18 landete direkt am Parkplatz vor der Therme. einfach sehen“, sagt er und lächelt. „Und Danke dafür sagen, dass ich jetzt zwei Geburtstage feiern kann. Einen, den mir das Leben geschenkt hat – und einen, den ihr mir ermöglicht habt.“ Was an jenem Julitag geschah, zeigt eindrucksvoll, wie viele Hände hinter einer erfolgreichen Lebensrettung stehen. Vom beherzten Eingreifen der Ersthelfer:innen über die professionelle Arbeit des Roten Kreuzes bis hin zur schnellen Versorgung und zum Transport durch Christophorus 18 – alles griff perfekt ineinander. ▲ „Ich war vollkommen auf die Situation konzentriert. Emotionen kamen erst später – im Augenblick selbst funktioniert man einfach. Gleichzeitig war es ein gutes Gefühl, zu wissen, dass ich nicht allein war. Meine Kolleg:innen haben großartig reagiert, und ihre Unterstützung hat mir viel Sicherheit gegeben.“ ATTILA DEBRECENI Badecoach Fotos: ÖAMTC/C18 (1), Sankt Martins Lodge (2) Check der Erste-Hilfe-Ausrüstung.
EMOTION 6 Perfektes Zusammenspiel aller Einsatzkräfte in Niederösterreich. Kurze Lagebesprechung am Einsatzort. Nächtliche Windenbergung C14 und Polizeihubschrauber retten zwei Schneeschuhwanderer Zu einem anspruchsvollen Einsatz wurden Anfang November die Bergrettung Werfen sowie Christophorus 14 auf den Hochkönig alarmiert. Zwei Schneeschuhwanderer waren im Aufstieg Richtung Matrashaus in winterlichem, teils tiefem Schnee deutlich langsamer vorangekommen als geplant. Auf rund 2.700 Metern konnten die beiden 19-jährigen Deutschen schließlich nicht mehr weiter und setzten nach Einbruch der Dunkelheit einen Notruf ab. Während die Bergrettung einen Einsatz im hochalpinen Gelände vorbereitete, wurde gleichzeitig auch Unterstützung aus der Luft angefordert. Bergungen in der Nacht können allerdings nur mit Winde durchgeführt werden. Da die C14-Crew aus Niederöblarn sowohl über diese Spezialausrüstung als auch über Erfahrung in nächtlichen Windenrettungen verfügt, wurde sie angefordert. Zudem unterstützte ein Polizeihubschrauber parallel die Such- und Bergungsarbeiten durch Ausleuchtung des Bereichs zwischen Kniebeißer und Bratschenkopf. Schon bald gelang es, die beiden Wanderer zu lokalisieren, sicher aufzunehmen und sie ins Arthurhaus zu fliegen. Dort erfolgte die medizinische Erstversorgung der beiden, die erschöpft und unterkühlt waren. Rasche Hilfe trotz Nebels Mit dem Rettungsfahrzeug zum Notfallort Dichter Nebel lag Ende Oktober über dem Nordburgenland – keine Bedingungen für Hubschraubereinsätze. Dennoch war rasche Hilfe gefragt: In einer Pflegeeinrichtung erlitt ein älterer Mensch mit einer Herzerkrankung einen medizinischen Notfall und benötigte sofortige notärztliche Versorgung. Da das Notarzteinsatzfahrzeug Frauenkirchen zu diesem Zeitpunkt bereits bei einem anderen Einsatz war, reagierte die Leitstelle umgehend und kombinierte die verfügbaren Ressourcen auf optimale Weise. Ein Rettungswagen des Roten Kreuzes wurde zum C18-Stützpunkt entsandt, um Notärztin und Flugretter aufzunehmen und zum Notfallort zu bringen. Bereits wenige Minuten später konnte dem Patienten durch die rasche medizinische Intervention geholfen werden. Christophorus Rettungskette funktionierte perfekt Wanderin nach Herzinfarkt rasch in Klinik geflogen An einem sonnigen Septemberwochenende waren im Bezirk Lilienfeld zahlreiche Wander:innen unterwegs – darunter auch eine 75-jährige Frau, die den Eibl bei Türnitz als Ausflugsziel gewählt hatte. Der Tag endete jedoch anders als geplant: Auf dem Weg erlitt die Pensionistin plötzlich starke Brustschmerzen. Umstehende setzten sofort einen Notruf ab und leiteten erste Hilfsschritte ein. Die Bergrettung Lilienfeld & Freiland übernahm wenig später die Versorgung im Gelände und brachte die Patientin zur Bergstation, wo bereits der Notarzthubschrauber Christophorus 15 bereitstand. Von dort wurde sie rasch ins Universitätsklinikum St. Pölten geflogen, wo sie umgehend behandelt werden konnte. Wenige Tage später zeigte sich die Patientin überaus dankbar für die professionelle Rettungskette: „Ich habe vier Stents bekommen – jetzt bin ich wieder obenauf. Mein Dank gilt allen, die mir geholfen und mir das Leben gerettet haben.“ Umsteigen in den Rettungswagen.
