Bis ans Ende der Straße

Die zehn besten Roadmovies für lange Herbstabende zu Hause – ausgewählt und vorgestellt von der auto touring-Redaktion.

Die Abende sind lang und dunkel. Draußen auf den Straßen der Stadt treibt das Virus sein heimtückisches Spiel. Drinnen ist das Fernsehprogramm vielleicht auch nicht so prickelnd.

Wie wäre es also mit einem Roadtrip über einsame Landstraßen, durch eine unbekannte Wildnis oder mit dem Cabrio oder Truck in den legendären Weiten der Vereinigten Staaten? Zum Glück sind auf den diversen Streaming-Plattformen fast alle Filme zu recht vernünftigen Preisen erhältlich.

Die Redakteure/-innen des auto touring haben sich der Auf­gabe gestellt, die ihrer Ansicht nach zehn besten Roadmovies der vergangenen Jahrzehnte auszuwählen. Gute Reise!

Into the Wild

USA, 2007, 148 Minuten<br />
Regie: Sean Penn<br />
Drehbuch: Sean Penn, Jon Krakauer<br />
Darsteller: Emile Hirsch, Vince Vaughn,<br />
Catherine Keener 

Basis ist die wahre Geschichte des damals 22-jährigen Studenten und Aussteigers Christopher McCandless, der im Sommer 1990 zu einer zweijährigen Reise durch die Vereinigten Staaten aufbrach, nachdem er sich mit seiner stinkreichen Familie überworfen hatte.

McCandless ist zuerst per Auto, dann zu Fuß mit dem Rucksack unterwegs und landet schließlich in der Wildnis von Alaska. Einige Monate verbringt er dort, fernab der Zivilisation, in einem verlassenen Bus. Wie alles ausgeht, soll hier nicht verraten werden.Der wunderschöne Soundtrack zum Film stammt vom Pearl-Jam-Frontmann Eddie Vedder, der Original-Bus wurde erst im vergangenen Sommer per Hubschrauber aus der Einöde geborgen.

Indien

Österreich, 1993, 90 Minuten<br />
Regie: Paul Harather<br />
Drehbuch: P. Harather, J. Hader, A. Dorfer<br />
Darsteller: Josef Hader, Alfred Dorfer,<br />
Maria Hofstätter

1993: Zwei Beamte ziehen streng dienstlich in Niederösterreich von Wirtshaus zu Wirtshaus, um die Einhaltung von Hygienevorschriften zu überprüfen. Das dazu genutzte Gefährt ist der klapprige Ford Taunus des Heinz Bösel, grantig verkörpert von Josef Hader. Sein Kompagnon ist der redselige Yuppie Kurt Fellner (Alfred Dorfer). Ihre trostlose Reise, ab und zu erhellt durch Wein und andere Naturalien, die als Bestechung der Landgastronomen im Kofferraum des alten Ford verstaut werden, wird nur noch trister, je mehr man von den Schicksalen der beiden Inspektoren erfährt. Trotz des melancholischen Endes ein überwiegend heiterer Film.

Little Miss Sunshine

USA, 2006, 101 Minuten<br />
Regie: Jonathan Dayton & Valerie Faris<br />
Drehbuch: Michael Arndt<br />
Darsteller: Toni Collette, Greg Kinnear,<br />
Steve Carell, Abigail Breslin, Paul Dano  

Familie Hoover hat's nicht leicht. Sheryl (Toni Collette) verdient das Geld, ihr Mann Richard (Greg Kinnear) bringt nichts zu­stande. Nach einem Selbstmordversuch zieht Sheryls Bruder Frank (Steve Carrell) ein. Teenie-Sohn Dwayne (Paul Dano) hasst alles und jeden, während Olive (Abigail Breslin) die einzig Normale zu sein scheint.

Richards ­Vater (Alan Arkin) vervollständigt die skurrile WG, seit er wegen Drogenkonsums aus dem Altersheim flog. Klein Olive, pummelig, mit Stirnband und dem Traum, Schönheitskönigin zu werden, ist der Auslöser für einen schrägen Roadtrip.

Im Retro-VW-Bus geht's von New Mexico zum "Little Miss Sunshine"-Contest nach Kalifornien. Selbst eine streikende Kupplung und ein toter Opa können sie nicht aufhalten. Endlich angekommen, sorgt der vom Grandpa choreografierte Striptease-Auftritt der Siebenjährigen für Bestürzung unter den dick geschminkten Teilnehmerinnen. Ohne Trophäe, dafür mit einer glücklichen Familie geht's nach Hause.

