Januar 2018

Die billigsten Neuwagen in Österreich

Neues Auto um wenig Geld: ein Blick auf das untere Ende der Preisskala. 
Plus: Pro & Contra Neuwagen.

Für 10.000 Euro kann man sich durchaus ein gebrauchtes Oberklasse-Auto, acht Jahre alt, mit rund 150.000 Kilometern auf dem Tacho zulegen. Das kann in der Folge bei der Erhaltung aber ordentlich teuer werden. Service, Reparaturen und Spritkosten können das jährliche Mobilitätsbudget mit mehreren Tausend Euro belasten.

Für das gleiche Geld gibt es aber auch schon einen Neuwagen – und das Angebot ist größer als viele glauben. Die Vorteile sind vielfältig: Einerseits ist bei einem Neuwagen in den ersten Jahren mit keinen außertourlichen Reparaturen zu rechnen, und wenn doch, gibt es Garantie auf das Auto. Bei manchen Herstellern sogar fünf bis sieben Jahre. Beim Gebrauchtwagenkauf vom Händler muss man sich mit einem Jahr Gewährleistung begnügen, beim Erwerb von privat kann der Verkäufer sogar diese ausschließen.

Was spricht also gegen einen Neuwagen? Bei gleichem Budget bekommt man in aller Regel weniger Auto. Kleiner, magere Ausstattung, geringere Leistung. Und eines der wichtigsten Argumente gegen den Neuwagenkauf: In den ersten beiden Jahren ist der Wertverlust am größten. Das können schon einmal 40 Prozent des Neupreises sein. Das hat ein Gebrauchtauto schon längst hinter sich.

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Für den Grundpreis gibt es noch keine Klimaanlage. ESP ist aber überall an Bord.

Günter Rauecker, Redakteur

Das Angebot an günstigen Neuwagen ist gar nicht so klein. Setzt man eine Grenze von 10.000 Euro, findet man bei den österreichischen Markenhändlern gleich zwölf unterschiedliche Modelle, und das ohne Rabatt,  Finanzierungsangebote oder speziellen Aktionspreisen. Dafür bekommt man die jeweiligen Basismodelle in der günstigsten Ausstattungsvariante. Grundsätzlich verfügen alle zwölf Autos über die wichtigsten Sicherheitsausstattungen wie ABS, ESP und zumindest zwei Front-Airbags. Nachteil: Darüber hinausgehende Sicherheitsassistenten sind meist nur gegen Aufpreis oder in einer höherwertigen Ausstattungsstufe zu haben. Auch eine Klimaanlage kostet noch extra und ist in keinem dieser Basismodelle serienmäßig an Bord.

Besonders die Renault-Tochter Dacia ist in diesem Marksegment seit Jahren höchst erfolgreich. Bis auf das kompakte SUV Duster findet sich die gesamte Dacia-Modellpalette unter den zwölf günstigsten Neuwagen. Und der Günstigste, der Sandero (ab 7.590 Euro), ist auch der Erfolgreichste. 2017 haben sich 3.176 österreichische Neuwagenkäufer für den Bestseller entschieden. Und bei Dacia bekommt man für wenig Geld nicht nur Kleinwagen, auch Kombis und Vans sind im Angebot, gegen Aufpreis sogar mit sieben Sitzplätzen. Bei den Kleinwagen beliebt sind die baugleichen Modelle Peugeot 108, Citroën C1 und Toyota Aygo, im Grundpreis alle als Zweitürer. Ausschließlich mit vier Türen gibt es Ford Ka+, Kia Picanto, Renault Twingo und Suzuki Celerio.

Ein Tipp zum Schluss: Bei einer Tageszulassung, die null Kilometer auf dem Tacho hat, gibt es noch einmal einen ordentlichen Preisnachlass.

Warum kein Lada?