7 Wenn der Notarzthubschrauber im Bezirk Wolfsberg landet, kann es schon einmal sein, dass Vater und Sohn aufeinandertreffen. Nämlich dann, wenn Gerold Klammer aus dem Christophorus 11 steigt und sein Sohn Martin bereits mit dem Roten Kreuz vor Ort ist. Ein kurzes „Hallo, Bua“, gefolgt von einem „Hallo, Papa“ – und dann geht es zur gemeinsamen Patient:innenversorgung. Zwischen Routine und Blaulicht Gerold Klammer ist seit zwei Jahrzehnten Notarzt am Christophorus 11 sowie am „Hallo, Papa!“ Martin und Gerold Klammer teilen nicht nur den Nachnamen, sondern auch die Leidenschaft für die Notfallrettung – beruflich, privat und gelegentlich Schulter an Schulter im selben Einsatz. EMOTION Fotos VON: zVg (1), C18 (1), Bergrettung Werfen (1), Bergrettung Lilienfeld & Freiland (1) Alpin 1, Anästhesist im UKH Klagenfurt und bodengebunden auf zwei Notarztstützpunkten aktiv. Sein Sohn Martin ist Notfallsanitäter beim Roten Kreuz Wolfsberg und engagiert sich zusätzlich bei Feuerwehr und Bergrettung. Ihr Alltag dreht sich um Notfälle – manchmal auch um dieselben. Einmal im Jahr arbeitet Martin sogar für einige Wochen im Spital mit, in der Anästhesieabteilung seines Vaters. Die beiden stehen dann gemeinsam im OP oder auf der Intensivstation. Für die Kolleg:innen ist das ein vertrautes Bild – und für Martin ein wichtiger Lernmoment. „Man merkt einfach, dass mein Vater weiß, was er tut“, sagt Martin. Und alle anderen merken: Hier sind zwei am Werk, die sich verstehen. Diskussionen bis in die Nacht Daheim wird weitergeredet: über Einsätze, über Abläufe, über alles, was man aus dem Rettungsalltag mit nach Hause nimmt. „Es kann schon mal länger werden“, schmunzelt Martin. „Manchmal diskutieren wir so intensiv, dass meine Mutter den Raum verlässt und uns alleine lässt.“ Dann wird’s fachlich, oft auch emotional – aber immer respektvoll. Viel Respekt Die beiden verbringen viel Zeit miteinander – bei gemeinsamen Bergtouren, zu Hause, im Dienst. Und wenn es wirklich hart auf hart kommt, arbeiten sie Seite an Seite, ohne viele Worte, aber mit umso mehr Vertrauen. „Ich schau zu ihm auf“, sagt Martin. „Nicht weil er sich in den Vordergrund stellt, sondern weil er einfach macht, was getan werden muss. Mit Ruhe, Menschlichkeit und Konsequenz. Das prägt und verbindet.“ ▲ Martin und Gerold sind gemeinsam auch viel in den Bergen unterwegs. von Ralph Schüller Christophorus
8 INFORMATION Christophorus KOPFSACHE 900 Patient:innen mit Schädel-Hirn-Verletzungen versorgen die Christophorus- Crews jedes Jahr, in vielen Fällen nach einem Sturz mit dem E-Bike oder dem E-Scooter.
9 INFORMATION Christophorus In Österreich verunglückten 2024 2.721 E-Bike- und 2.102 E-Scooter-Fahrende, 27 Personen kamen dabei ums Leben. Alarmierende Zahlen – und Besserung ist nicht in Sicht: Im ersten Halbjahr 2025 verunfallten allein 1.127 E-Scooter-Nutzer:innen, um 31 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2024. Aktuellere Zahlen lagen zu Redaktionsschluss nicht vor, man kann aber davon ausgehen, dass 2025 in dieser Hinsicht ein weiteres Rekordjahr im negativen Sinne wird. Als Reaktion auf diese Entwicklung soll das Tragen eines Helms künftig gesetzlich vorgeschrieben sein – es gibt allerdings einen Haken. Warum passieren so viele Unfälle? E-Bikes erreichen schnell Geschwindigkeiten von 25 km/h und mehr, sie sind schwer und haben starke Bremsen. Allein diese Unterschiede zum Fahrrad erhöhen – vor allem für Ungeübte – die Sturzgefahr enorm. Und: Die elektrische Unterstützung beim Treten kann trügerisch sein, gaukelt sie doch oft eine Fitness vor, die nicht in diesem Ausmaß vorhanden ist. Daraus resultiert eine deutliche Zunahme des Zweiradverkehrs. Ein Beispiel dafür sind alpine Bereiche, die dank E-Motor auch von älteren oder untrainierten Gelegenheitsradler:innen erreicht werden können. Hier sind es dann vor allem die Abfahrten, die jedes Jahr zahlreiche Opfer fordern. Nicht weniger problematisch ist die Situation bei E-Scootern: Die vor allem innerstädtisch genutzten Roller beschleunigen oft schneller als erwartet. Gerade im belebten, urbanen Umfeld kommt es dadurch häufig zu abrupten Bremsmanövern, seitlichem Wegrutschen oder Kollisionen. Die kleinen Räder der Scooter „Ein Helm verhindert keinen Unfall, mindert aber das Risiko schwerster Verletzungen. Das erhöht die Überlebenschancen und erleichtert die Genesung erheblich.