Urlaub daheim

Heuer stehen vorerst Ferien im eigenen Land im Mittelpunkt. Ideen und Vorschläge für die besten Wochen in außergewöhnlichen Zeiten.

Eines ist klar: Der Sommerurlaub 2020 wird anders als alle bisherigen. Aber "anders" bedeutet keinesfalls automatisch "schlechter". Vorerst steht einmal der Urlaub im eigenen Land im Mittelpunkt. 

Und das hat ja bekanntlich eine ganze Latte an Vorzügen: Eine der beste Hotellerien der Welt, eine Wirtshaus-Kultur mit Kult-Status, einzigartige Naturlandschaften und fantastische Kulturschätze, um nur einige zu nennen. Nur ein Meer, nun ja, das haben wir freilich nicht. Dafür aber herrliche Seen mit Trinkwasser-Qualität.

Jede Krise ist ja gleichzeitig auch eine Chance. Und die gegenwärtige Unsicherheit bietet uns die Möglichkeit, das eigene Land in Ruhe noch einmal aufs Neue zu entdecken und, praktisch vor der eigenen Haustür, un­seren liebsten Freizeitbeschäftigungen nachzugehen. Als Absicherung dient der Schutzbrief des ÖAMTC, der auch im Inland wertvolle Leistungen bietet. Und vielleicht kann ja das Motto des Bären Balu aus dem Film "Das Dschungelbuch" heuer ein Leitfaden durch die schönsten Wochen des Jahres sein: "Probier’s mal mit Gemütlichkeit!" In diesem Sinn: Schönen Sommer!

Auf zwei Rädern durch die Berge

Bike- und E-Bike-Touren. Österreichs Berge sind für Radfahrer Fitnessstudio und Wellness-Oase in einem. Ein neues Angebot wartet im Sommer auf E-Mountainbiker: der Salzkammergut BergeSeen E-Trail. Angelehnt an das Konzept des BergeSeen Trail für Wanderer führt der E-Trail über 640 Kilometer und 15.000 Höhenmeter in zehn Etappen durch alle acht Regionen des Salzkammerguts. Die Etappen sind so eingerichtet, dass die Tour auch in kleineren Portionen absolviert werden kann, zum Beispiel in zwei oder drei Etappen an einem verlängerten Wochenende. Badesachen nicht vergessen!  

In Saalbach-Hinterglemm und Leogang erleben Zweiradbegeisterte fünf Berge an einem Tag. Als Aufstiegshilfe stehen acht Bergbahnen zur Verfügung. Die Big 5 Bike Challenge führt über fünf Berge und bietet Enduro-Feeling mit rund 5.000 Tiefen­metern. Für die gesamte Runde benötigt man einen Tag.

Viel mehr als nur eine Trendsportart

Nordic Walking. Die Liste der gesundheitlichen Vorteile der aus Finnland importierten Sportart kann sich sehen lassen: Das flotte Gehen mit Stöcken trainiert wie kaum eine andere Übung Herz und Kreislauf und kräftigt die Arm-, Schulter- sowie Rückenmuskulatur. Und je nachdem wie schnell man unterwegs ist, kann man dabei sogar abnehmen. Nordic Walking ist mehr als nur ein Trend, es ist eine Aktivität, die sich als Gesundheitssportart auch wissenschaftlich etabliert hat, schreibt Sportwissenschafter Klaus Bös von der Universität Karlsruhe in dem Buch "Walking und Nordic Walking". Der Stockeinsatz bewirkt, dass – anders als beim Laufen oder stocklosen Gehen – die Hüft-, Knie- und Sprunggelenke geschont werden. Vorausgesetzt man macht es richtig. Die Stöcke erhöhen außerdem die Sicherheit auf rutschigem Untergrund. Die Stockspitzen werden auf ebener Strecke immer seitlich hinter dem Körper "eingestochen" und nicht vor dem Körper, die Bewegung der Arme und Beine verläuft im Diagonalschritt (rechter Arm – linkes Bein, linker Arm – rechtes Bein). 

Erlebniswege für die ganze Familie

Interaktive Themenpfade. Wandern macht auch Kindern Spaß – solange sie dabei viel erleben und sich austoben können. Durch eine Vielzahl an Spiel- und Erlebnisstationen wird der Wald zum Abenteuerspielplatz, auf dem sie auf spielerische Art Waldbewohner kennenlernen, Pflanzen entdecken und die wichtigen Funktionen des Waldes verstehen lernen. Wie etwa am Naturerlebnisweg Pfarrerwald in Vöcklabruck in Oberösterreich. Highlights: Barfußparcours, Dschungelbrücke, Zapfen-Zielschießen und Balancestrecken.
Der österreichische Kinder- und Jugendbuchautor Thomas Brezina hat in den Tiroler Bergen in der Region Serfaus–Fiss–Ladis für Kinder drei abwechslungsreiche Themenwege konzipiert. Ob auf dem Piratenweg, dem Hexenweg oder dem Forscherpfad – Kinder bekommen Rätsel zu lösen und müssen die Wege meistern. Die Region bietet darüber hinaus auch kinderwagentaugliche Themenwege an, Eltern können sich E-Buggys leihen.