Auch die russische Marke Lada ist mit sehr günstigen Autos auf dem österreichischen Markt vertreten, spielt aber nur eine Statistenrolle. Der Bestseller von Lada ist noch immer der betagte 4x4 Taiga aus den 1970er-Jahren mit 122 verkauften Fahrzeugen im Jahr 2017. Alle anderen Modelle wie der Kalina (Bild unten) kommen nicht einmal über die 30-Stück-Grenze, und der neue Vesta kostet zumindest 13.390 Euro.

Lada Kalina.jpg Werk © Werk

Neu oder gebraucht?

Zwei unterschiedliche Standpunkte beim Autokauf – wir haben nachgefragt.

Autokauf ist nicht nur eine Kopfsache. In vielen Fällen entscheiden auch das Bauchgefühl oder persönliche Vorlieben. Emotionen sind ein wesentlicher Bestandteil, wenn es um den Kauf eines fahrbaren Untersatzes geht. Warum greift man zu einem günstigen Neuwagen mit wenig Ausstattung? Warum investiert man das gleiche Geld in ein erheblich älteres Auto mit hoher Laufleistung und Reparatur-Risiko? Wir haben zwei ÖAMTC-Mitglieder – stellvertretend für viele – befragt.

2017 wurden in Österreich 353.320 Neuwagen verkauft, im gleichen Zeitraum wechselten 853.244 Gebrauchtwagen den Besitzer.

Statistik Austria

PRO Neuwagen

Stephan Kozel
Dacia Logan MCV, Neuwagen

Kozel_HEN_2924.jpg Heinz Henninger © Heinz Henninger

„Ich kann auf Schickimicki-Ausstattung gut verzichten“, zeigt sich Stephan pragmatisch. Das Auto ist für den Physiotherapeuten ein Gebrauchsgegenstand. Vor dem Dacia hatte er einen VW Polo, Baujahr 2004. 2016 hatte der 130.000 Kilometer drauf. „Eigentlich noch nicht extrem alt, aber laufend war irgendwas zu reparieren. Das ging in Summe ziemlich ins Geld.“ Dann entschied er sich für einen Neuwagen. Der Dacia Logan hat einen 90-PS-Dieselmotor, als Extras gönnte sich Stephan noch die manuelle Klimaanlage, Tempomat sowie Einparkhilfe und bezahlte rund 13.800 Euro. Argumente für den Neuwagen: „Ich habe Garantie und brauche keine versteckten Mängel befürchten.“ Bislang hat er seine Entscheidung nicht bereut. In den zweieinhalb Jahren war nur ein Service zum Fixpreis fällig, das war’s. „Außerdem kommt der Dacia im Eco-Modus mit 5,2 Liter/100 km aus.“ Und beim Ausbau des neuen Hauses im Weinviertel kann das Platzangebot des Kombis so richtig ausgenützt werden.

CONTRA Neuwagen

Sandra Norgardt
BMW 116i, Baujahr 2012

Norgardt_HEN_2960.jpg Heinz Henninger © Heinz Henninger

„Ich will ein Auto, das mir Spaß macht“, war für Sandra von Anfang an klar. Zwar hatte sie vor dem BMW einen nahezu neuwertigen Kia Rio, der Kleinwagen war aber eine Notlösung: Sie brauchte schnell ein Auto, das Angebot war gut. „Zu Beginn war der kleine Stadtflitzer durchaus okay. Ich wusste aber gleich, dass ich den Rio nicht lange haben werde“, gesteht sie. Warum? Ein Premium-Auto sollte es sein, eines mit höherem Image, eines, das Spaß macht. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, sagte sich die 24-jährige. Und da kam der BMW genau richtig. Gekauft hat sie ihn privat, übers Internet. Der schwarze 116i ist Baujahr 2012 und damit nicht nur einige Jahre älter als der Kia, er hat auch 100.000 Kilometer mehr am Zähler, nämlich 130.000. „Macht aber nix, den Luxus gönne ich mir trotzdem“, freut sich Sandra. In einen Neuwagen will sie nicht investieren, der Wertverlust im Vergleich zum „betagten“, aber gut gepflegten BMW ist einfach zu hoch. Gekostet hat er übrigens 9.500 Euro. So viel, wie der Kia wert war.

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