“ WOLFGANG VOELCKEL leitender Notarzt der ÖAMTC- Flugrettung E-Bike- und 40 Prozent der E-ScooterUnfälle ohne Fremdeinwirkung stattfinden, wird die entscheidende Rolle des Helms sogar noch deutlicher. Es führt also kein Weg daran vorbei, die Helmtragequote zu erhöhen. Eine ÖAMTC-Beobachtung, die im März und im April 2025 durchgeführt wurde, zeigt das Potenzial: Während sich beim E-Bike innerstädtisch über 52 Prozent und auf Freizeitrouten beinahe 80 Prozent aller Nutzer:innen mit einem Helm schützen, sind es nur knapp über zehn Prozent der E-Scooter-Fahrer:innen. Treffsicherheit erhöhen Eine Helmpflicht, sind sich die Expert:innen beim Mobilitätsclub einig, sei jedenfalls eine sinnvolle Maßnahme. Im Zuge der 36. Novelle der von Stefan Tschernutter verstärken zusätzlich das Risiko, an Bordsteinen oder Hindernissen zu stürzen – nicht selten mit direktem Kopfaufprall. Was heißt das aus medizinischer Sicht? Wolfgang Voelckel ist leitender Notarzt der ÖAMTC-Flugrettung. „Auch wir sind seit einigen Jahren mit steigenden Einsatzzahlen nach E-Bike- und E-Scooter-Unfällen konfrontiert. Dabei sehen wir unterschiedliche Verletzungsmuster, häufig sind dabei Knochenbrüche. Besonders problematisch sind aber SchädelHirn-Verletzungen, die deutlich schwerer ausfallen, wenn kein Helm getragen wurde“, erläutert der erfahrene Notfallmediziner. Generell gehören Verletzungen im Schädel-Hirn-Bereich zu den zeitkritischsten Notfällen. Voelckel dazu: „Selbst geringe Verzögerungen in der Notfallbehandlung schwerer SchädelHirn-Verletzungen können sich ungünstig auf die neurologische Rehabilitation auswirken oder die Überlebenschance verringern. Wir müssen auch konstatieren, dass jedes Jahr bei zehn bis 30 Prozent der Patient:innen mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma eine Behinderung zurückbleibt.“ Entsprechend wichtig ist die umgehende Versorgung in gut ausgestatteten Traumazentren. Hier kommt der Hubschrauber ins Spiel, der für die teils großen Distanzen zwischen Unfallort und Spezialklinik das optimale Transportmittel ist. Was ist zu tun? Studien und Erfahrungswerte der Notfallmedizin belegen eindeutig: Ein korrekt getragener Helm senkt das Risiko schwerer Kopfverletzungen signifikant – in vielen Untersuchungen um 40 bis 70 Prozent. Unfälle, so Voelckel, könne das zwar nicht verhindern, aber: „Aus einer tödlichen Kopfverletzung wird durch den Helm eine schwere Kopfverletzung, aus einer schweren eine mittelschwere – und wer sich leicht verletzt hätte, hat mit Helm gute Chancen, im Kopfbereich gänzlich unversehrt zu bleiben.“ Bedenkt man ferner, dass mehr als die Hälfte der ›
10 INFORMATION Christophorus Schädel-Hirn-Verletzungen nach Stürzen oder Unfällen ● Gehirnerschütterungen (SHT Grad 1) 90 % aller SHT (65.000 Fälle in Österreich p. a.) ● Brüche des Gesichts- und Hirnschädels ● Mittelschwere und schwere SchädelHirn-Traumen (SHT Grad 2 und 3). Geschätzte Häufigkeit: 2.000 bis 20.000 Fälle in Österreich p. a. ● Traumatische intrakranielle Blutungen ● Entwicklung eines Hirnödems nach einem schweren SHT ● Diffuse Nervenschäden Infobox Straßenverkehrsordnung soll eine solche auch kommen – für E-Bike- bis 14, für E-Scooter-Nutzer:innen bis 16 Jahre. Dieser Vorschlag lässt Treffsicherheit vermissen, wie Vertreter des ÖAMTC und der ÖAMTC-Flugrettung bei einer Pressekonferenz Anfang November erklärten: Bei den E-Scooter-Unfällen waren nur 14 Prozent aller Verunglückten 13 bis 16, bei den E-Bikes nur zwei Prozent 13 bis 14 Jahre alt. Bei Letzteren liegen die mit Abstand höchsten Zahlen in der Altersgruppe von 55 bis 67 Jahren. Die Novelle berücksichtigt das reale Unfallgeschehen also unzureichend. Gerade für E-Scooter ist angesichts der dramatisch steigenden Unfallzahlen, der niedrigen Helmtragequote und schlechter fahrdynamischer Eigenschaften aus Sicht des ÖAMTC eine Helmpflicht ohne Alterseinschränkung sinnvoll und unumgänglich. Bei E-Bikes ist die Situation anders: Hier gibt es bereits eine OGH-Entscheidung, die Schadenersatzforderungen deutlich mindert, wenn kein Helm getragen wurde. Und: Schon jetzt schützt sich die Mehrheit der E-Bike-Fahrenden mit einem Helm. Zur Erhöhung dieser Quote schlägt der Club daher eine „gesetzliche Gedächtnisstütze“ in Form einer Helmpflicht ohne Strafandrohung vor. Ziel sollte es sein, möglichst viele E-Biker:innen zum Tragen eines Helms zu motivieren, dafür braucht es nicht zwangsläufig Strafen, wie auch das Beispiel Skihelm zeigt. Notfallmedizinisches Fazit Unsere Flugrettungsteams setzen alles daran, Patient:innen mit einem Schädel-Hirn-Trauma rasch und professionell zu versorgen und das Risiko von sekundären Hirnschäden aufgrund des Versagens von Atmung oder Kreislauf zu minimieren. Das unmittelbare Ausmaß der Hirnverletzung kann aber nur der Helm reduzieren. Aus medizinischer Perspektive ist die Argumentation daher eindeutig: Eine höhere Helmtragequote bei E-Bike- und E-Scooter-Fahrer:innen ist ein wirksamer, kostengünstiger und unmittelbar schützender Beitrag zur Verletzungsprävention! ▲ Versuche im Crashtestcenter zeigen deutlich das Verletzungsrisiko. Fotos VON: Feepick (2), DEKRA (1), ÖAMTC/APA-Fotoservice/Tesarek (1), C4_MM (1), Die Helfer Wiens/Marlena König (1), McArthurGlen Designer Outlet Parndorf (1) Helmpflicht und Verletzungshäufigkeit
