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Zeitreise: Panne in den 60ern – nachgestellt.

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Zeitreise: Panne in den 60ern – nachgestellt.

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März 2015

60 Jahre ÖAMTC-Pannenhilfe

Schnelle Hilfe: Die Gelben Engel leisteten seit 1954 mehr als drei Millionen Pannenhilfen und Abschleppungen auf Oberösterreichs Straßen.

Eine kleine Gruppe technikbegeisterter Menschen gründete 1904 den „Oberösterreichischen Automobil Club“. 17 Mitglieder zählte der Verein im Gründungsjahr. Knapp 50 Autos und 100 Motorräder waren im Land ob der Enns damals registriert. Als Massenverkehrsmittel diente noch das Fahrrad. Während in den ersten Jahren des Automobil-Clubs die Organisation von Rennveranstaltungen und motortouristischen Ausfahrten das Vereinsleben bestimmte, übernahm der Club ab Mitte der 1920er-Jahre zunehmend die Anwaltschaft der immer zahlreicher werdenden Auto- und Motorradfahrer. 1938 wurde der Verein zwangsaufgelöst. Kurz nach Kriegsende gründete sich der Club neu. 1947 erfolgte die Vereinigung mit dem Touring-Club zum „Oberösterreichischen Automobil-, Motorrad- und Touring-Club“.

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Erste Pannenhilfe

„Der Mobilität seiner Mitglieder jeweils zeitgemäß zu dienen“: Dieser in den Statuten des ÖAMTC verankerte Grundsatz führte in den 1950er-Jahren zur Entwicklung zahlreicher völlig neuer Dienstleistungen. Die wichtigste und bekannteste nahm in Wien am 18. Oktober 1954 um 8 Uhr in der Früh ihren Betrieb auf: die mobile Pannenhilfe des ÖAMTC. Auf einer gelb lackierten Beiwagenmaschine vom Typ Puch 250 rückte der allererste Pannenfahrer aus. Es handelte sich um einen Probebetrieb, aus dem der Club Erfahrungen für einen geplanten Ausbau eines alle österreichischen Landeshauptstädte umfassenden Pannenhilfe-Dienstes gewinnen wollte.

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Max Frank, der erste ÖAMTC-Pannenfahrer.

Max Frank: der erste ÖAMTC-Pannenfahrer im Interview

Die Stunde Null

Mitte Dezember 1954 – nur zwei Monate nach dem Start – konnte die Pannenhilfe bereits eine erste, erfolgreiche Bilanz ziehen: 94 Prozent der liegengebliebenen Fahrzeuge wurden von den lederbekleideten Pannenfahrern wieder flott gemacht. 39 Prozent der Pannen betrafen die Elektrik, 28 Prozent die Mechanik. Jeder siebente Einsatz ging auf Probleme mit der Bereifung bzw. auf Treibstoffmangel zurück. Im Wesentlichen ist das heute nicht anders, wenn man zum Bereich Elektrik den Bereich Elektronik dazuzählt. In den ersten Monaten nur auf Wien beschränkt, startete die mobile Pannenhilfe aufgrund der guten Erfahrungen und der sprunghaft ansteigenden Einsatzzahlen schon bald erste Überlandfahrten. Der nächste große Schritt war der Ausbau der Pannenhilfe entlang der wichtigen Straßen wie der Westautobahn. In Oberösterreich nahm die ÖAMTC-Straßenwacht ihren Dienst auf – mit Beiwagenmaschinen von KTM. 1961 waren bereits zehn Puch 500-Pannenautos  auf der Straße.

Die Pannenhilfe im Wandel der Zeit

Die zunehmende Motorisierung – 1968 überschreitet die Zahl der in Österreich zugelassenen Pkw und Kombi bereits die Millionengrenze – lässt auch die Gelbe Flotte der Pannenhilfe ständig wachsen.  Für die einzelnen Zeitabschnitte wurden die jeweils optimalen Autotypen gewählt.

Die zunehmende Motorisierung – 1968 überschreitet die Zahl der in Österreich zugelassenen Pkw und Kombi bereits die Millionengrenze – lässt auch die Gelbe Flotte der Pannenhilfe ständig wachsen.  Für die einzelnen Zeitabschnitte wurden die jeweils optimalen Autotypen gewählt. Die Autos der ersten drei Jahrzehnte:

Puch 250 SG ÖAMTC © ÖAMTC
Puch 500 ÖAMTC © ÖAMTC
Land Rover ÖAMTC © ÖAMTC
VW Käfer ÖAMTC © ÖAMTC
Opel Rekord Delvan ÖAMTC © ÖAMTC
Ford Escort ÖAMTC © ÖAMTC
Mini ÖAMTC © ÖAMTC
Fiat 126 ÖAMTC © ÖAMTC
Opel Rekord ÖAMTC © ÖAMTC
Mitsubishi Pajero ÖAMTC © ÖAMTC
Puch 250 SG Der Pannendienst startet 1954 mit Motorrädern. Puch 500 Der Puch 500 wird von 1958 bis 1964 als Pannenauto eingesetzt. Land Rover ​Am Glockner und bei der Olympiade in Innsbruck hilft der ÖAMTC mit robusten Geländefahrzeugen. VW Käfer Auf Bundesstraßen patroullieren die Pannenfahrer ab 1966 mit dem VW Käfer. Opel Rekord Delvan Mit dem kräftigen Fahrzeug werden 1967 erstmals defekte Fahrzeuge von Autobahnen abgeschleppt. Ford Escort ​1970 wächst die gelbe Flotte um 20 neue Ford Escort. Österreichweit sind nun 256 Fahrzeuge im Einsatz. Mini In den Städten werden wendige Minis eingesetzt. Fiat 126 Neue Fiat verstärken die Pannenhilfe-Flotte. Opel Rekord Die Vorherrschaft der Puch 500 ist längst vorbei, die Ära der Käfer neigt sich dem Ende zu. Neue Opel Rekord Diesel werden auf die Autobahnen geschickt. Mitsubishi Pajero Auch im Urlaub können ÖAMTC-Mitglieder mit der raschen Hilfe des Clubs rechnen. An der Adria kommt ein Mitsubishi Pajero-Geländewagen zum Einsatz.

Handy und Satellit

Heute gibt es kein Funknetz mehr. Die Pannenhelfer werden längst über Mobiltelefon und Satellit gesteuert. In der für Oberösterreich und Salzburg zuständigen Einsatzzentrale in Linz dirigieren mehr als 40 Mitarbeiter rund um die Uhr die Pannenhelfer. Der ÖAMTC Oberösterreich hat derzeit 88 Pannenfahrzeuge im Einsatz – darunter 26 kombinierte Abschlepp- und Pannenfahrzeuge (KAP) sowie zehn Abschlepp-Lkw. Zu welchen Höchstleistungen die Pannenhilfe im Ernstfall imstande ist, zeigte sich am 12. Februar 2012: An diesem bisher einsatzstärksten Tag in der Geschichte des ÖAMTC Oberösterreich leisteten knapp 100 Pannenhelfer binnen 24 Stunden unglaubliche 2.176 Einsätze.

Pannenhilfe heute. In Österreich gibt es vier ÖAMTC-Einsatzzentralen, von wo aus der ÖAMTC-Notruf „120“ gesteuert wird. Für Oberösterreich und Salzburg ist die Linzer Einsatzzentrale zuständig, die in der Landeszentrale in der Wankmüllerhofstraße angesiedelt ist. Wählt ein Autofahrer in den Bundesländern Oberösterreich und Salzburg nach einer Panne oder einem Verkehrsunfall die Nothilfenummer „120“, dann geht sein Anruf bei den Linzer „Gelben Engeln am Telefon“ ein. Nach dem telefonischen Erstkontakt übernimmt ein Pannen-Disponent den Einsatz und kümmert sich um das in Not geratene Clubmitglied. Der Disponent ist auch dafür zuständig, dass in möglichst kurzer Zeit ein Pannenfahrer beim Clubmitglied eintrifft. Die Koordination des Pannendienstes wird über Satellit gesteuert. Der Disponent sieht auf einem Bildschirm in Echtzeit, wo gerade welcher Pannenhelfer verfügbar ist. So ist sichergestellt, dass bei einer Panne die Wartezeit auf das Minimum reduziert ist. Da Pannen, etwa auf der Autobahn, und Unfälle für Beteiligte immer eine Stresssituation bedeuten, leisten die „Gelben Engel am Telefon“ auch so gut wie möglich psychologische Unterstützung.

Nur 30,5 Minuten. Ob bei Nacht, im Nebel oder im Schneechaos: Der Pannenhelfer versucht, möglichst rasch beim Clubmitglied einzutreffen. Die durchschnittliche Wartezeit bei einer Panne beträgt in Oberösterreich nur 30,5 Minuten. Trifft der ÖAMTC-Pannenhelfer ein, kann er neun von zehn Fahrzeugen direkt vor Ort wieder flott machen. Die modernen Einsatzfahrzeuge des ÖAMTC sind rollende Werkstatt, Computer- und Elektroniklabor, Diagnosegerät, Ersatzteillager, Personentransporter und Abschleppwagen in einem.

Der Club hilft immer

Bei Verkehrsunfällen sowie bei Pannen, die nicht an Ort und Stelle behoben werden können, kümmert sich der Club um eine etwaige Clubmobil-Vergabe für die gratis Heimreise oder Weiterfahrt, ein eventuell benötigtes Taxi bzw. eine Hotelunterkunft. Auch Fahrzeug-Rücktransporte aus Urlaubsländern werden von den ÖAMTC-Mitarbeitern schnell und unbürokratisch organisiert.

2013 rückten die Gelben Engel in Oberösterreich zu 131.450 Pannenhilfen und Abschleppungen auf der Straße aus. „Das entspricht einem Schnitt von 360 Einsätzen pro Tag“, sagt Josef Thurnhofer, Landesdirektor des ÖAMTC Oberösterreich.

Die Gelben Engel 2014 ÖAMTC © ÖAMTC
Österreichweit sind für über 1,9 Millionen Clubmitglieder 16 Notarzthubschrauber und 450 Pannenautos im Einsatz.

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