Mit der Satire über eine sympathische Versager-Familie gelang dem Regie-Ehepaar ein hochkarätig besetztes und von der Kritik geliebtes witziges Roadmovie. Ursprünglich kommen die beiden aus der Musikvideo-Szene und arbeiteten mit Bands wie R.E.M. oder Oasis. Mit ihrem ersten Spielfilm gelang der Sprung auf die große Leinwand, mit vier Oscar-Nominierungen und zwei -gewinnen war der Wechsel besiegelt. Seither folgten vier weitere Filme, der bekannteste ist "The Battle of Sexes" über das Tennisduell 1973 zwischen Billie Jean King und Bobby Riggs.

Thelma & Louise

USA, 1991, 130 Minuten<br />
Regie: Ridley Scott<br />
Drehbuch: Callie Khouri<br />
Darsteller: Susan Sarandon, Geena Davies,<br />
Harvey Keitel, Michael Madsen, Brad Pitt

Ein harmloser Ausflug verändert das Leben von Kellnerin Louise (Susan Sarandon) und Hausfrau Thelma (Geena Davis). Im 66er Thunderbird Cabrio und mit einem Colt zum Schutz geht's los. Doch der Trip nimmt eine jähe Wendung, als Thelma nach einem Barbesuch beinahe vergewaltigt wird.

Louise erschießt den Peiniger. Eine abenteuerliche Flucht nach Mexiko beginnt, die schließlich in einer ausweglosen Situation endet. Regisseur Ridley Scott verdankte "Thelma & Louise" seine erste Oscar-Nominierung als Regisseur, weitere sollten folgen. Auch nach knapp 30 Jahren beweist der Film eine ge­ra­de­zu erschreckende Zeitlosigkeit.

The Straight Story

USA, 1999, 112 Minuten<br />
Regie: David Lynch<br />
Drehbuch: John Roach, Mary Sweeney<br />
Darsteller: Richard Farnsworth, Sissy Spacek,<br />
Jane Galloway Heitz

Eine wahre Geschichte von zwei Brüdern, verfilmt 1999 von Starregisseur David Lynch ("Twin Peaks"). Hauptfigur ist der 73-jährige Alvin Straight, der seinen Bruder Lyle besuchen will. Die beiden haben nach einem Streit zehn Jahre lang kein Wort miteinander gesprochen, nun hatte Lyle einen Schlaganfall.

Der gebrechliche Alvin hat keinen Führerschein und macht sich deshalb, nach einigen Anfangsschwierigkeiten, mit einem ­Rasentraktor auf den 240 Meilen langen Weg von seinem Wohnort in Iowa zu dem seines Bruders in Wisconsin. Auf einem Anhänger zieht er allerhand Glumpert hinter sich her, es ist gleichzeitig sein Schlafwagen. Nach sechs Wochen gemächlicher Fahrt kommt Alvin schließlich bei Lyle an, der sich von seinem Schlaganfall halbwegs erholt hat.

Easy Rider

USA, 1969, 95 Minuten<br />
Regie: Dennis Hopper<br />
Drehbuch: Peter Fonda, Dennis Hopper<br />
Darsteller: Peter Fonda, Dennis Hopper,<br />
Jack Nicholson

Independent Movie aus den 1960ern, ein Must-see: Der "American Way of Life" im "Land of the Free" der beiden Bikerbuben Wyatt und Billy wird mit viel Licht und Schatten gezeichnet. Ein Kunstwerk zum ­Ende der Hippiezeit des besessenen Hollywood-Rebellen Dennis Hopper und eines jungen kreativen Peter Fonda. Realistische Romantik gepaart mit "Stars & Stripes"-Kult, der aber nicht die Spannungen verbirgt, die zwischen Nord und Süd, Ost und West, Stadt und Provinz spürbar sind.

Bedient werden ­alle Klischees mit satirischen Untertönen, ergänzt um Drogenräusche und eine große Portion Menschlichkeit. Kameramann László Kovács malt epische Bilder eines gar nicht so "easy" Rides auf zwei Laid-Back-Harleys. Die berühmte Chopper "Captain America" cruist in Schwerelosigkeit durch Prärien und Sandwüsten bis in die Wetlands der Südstaaten.