11 INFORMATION Christophorus Die C4-Crew für ein Buchprojekt eindrucksvoll in Szene gesetzt. Helm im ÖAMTC-Design. Wolfgang Kastel gemeinsam mit dem Wiener Bürgermeister und der C9-Crew. Fest der Helfer Wiens Abordnung von Christophorus 9 dankt langjährigem Unterstützer Im Wiener Rathaus fand Mitte November das jährliche „Fest der Helfer“ statt. Bei dieser Veranstaltung werden Mitarbeiter:innen aus Einsatzorganisationen, städtischen Dienststellen und befreundeten Vereinen für besondere Leistungen ausgezeichnet. Auch eine Abordnung des Wiener Notarzthubschrauber-Stützpunkts nahm an der Feier teil. Die C9-Crew nutzte den Anlass, um dem langjährigen Geschäftsführer der Helfer Wiens, Wolfgang Kastel, für seine Unterstützung und enge Zusammenarbeit über viele Jahre zu danken. Nach mehr als zwei Jahrzehnten an der Spitze der Organisation verabschie- det er sich nun in den Ruhestand. Das Fest unterstrich einmal mehr die Bedeutung verlässlicher Partnerschaften innerhalb der Wiener Sicherheits- und Einsatzlandschaft. Im Bild Regionaler Streifzug Für seinen Bildband „DAHOAM“ hat der Tiroler Fotograf Markus Mitterer auch die C4-Crew am Stützpunkt in Reith bei Kitzbühel besucht und das Team mit seinem charakteristischen Stil ins richtige Licht gesetzt. Der Bildband versteht sich als Hommage an die Menschen der Region – und die C4-Crew ist darin ein sichtbarer Bestandteil des gelebten Miteinanders von Einsatzkräften und Bevölkerung. Unterstützung Hightechhelme stärken Sicherheit und Kommunikation im Einsatz Im Rahmen einer Kooperation unterstützt das Designer Outlet Parndorf Christophorus 18 mit drei modernen Flugrettungshelmen. Eine komplette Crew wird damit vollständig ausgestattet. Die Helme verfügen über integrierte Kommunikationssysteme, ergonomischen Sitz und hohe Stoß- sowie Durchstoßfestigkeit. Dank des geringen Gewichts und der durchdachten Polsterung bleiben die Helme auch bei längeren Einsätzen angenehm zu tragen, was Konzentration und Leistungsfähigkeit der Crews unterstützt. 55 Jahre ADAC Luftrettung Glückwünsche aus Österreich Die ADAC Luftrettung feierte ihr 55-jähriges Bestehen – ein bedeutendes Jubiläum für eine der traditionsreichsten Flugrettungsorganisationen Europas. Aus diesem Anlass überbrachte Geschäftsführer Marco Trefanitz persönliche Glückwünsche nach Oberpfaffenhofen. Im Rahmen der Feierlichkeiten am neuen ADAC-Luftrettungscampus ergab sich zudem die Möglichkeit zu einem vertiefenden Austausch mit Vertreter:innen unterschiedlicher Organisationen und Unternehmen. Die seit vielen Jahren bestehende Partnerschaft zwischen ADAC Luftrettung und ÖAMTC-Flugrettung steht für gemeinsame Qualitätsansprüche, hohe Sicherheitsstandards und einen kontinuierlichen Innovationsgeist in der europäischen Luftrettung.
12 INNOVATION Christophorus Wer nachts in unwegsames Gelände fliegt, muss Gefahren erkennen, noch bevor sie sichtbar werden – Baumwipfel, Masten, Leitungen, Geländekanten oder lose Gegenstände, die im Dunkeln zu echten Risiken werden können. „Mit immer länger werdenden Einsatzzeiten und zunehmenden 24/7-Standorten wird Licht daher zu einem entscheidenden Sicherheitsfaktor“, sagt Florian Bucher, Head of Design bei HeliAir. Und genau hier setzt das jüngst in Innsbruck entwickelte Konzept an: Es soll den Bereich vor, unter und rund um den Hubschrauber so ausleuchten, dass für Pilot:innen Hindernisse großflächig erkennbar sind und die Crew sicher arbeiten kann. Der Zeit voraus Bereits vor über zehn Jahren hatte die Entwicklungsabteilung der HeliAir die Vision einer großflächigen Frontbeleuchtung. Damals sollten Lichtquellen im sogenannten Forward Access Cover hinter Plexiglas verbaut werden, um den Bereich vor dem Hubschrauber breit auszuleuchten. An technischen Möglichkeiten mangelte es allerdings und die Idee blieb in der Schublade. Bis zum Frühjahr 2025, denn beim Besuch des tschechischen Herstellers AVEO Engineering wurde dem Team ein Lichtsystem vorgestellt, das für US-Polizeieinheiten entwickelt worden war – leistungsstark, variabel und robust. „Da haben wir sofort erkannt, dass jetzt der richtige Moment gekommen ist, um unsere Vision endlich umzusetzen“, erinnert sich Florian. Breite Ausleuchtung, smarte Steuerung und mehr Sicherheit bei Nacht. Die HeliAir setzt mit ihrem neuen Lichtsystem einen Meilenstein. ES WIRD HELLER von Ralph Schüller Provisorische Halterung für die Testflüge.