Urlaubsbauernhöfe – begehrte Quartiere im Sommer

Naturspielplatz vor der Haustür. Die Bauernhöfe bzw. Almhütten von Urlaub am Bauernhof sind klein und oftmals in Alleinlage. Rad- und Wanderwege sind meist in unmittelbarer Nähe. Highlights für die Kinder sind aber das Traktorfahren mit dem Bauern, ein Besuch im Stall oder im Kräutergarten. Mit anzupacken ist erlaubt – ganz ohne Inszenierung. Es gibt noch freie Kapazitäten bei den über 2.200 Urlaubsbauernhöfen in diesem Sommer – sogar in der Hauptsaison. Folgende fünf Höfe haben noch freie Zimmer bzw. Ferienwohnungen: Häuslhof (Familie Huber) in Pfarrwerfen im Salzburger Land, der Perweinhof (Familie Muhrer) in Donnersbach in der Steiermark, Mallihof (Familie Malli) in St. Oswald ob Eibiswald in der Steiermark, Arkadenhof Flasch (Familie Flasch) in Wörterberg im Südburgenland und Wasnig Hof (Familie Ortner) in Velden in Kärnten.  

Vergnügungspark für die Seele

Aktiv sein in der Natur. Im oststeirischen Naturkraftpark Pöllau hat man Gelegenheit, einfache Wahrnehmungsübungen auszuprobieren – ein Fitness-Parcours für die Sinne.
Der NaturAktivPark Faaker See in Kärnten bietet Statio­nen aus den Bereichen Ausdauer, Geschicklichkeit, Kraft und Dehnung. Zwischen den Parcour-Elementen wird gelaufen. Jeder Trainingstag kann je nach Schwerpunkt anders aussehen. Die gesamte Strecke ist rund vier Kilometer lang.

Camping: Urlaub auf Distanz

Sehr viel Nähe zur Natur und Möglichkeiten für in Coronavirus-Zeiten wünschenswerten Abstand: Diese Kombination macht Camping heuer zu einer besonders passenden Urlaubsform. "Wer mit Reisemobil oder Wohnwagen unterwegs ist, hat sein eigenes Haus auf Rädern inklusive Wohn-, Koch-, Sanitär- und Schlafbereich gleich dabei", sagt Tomas Mehlmauer, Präsident des Österreichischen Camping Clubs (ÖCC).    

Komfort-Mobilheime. Und es warten auch preiswerte Angebote. Im einem der neuen Komfort-Mobilheime im Donaupark Camping Tulln/NÖ etwa kosten zwei Nächte für bis zu vier Personen für ÖAMTC-Mitglieder nur 120 Euro, für längere Aufenthalte gibt es für Mitglieder 25 Prozent Rabatt. Auch für Donaupark 
Camping Klosterneuburg, ideal für Wien-Besuche, gibt es An­gebote.

Immunsystem und Fitness stärken – gerade jetzt!

Tipps für Laufanfänger. Unzählige Menschen nutzen Sport wie Joggen, um den Kopf freizukriegen. Während des Laufens kann man Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachten, neue Ideen werden geboren und Glücksgefühle freigesetzt. Das klingt ja alles sehr gut, aber aller Anfang ist schwer. Einige haben während der Corona-Krise das Laufen neu für sich entdeckt oder möchten im Sommerurlaub starten. Wer sich die Latte nicht zu hoch legt und langsam beginnt, wird auch zufrieden mit sich sein. Das Motto sollte lauten: "Nicht zu schnell, nicht zu lange, nicht zu oft!" Am Anfang sollte das Tempo moderat gewählt werden. Gehpausen können sinnvoll sein. Wenn man noch gut zusammenhängende Sätze sprechen kann, ist das Tempo richtig. Anfangs reichen 30 Minuten jeweils dreimal pro Woche. Der Körper muss sich langsam an die Belastung gewöhnen. Wichtig ist, regelmäßig zu trainieren. Es soll Spaß machen, sonst verliert man sehr schnell die Lust an der Bewegung. Wer regelmäßig trainiert, kann in relativ kurzer Zeit öfter, länger und schneller laufen.

"Österreich neu entdecken"

Drei Fragen zur aktuellen Situation an Petra Stolba, Geschäftsführerin der Österreich Werbung. 

— Werden auch ausländische Gäste in Österreich Sommerurlaub machen können?

Petra Stolba:Wir sind immer davon ausgegangen, dass im ersten Schritt der Inlandstourismus wieder anspringen wird. Das wird für viele Österreicherinnen und Österreicher eine Gelegenheit sein, ihr eigenes Land neu zu entdecken und einen wunderschönen Urlaub vor der Haustür zu verbringen. Österreich hat ja so viel zu bieten. Die Berge und Seen, die Städte und die Kultur­angebote, die kulinarischen Köstlichkeiten. Ich bin sicher, dass der eine oder andere sich dabei neu in seine Heimat verlieben wird! Darüber hinaus zeichnet sich ab, dass schon bald grenzüberschreitendes Reisen zwischen Ländern möglich wird, die einen ähnlich positiven Verlauf bezüglich Covid-19 haben. Wir freuen uns über alle ausländischen Gäste, die wir wieder in unserem Land begrüßen dürfen!