Blues Brothers

USA, 1980, 133 Minuten<br />
Regie: John Landis<br />
Drehbuch: Dan Aykroyd. John Landis<br />
Darsteller: John Belushi, Dan Aykroyd

Die Mutter Oberin ist in großer Not: 5.000 Dollar Steuerschulden soll sie bezahlen, sonst wird das Waisenhaus geschlossen. Und: Das Geld muss ehrlich aufgebracht werden. Da haben die "Blues Brothers" Jake und Elwood eine Erleuchtung. Die "Band" muss wieder zusammengebracht werden und das notwendige Geld einspielen.

Was folgt, ist eine mitreißende Musikkomödie, bei der Stillsitzen von Minute zu Minute schwieriger wird. Mit an Bord sind etwa Ray Charles, Matt "Guitar" Murphy und James Brown. Legende: die Verschrottung unzähliger Polizeiautos.

Kalifornia

USA, 1993, 117 Minuten<br />
Regie: Dominic Sena<br />
Drehbuch: Stephen Levy, Tim Metcalf<br />
Darsteller: Brad Pitt, Juliette Lewis,<br />
Kathy Larson, David Duchovny

Ein Roadmovie der grausigen Art mit Stars wie Brad Pitt, Juliette Lewis und David Duchovny, damals (1993) allerdings noch jung und bei Weitem nicht so bekannt wie heute. Der Journalist Brian (Duchovny) recherchiert mit Fotografin Carrie, seiner Freundin, Kriminalfälle für ein Buch über Serienmörder. Dazu beschließen die beiden, durch die USA zu reisen und Schauplätze berühmter Mordserien zu besuchen, am Ende wollen sie sich in Kalifornien niederlassen.

Brian fährt einen benzinschluckenden 63er Lincoln Continental und sucht per Annonce Mitfahrer, die sich an den Spritkosten beteiligen. Es melden sich Early (Pitt) und Adele (Lewis). Die vier starten ihre Tour gemeinsam, ohne dass Brian und Carrie ahnen, dass sie einen Serienmörder mitnehmen. Die Dinge entwickeln sich erwartungsgemäß blutig.

Convoy

USA, 1978, 106 Minuten<br />
Regie: Sam Peckinpah<br />
Drehbuch: Bill Norton<br />
Darsteller: Kris Kristofferson, Ali MacGraw,<br />
Ernest Borgnine, Burt Young, Madge Sinclair

Irgendwo in Arizona: Die drei Trucker Rubber Duck, Spider Mike und Love Machine werden vom korrupten Sheriff Wallace zu ­einer Geschwindigkeitsübertretung provoziert. Logisch, dass daraus Schlägerei und Flucht entstehen.

Indem sich immer mehr Trucker aus Solidarität anschließen, bildet sich im Lauf der Zeit ein langer Konvoi. Von Arizona über New Mexico bis nach Texas lassen immer mehr Gesetzesübertretungen die Zahl der Verfolger steigen und steigen. Es geht mit jeder Menge Blechschäden durch verschlafene Provinznester, über Highways und über Sandstraßen-Schleichwege.

Bevor der Konvoi die rettende Grenze erreicht, kommt es zum finalen Showdown mit den fiesen Polizisten. Der vorletzte Film von Großmeister Sam Peckinpah widmet sich ungeschminkt der Verteidigung "amerikanischer Werte" gegen kalte Modernität.

Rain Man

USA, 1988, 133 Minuten<br />
Regie: Barry Levison<br />
Drehbuch: Barry Morrow, Ronald Bass<br />
Darsteller: Dustin Hoffman, Tom Cruise<br />
 

Die fiktive Geschichte der ungleichen Brüder Charlie und Raymond Babbitt, die einander erst als Erwachsene kennenlernen und während einer gemeinsamen Reise quer durch die USA näher kommen, thematisierte erstmals in einer großen Hollywood-Produktion die Krankheit Autismus.

Über ein Jahr lang soll sich Dustin Hoffman auf die Rolle des autistischen älteren Bruders vorbereitet ­haben, legendär ist die Szene im Caesars Palace Casino von Las Vegas, wo die beiden wegen der besonderen Fähigkeiten Raymonds beim Kartenzählen eine Unsumme Geld gewinnen. Der sphärische Soundtrack zu den traumhaften Landschaftsaufnahmen der USA wurde zum Durchbruch des Filmkomponisten Hans Zimmer, der Streifen selbst räumte gleich vier Oscars ab.