13 INNOVATION Christophorus „Gemeinsam beschlossen wir, die Außenbeleuchtung eines Hubschraubers komplett neu zu denken. Unser Ansatz dabei war nicht, mehrere Einzellösungen für unterschiedliche Szenarien zu finden, sondern ein harmonisch funktionierendes Gesamtkonzept zu schaffen.“ Breite Ausleuchtung Das neue Lichtkonzept soll vor allem Pilot:innen entlasten und die Flugsicherheit erhöhen. Automatische Abläufe sollen dabei je nach Flugphase das Ein- oder Ausschalten bestimmter Leuchten übernehmen, sodass sich die Crew stärker auf den Flug konzentrieren kann. Herzstück des Systems sind unter anderem halbkreisförmig angeordnete LED-Panels, die den Anflugbereich rund 120 Grad breit ausleuchten, ein kraftvolles Windenlicht, das auf 100 Metern den doppelten Rotordurchmesser erhellt, sowie ein schmales, weitreichendes Licht, das mögliche Hindernisse im „Escape Path“ früh sichtbar macht. Besondere Aufmerksamkeit verdient ein leistungsstarker, 360 Grad drehbarer Lichtkopf, der breites Flutlicht, fokussiertes Fernlicht und einen Infrarotmodus für den Einsatz mit Nachtsichtgeräten kombiniert – und damit völlig neue Dimensionen der Ausleuchtung erreicht. Praxistest Um erste Eindrücke zu sammeln und das bereits existierende US-Polizei-Modul in der Praxis zu erproben, hat die Entwicklungsabteilung (Part 21) eine spezielle Halterung konzipiert. Die Montage am Hubschrauber übernahmen Techniker:innen aus der Wartung (Part 145). Zudem wurde gemeinsam mit Roland Retschitzegger, der als Testpilot zur Verfügung stand, ein umfangreiches Testflugprogramm ausgearbeitet. Parallel dazu konnten durch die CAMO (verantwortlicher Bereich für die Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit von Luftfahrzeugen) sämtliche Anträge bei den Behörden gestellt werden. „Ein Projekt dieser Größenordnung funktioniert nur, wenn intern bereichsübergreifend perfekt zusammengearbeitet wird“, weiß Florian. Auch vom Boden aus wirkt das neue Beleuchtungskonzept sehr beeindruckend. Die Testflüge fanden unter realen Einsatzbedingungen wie leichtem Regen, Schneefall und geschlossener Wolkendecke statt. Perfekte Bedingungen, um herauszufinden, was das System wirklich kann. „Ich hatte schon erwartet, dass das Licht gut ist – aber nicht, dass es bei dem Wetter sprichwörtlich die Nacht zumTag macht. Die Ausleuchtung war viel besser als alles, was ich bisher gesehen habe“, zeigt sich Roland beeindruckt und betont die Alltagstauglichkeit. „Die Kombination aus breiter Ausleuchtung, Fernlicht und automatischen Modi nimmt im Cockpit enorm den Stress. Man sieht Hindernisse viel früher, und das bei deutlich weniger Bedienaufwand.“ › Fotos: ÖAMTC/Birbaumer (2) Hier kann man entdecken, wie das neue HeliAir-Lichtkonzept Pilot:innen unterstützt, Landeplätze und Einsatzstellen großflächig ausleuchtet und Sicherheit in der Nacht neu definiert.
14 Das Team der HeliAir gemeinsam mit Vertreter:innen von Thales in Köln. INNOVATION Christophorus Große Bühne Das finale Design des Beleuchtungskörpers stand zwar bereits seit Mai fest, doch die Umsetzung konnte erst nach den erfolgreichen Testflügen in Angriff genommen werden. Viel Zeit blieb allerdings nicht, sollte die Neuentwicklung doch auf Europas größter Hubschrauber-Messe, der European Rotors, Anfang November in Köln erstmals das Licht der Welt erblicken. Erfolgreich arbeitete das gesamte Team mit Hochdruck an einem Demonstrator, der das System in voller Funktion zeigt. Der Andrang am HeliAir-Stand war dann auch dementsprechend groß. Zahlreiche internationale Besucher:innen äußerten Interesse, stellten Fragen und brachten zusätzliche Ideen ein, die nun in die weitere Entwicklung einfließen. In einem ersten Schritt soll das System für die H135 verfügbar sein und später auch auf weitere Muster ausgedehnt werden. Mit der Entwicklung des Lichtsystems zeigt die HeliAir einmal mehr, dass sie nicht wartet, bis der Markt etwas anbietet, sondern aktiv die Zukunft mitgestaltet. „Innovation heißt für uns immer, Flugrettung als Gesamtsystem weiterzudenken“, so Florian abschließend. ▲ Der Demonstrator auf der European Rotors in Köln war ein Hingucker. Langfristige Partnerschaft PBH-Vertrag für zentrale Avionik-Komponenten unterzeichnet Im Rahmen der European Rotors hat die HeliAir einen wichtigen Schritt zur langfristigen technischen Verlässlichkeit der Christophorus-Flotte gesetzt. Mit Thales Aerospace wurde ein „Parts By The Hour“-Vertrag (PBH) unterzeichnet, der künftig eine rasche und verlässliche Versorgung mit essenziellen Avionik-Komponenten wie Bildschirmen, Rechnern und Sensoren sicherstellt. Durch den direkten Bezug dieser Bauteile von Thales können notwendige Ersatzteile deutlich schneller bereitgestellt werden. Damit wird die Einsatzbereitschaft der Flotte nachhaltig gestärkt – ein zentraler Faktor für einen sicheren und stabilen Flugbetrieb. Die neue Partnerschaft schafft eine solide Basis, um die Crews im täglichen Einsatz optimal zu unterstützen und die hohe Verfügbarkeit der ÖAMTC-Notarzthubschrauber dauerhaft abzusichern. EHAC tagte in Mailand Neuer Vertreter im Board gewählt Ende November fanden in Mailand das EHAC Board Meeting sowie das Annual General Meeting des European HEMS & Air Ambulance Committee (EHAC) statt. Die Sitzung brachte Vertreter:innen zahlreicher europäischer Flugrettungsorganisationen zusammen – darunter auch ÖAMTC-Flugrettung-Geschäftsführer Marco Trefanitz in seiner Funktion als Board Member sowie Michael Poglitsch, Leiter des EHAC Office und ebenfalls Teil der ÖAMTC-Flugrettung. Im Mittelpunkt standen Themen wie die Harmonisierung gemeinsamer Standards, technologische Innovationen, die Weiterentwicklung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im HEMS-Bereich sowie die Planung einer Studie zum Thema „Added Value of HEMS“. Ziel dieser Untersuchung ist es, den Nutzen der Flugrettung im Gesundheitssystem wissenschaftlich zu evaluieren. Im Zuge des Meetings wurde außerdem Bastiaan Kroes von ANWB Medical Air Assistance (Niederlande) neu in das EHAC Board gewählt. Er verstärkt künftig das Gremium, das sich europaweit für höchste Qualitäts- und Sicherheitsstandards in der Flugrettung engagiert.