— Bei welchen Beherbergungsbetrieben gibt es ab Juli noch Kapazitäten?

Petra Stolba:Wir wissen aus einer Umfrage, die wir gemeinsam mit der WKO gemacht haben, dass die heimischen Betriebe für den Sommer derzeit im Schnitt mit einer Auslastung von rund 40 Prozent rechnen. Natürlich kann es passieren, dass die Wunsch-Unter­kunft zum geplanten Reisezeitraum ausgebucht ist. Aber wer Urlaub in Österreich machen möchte, wird das tun können.

— Soll ich bei meiner Buchung auf kurzfristige Stornierungsmöglichkeit achten?

Petra Stolba: In unserer Wahrnehmung bieten viele Betriebe für den Sommer besonders kulante Stornobedingungen an. Das ist aber vom jeweiligen Betrieb abhängig. Es empfiehlt sich in der Tat, hier genau hinzusehen.

Grenzöffnungen für Nachbarländer für Reisen geplant

Aufgrund weiter sinkender Infektionszahlen mit dem neuartigen Corona-Virus hat die Bundesregierung im Mai die Öffnung der Grenzen zu Deutschland, der Schweiz und östlichen Nachbarländern für alle Privat- sowie Urlaubsreisen mit Datum 15. Juni angekündigt. Weitere Erleichterungen für andere Länder könnten folgen, jederzeit ist aber aufgrund einer Änderung der Infektionslage auch mit neuerlichen Verschärfungen zu rechnen. Informationen über Reisebestimmungen findet man beim Club und beim Außenministerium.

Der Club appelliert an die Reisenden, sich schon in der Planungsphase über die Vorschriften ausführlich zu erkundigen, damit es vor allem bei der Rückkehr nach Österreich keine unangenehmen Überraschungen gibt. Das gilt vor allem auch für Flugreisen. Mehrere Airlines haben angekündigt, schon im Juni die Zahl der Verbindungen wieder zu erhöhen. Ob alle diese Erleichterungen dauerhaft sind, werden die nächsten Monate zeigen. 

Tipps zu Buchung und Storno – im Inland und im Ausland

Die Juristin empfiehlt. Was sollte man in Coronavirus-Zeiten bei der Buchung einer Unterkunft in Österreich beachten? "Wählen Sie einen Buchungs­tarif bzw. ein Zimmer, das bis zuletzt storniert werden kann. Oder vereinbaren Sie individuell, dass bis knapp vor der Anreise storniert werden kann", sagt ÖAMTC-Juristin Verena Pronebner. "Anzahlungen sollten gegen Insolvenz geschützt sein, fragen Sie dazu bei der Unterkunft nach." Grundsätzlich sei spätestens sieben Tage vor der Anreise eine Anzahlung zu leisten. Gerade in diesen Zeiten biete es sich jedoch an, mit der Unterkunft eine individuelle Vereinbarung zu treffen.

Auslands-Urlaub. Ein kostenloses Storno einer Pauschalreise ist nur dann möglich, wenn Urlaubsantritt und Gefahrensituation zeitlich eng beieinander liegen. Befindet sich das Reiseziel nicht in einer direkt betroffenen Krisenregion oder geht der Urlaub erst in einigen Wochen los, heißt es noch zuwarten und die Entwicklung beobachten. Wer aber schon früher Klarheit zur Urlaubsplanung haben und nicht bis zur sicheren Möglichkeit eines kostenfreien Stornos (ca. zwei Wochen vor Reisebeginn) zuwarten will, sollte mit dem Reiseveranstalter oder Reisebüro Kontakt aufnehmen und die Möglichkeit einer Umbuchung auf eine spätere Reise oder eben den vorzeitigen kostenfreien Rücktritt besprechen. Achtung: Wer frühzeitig storniert und Stornokosten bezahlt, kann diese Kosten nicht vom Veranstalter zurückfordern, falls später ein kostenloses Storno möglich gewesen wäre oder die Reise abgesagt wird! Individualreisende haben generell kein Recht auf kostenfreies Storno. Nur in manchen Ländern gibt es wie in Österreich oder Italien die Ausnahme für die Situation, wenn das Hotel in einem Sperrgebiet liegt und nicht erreichbar ist. Ist das Hotel allerdings erreichbar, aber man möchte nicht anreisen, bleibt man als Individualreisender auf den Stornokosten sitzen. Es lohnt sich immer, mit dem Hotel Kontakt aufzunehmen und gemeinsam nach einer Lösung für alle zu suchen.

Und ans Meer? Österreich wird mit EU-Partnerländern gemeinsam daran arbeiten, wie behutsamer Sommertourismus am Meer, zum Beispiel in Slowenien und Kroatien, möglich sein könnte. Informationen auf www.oeamtc.at

Angebot von ÖAMTC Reisen

Das ÖAMTC-Reisebüro hat zahlreiche Österreich-Angebote im Programm. Nähere Infos unter Tel. 01 711 99 34 000, in allen Filialen und im Internet-Portal.