15 INNOVATION Christophorus Fotos: ÖAMTC/(Poglitsch (1), zVg (1), ÖAMTC/Pichlsberger (1), HeliAir (2) Gemeinsam für die Sicherheit bei der Rallye im Einsatz. Ein ehemaliger C4-Pilot kam mit einem Hubschrauber der Flying Bulls. Preisgekrönter Jahresbericht. Erneut ausgezeichnet Gold und Grand Award für herausragenden Geschäftsbericht Die ÖAMTC-Flugrettung konnte bei den 39th Annual International ARC Awards erneut überzeugen: Bei dem internationalen Wettbewerb, der als einer der bedeutendsten seiner Art gilt, wurde der aktuelle Leistungsbericht „Im Fokus“ mit einer Gold-, zwei Silber-, einer Bronzemedaille sowie einem Grand Award (Best of Category Non-English Annual Report) ausgezeichnet. Damit konnte nahtlos an die Erfolge des Vorjahres angeknüpft werden. Rallye-Elite macht Station in Österreich Im Oktober 25 kehrte die Central European Rallye (CER) zurück nach Österreich In 18 Wertungsprüfungen und auf mehr als 300 Kilometern maßen sich die besten Teams der FIA-Rallye-Weltmeisterschaft im Dreiländereck Deutschland-Österreich-Tschechien. Möglich wurde die Veranstaltung durch die Zusammenarbeit von ADAC, Autoklub Ceské republiky (ACCR) und der Austrian Motorsport Federation (AMF). Der ÖAMTC war aktiv an Organisation, Sicherheitskonzept und Mobilitätsinformationen beteiligt. 15 Techniker:innen sicherten den reibungslosen Ablauf, die ÖAMTC-Flugrettung stellte einen Notarzthubschrauber für die medizinische Versorgung bereit, auch über Landesgrenzen hinweg. Verkehrsrelevante Informationen gab es von den ÖAMTC-Mobilitätsservices. 40 Jahre Christophorus 4 Ehemalige und aktuelle Crewmitglieder feierten gemeinsam Der Notarzthubschrauber Christophorus 4 feierte sein 40-jähriges Bestehen – ein besonderes Jubiläum für die Flugrettung Tirol. Rund 130 Pilot:innen, Ärzt:innen und Flugretter:innen, die in den vergangenen Jahren Teil der Crew waren, trafen sich am Stützpunkt Reith bei Kitzbühel zu einem gemeinsamen Crewtag. Dabei begegneten sich Gründungsmitglieder und aktives Team, um auf vier Jahrzehnte Entwicklungen, Herausforderungen und prägende Einsätze zurückzublicken. Seitens der Geschäftsführung überbrachte Klaus Schwarzenberger die offiziellen Grußworte und dankte den Teams für ihren langjährigen Einsatz und ihr Engagement für die Sicherheit der Bevölkerung. Geschäftsführung bestätigt Trefanitz und Schwarzenberger für weitere fünf Jahre bestellt Die ÖAMTC-Flugrettung setzt auf Kontinuität und Stabilität in der Führung: Die zuständigen Gremien des Mobilitätsclubs haben sowohl Marco Trefanitz als auch Klaus Schwarzenberger einstimmig das Vertrauen ausgesprochen und ihre Bestellung als Geschäftsführer um weitere fünf Jahre verlängert. Die Entscheidung bestätigt die erfolgreiche Leitung der vergangenen Jahre, in denen die Geschäftsführung wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der Flugrettung gesetzt hat. Für beide ist die Verlängerung ein klarer Auftrag, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen: Gemeinsam mit allen Mitarbeiter:innen möchten sie die ÖAMTCFlugrettung im Sinne der Patient:innen konsequent weiterentwickeln und organisatorisch wie technisch zukunftssicher aufstellen.
16 VISION Christophorus TECHNIK, DER WIR VERTRAUEN Wie die ÖAMTC-Flugrettung neue medizinische Geräte prüft, testet und sicher einflottet. Neue (Medizin-)Technik bedeutet bei der ÖAMTC-Flugrettung mehr als Fortschritt – sie steht für Vertrauen und Verantwortung. Deshalb wird jedes Gerät gründlich geprüft, bevor es fliegt. In den vergangenen Monaten wurde dafür intern ein neuer, strukturierter Prozess entwickelt. Dieser stellt sicher, dass jedes Produkt zunächst klar begründet, anschließend unter realistischen Bedingungen getestet, im Einsatz erprobt und nach der Einführung eng überwacht wird. Derzeit wird er im Projekt „Videolaryngoskop Neu“ erstmals angewendet. Das Ziel: ein klarer, sicherheitsorientierter Weg von der Bedarfsmeldung bis zum Monitoring nach der Einflottung. Warum ein Prozess? In der Flugrettung treffen Mensch und Technik in Extremsituationen aufeinander. Geräte, die im Krankenhaus unter stabilen Bedingungen funktionieren, müssen in der Luft Vibration, Kälte, Hitze, wechselndem Licht und Nässe standhalten. Spätestens bei der letzten Einführung eines Videolaryngoskops wurde deutlich, wie wichtig eine penible und nachvollziehbare Vorgehensweise ist. Der neue Prozess sorgt nun dafür, dass die Einführung künftiger Produkte nach einem klar definierten Ablauf erfolgt – mit Fokus auf Praxistauglichkeit und Sicherheit. Ganz nach dem Motto: „Was bei uns abhebt, wurde vorher am Boden auf Herz und Nieren geprüft.“ Was brauchen wir? Jede Auswahl beginnt mit einer strukturierten Anforderungsanalyse. Dafür wird ein Kriterienkatalog erstellt: ● MUSS-Kriterien (ohne sie ist ein Einsatz ausgeschlossen) ● SOLL-Kriterien (wichtige Merkmale) ● KANN-Kriterien (Zusatznutzen) Beim aktuellen Projekt standen rund 15 Geräte zur Verfügung. Sie wurden zunächst papierbasiert anhand dieser Kriterien bewertet. Drei Systeme erfüllten alle MUSS-Kriterien und überzeugten bei den SOLL-Merkmalen – sie wechselten in die Simulationsphase. Bevor ein Gerät eingeflottet wird, soll es in Zukunft intensiv durch Simulation getestet werden. Bei den VideolaryngoVielfältige Möglichkeiten im Simulationszentrum am Pflegecampus in Kufstein. von Lukas Brabauer
Fotos VON: Pflegecampus Kufstein (1), Freepik (1), ÖAMTC/Postl (1) 17 VISION Christophorus Einheitliche Struktur Der dem Auswahlfahren zugrunde liegende Prozess wurde in enger Abstimmung mit dem Management System Team entwickelt. Es ist die zentrale Anlaufstelle für Prozess-, Qualitäts- und Dokumentenmanagement. Das Aufgabenspektrum erstreckt sich von der Entwicklung und der Implementierung von Prozessen für diverse Unternehmensbereiche über die Definition von Standards in der Erstellung und der Verwaltung von Dokumenten bis hin zur Qualitätssicherung. Ziel ist es, eine über die Erfüllung behördlicher Anforderungen hinausgehende konstant hohe Qualität im gesamten Wirkungsbereich sicherzustellen und die Effizienz der Organisation nachhaltig zu gewährleisten und zu verbessern. Infobox skopen bot sich das Simulationszentrum am Pflegecampus des Bezirkskrankenhauses Kufstein an, eines der führenden Zentren Österreichs mit besonderem Fokus auf Präklinik. Dort werden die Systeme nicht nur Standardsituationen, sondern auch Extremen ausgesetzt: schwierigen Lichtverhältnissen, Kälte, Nässe und mehr. Hightechsimulatoren stellen unterschiedliche Patient:innen dar – Erwachsene, Kinder, Neugeborene –, inklusive schwierigen Atemwegs. So wird sichergestellt, dass ein Produkt unter allen Bedingungen zuverlässig funktioniert. Danach entscheidet die Projektgruppe, welche Geräte in die dreimonatige Einsatzphase wechseln. Praxistest Die in der Simulation bewährten Geräte werden, wenn es notwendig erscheint, anschließend noch auf ausgewählten Christophorus-Stützpunkten getestet. Da zeigt sich, wie sie sich im Alltag bewähren: im Handling, bei Hygiene und Reinigung, in der Akkuleistung oder in der Akzeptanz der Anwender:innen. Kritische Auffälligkeiten bei den Geräten werden im Simulationszentrum gezielt nachgestellt, analysiert und bewertet – mögliche Ursachen können so rasch identifiziert und in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. Alle Erfahrungen fließen in die abschließende Bewertung ein. Auf dieser Basis wählt die Projektgruppe das System aus, das endgültig angekauft und eingeflottet wird. Einführung, Training, Monitoring Nach der Anschaffung erfolgt die gestufte Einführung auf den Stützpunkten. Idealerweise werden Trainingsmöglichkeiten – etwa Intubationsköpfe wie bei den Videolaryngoskopen – gleich mitgeliefert, damit Teams zusätzlich zu den gesetzlich vorgeschriebenen Schulungen üben können. Eine etappenweise Inbetriebnahme sicherheitsrelevanter Produkte ist ebenfalls denkbar. Begleitendes Monitoring durch das Safety Team stellt sicher, dass mögliche Probleme früh erkannt und adressiert werden. Das neue Product Review Board (PRB) bildet die strategische Ebene. Es tagt quartalsweise und legt fest, welche Produkte auslaufen, welche Probleme zeigen, welche neu evaluiert werden und wie Erfahrungen gebündelt werden. Für jedes Produkt wird ein Product Owner definiert – sie:er ist die Schnittstelle zwischen Anwender:innen, Management und Technik. Damit schafft das PRB klare Zuständigkeiten und einen übergeordneten Rahmen. Die operativen Projektgruppen verantworten wiederum die Umsetzung. Künftig werden alle Produkttests ausschließlich über das PRB koordiniert, sodass Entwicklungen nicht isoliert, sondern als Teil einer Gesamtausrichtung erfolgen. Produkte mit geringem Sicherheitsrisiko oder Innovationsgrad können im Einvernehmen mit dem Board im „Fast Track“ bearbeitet werden. Sicherheit als Haltung Der neue Prozess steht für eine Grundhaltung: Lebensrettung ist Teamarbeit. Von der ersten Vorauswahl über die Simulation bis zur strategischen Steuerung im Product Review Board – jeder Schritt sorgt dafür, dass Innovation bei der Flugrettung kein Risiko, sondern gelebte Sicherheit bedeutet. ▲ Medizintechnik muss kompakt, leicht und luftfahrttauglich sein.
18 VISION Christophorus Wenn ein Notarzthubschrauber bei Schnee zur Landung ansetzt, entscheidet oft ein einziges Detail über Sicherheit und Risiko: die Sicht. Was für Außenstehende spektakulär wirkt, ist für Pilot:innen eine der größten Herausforderungen überhaupt – das sogenannte White-out. Dabei wirbelt der Rotor so viel lockeren Schnee auf, dass sich der Hubschrauber innerhalb weniger Sekunden in einer weißen Wolke verliert. Auch Flugbetriebsleiter und Pilot Max Seidl kennt diese Situation nur allzu gut: „In der einen Sekunde siehst du den oder die Einweiser:in noch klar vor dir, doch plötzlich verschwimmt alles im Weiß des aufgewirbelten Schnees und nur ein schemenhafter Umriss bleibt.“ Das White- out ist neben möglichen Vereisungen im Winter die größte Herausforderung. Der Grund: Pilot:innen verlieren jeglichen räumlichen Bezug. Bewegt sich der Hubschrauber unbemerkt seitlich oder kippt leicht, lässt sich das ohne Sicht kaum erkennen. Hindernisse, Pistenbegrenzungen oder Unebenheiten des Bodens verschwinden zudem völlig. Eine einzige falsche Bewegung kann schwerwiegende Folgen haben. Ganz in Weiß Wie Pilot:innen Schneeverwirbelungen meistern und trotz White-out sicher landen. Richtig einweisen Vor allem im Winter benötigen Pilot:innen während der Landung unbedingt eine:n Einweiser:in. Diese:r ist eine Orientierungshilfe und der Helikopter fliegt daher häufig sehr nahe an sie:ihn heran, oft bis auf wenige Zentimeter. Auch wenn der Rotorlärm und der aufsteigende Schnee durch den Downwash überaus ungewohnt und unangenehm sind, dürfen sich Einweisende keinesfalls wegbewegen. Wer beim Einweisen mit einem Bein niederkniet, bietet dem Downwash eine geringere Angriffsfläche und kann auch leichter das Gleichgewicht halten. Einweiser:innen positionieren sich so, dass sie den Wind im Rücken haben, damit der Helikopter gegen den Wind gelandet werden kann. Nach erfolgreicher Landung dürfen sich Einweiser:innen oder andere Personen nur nach Aufforderung durch ein Crewmitglied dem Hubschrauber nähern. Wissenswert Deshalb sind die Einweisenden entscheidend: „Sie sind der fixe Bezugspunkt, der Pilot:innen Orientierung gibt, und dürfen ihren Standort keinesfalls verändern“, sagt Seidl. „Auf sie muss man sich zu 100 Prozent verlassen können, denn nur so können Pilot:innen die konturlose Schneeglocke richtig einschätzen.“ Und dieses Vertrauen ist gegenseitig, setzt der Helikopter doch oft nur wenige Zentimeter vor ihnen auf. In schneereichen Wintern gehören Landungen unter White-out-Bedingungen beinahe zum Alltag. Erfahrung spielt dabei eine zentrale Rolle: Schon aus der Luft beurteilen Pilot:innen die Schneebeschaffenheit am Landeplatz und bereiten das Manöver entsprechend vor. Ein Patentrezept gibt es dennoch nicht. „Grundsätzlich gibt es zwei Herangehensweisen“, erklärt Seidl. „Entweder man landet zügig vor der herannahenden Schneewolke, um die Sichtreferenz zu behalten. Oder man geht in einen hohen Schwebehalt und verbläst die Wolke, bevor man aufsetzt.“ ▲
19 VISION Christophorus Das Österreichische Umweltzeichen für Druckerzeugnisse, UZ 24, UW 686 Ferdinand Berger & Söhne GmbH. Impressum Herausgeber Christophorus Flugrettungsverein, Baumgasse 129, 1030 Wien ZVR: 727468201 Tel.: (01) 71199-37051 E-Mail: flugrettung@oeamtc.at Geschäftsführung Marco Trefanitz, Klaus Schwarzenberger, Ernst Kloboucnik Medieninhaber/Verleger ÖAMTC Verbandsbetriebe GmbH, Baumgasse 129, 1030 Wien Chefredaktion Ralph Schüller, Baumgasse 129, 1030 Wien Redaktion Lukas Drabauer, Soja Keller, Antonia Lang, Stefan Tschernutter – unter Mithilfe aller Mitarbeiter:innen des Christophorus-Teams Artdirection Andreas Hnat Layout Birgit Rusa Lektorat Angelika Hierzenberger-Gokesch Produktion Andreas Kaleta, Peter Scharnagl Druck F. Berger und Söhne Ges.m. b. H., Wiener Straße 80, 3580 Horn Offenlegung gemäß Paragraf 25 Mediengesetz: www.oeamtc.at/offenlegung Unterstützt von Christophorus M A G A Z I N Fotos: ÖAMTC/Lang (1), zVg (1), ÖAMTC/Postl (1) Mit Helmut Trimmel und Hans Koren verabschiedete dieÖAMTC- Flugrettung in den vergangenen Monaten zwei langjährige Kollegen in den Ruhestand, die mit Kompetenz, Einsatzbereitschaft und Verlässlichkeit wesentlich zum täglichen Funktionieren der Organisation beigetragen haben. Im Rahmen eines Flugrettungssymposiums hatte Helmut Trimmel – langjähriger leitender Notarzt von Christophorus 3 und dem ITH sowie stellvertretender leitender Notarzt der ÖAMTC-Flugrettung – seinen letzten offiziellen Auftritt. Während seiner 35-jährigen Tätigkeit für die Christophorus-Flotte prägte er die medizinische Qualität und die Weiterentwicklung der Flugrettung in Österreich wie kaum ein anderer. Sein Engagement, seine fachliche Exzellenz und sein kontinuierlicher Einsatz für höchste Standards in der präklinischen Versorgung hinterlassen deutliche Spuren. Das Symposium bot mit Schwerpunkten wie Human Factors, Research & Development und aktuellen Entwicklungen in der Notfallmedizin einen passenden Rahmen, um die Bedeutung seiner Arbeit noch einmal hervorzuheben. Nur wenige Wochen danach trat auch Hans Koren seinen Ruhestand an. Er startete 1994 als Flugretter bei Christophorus 3 und übernahm 2003 die Ground Operation im Flugrettungszentrum Ost. Dort verantwortete er über viele Jahre zuverlässig die Abläufe im Hintergrund – vom Nachschub an Medikamenten, medizinischen Geräten und Sauerstoff über Bekleidung und Treibstoff bis hin zu administrativen Tätigkeiten wie Bescheiden und Bewilligungen. Sein Einsatz war ein wesentlicher Faktor für den reibungslosen Ablauf des täglichen Flugbetriebs. ▲ Abflug in die Pension Jahrzehntelanger Einsatz für die ÖAMTC-Flugrettung. Wolfgang Voelckel und Marco Trefanitz bedanken sich bei Helmut Trimmel (Bild links). Remie Daan verabschiedet Hans Koren (Bild rechts).
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