Dazu begrüße ich jetzt Steffan Kerbl, Leiter der ÖAMTC Testabteilung. Hallo, Stefan. Schön, dass du da bist. Servus, Emily. Der aktuelle Winterreifentest hat wieder so einiges offenbart. Was war für dich heuer die größte Überraschung? Wir haben ja zwei Dimensionen getestet. Heuer wieder eine kleinere 185 Breite und 225 die größere Dimension. Und mir ist aufgefallen, dass bei der kleineren Dimension allmählich asiatische Produkte bis ins Spitzenfeld vordringen. Während einige klassische Premiumhersteller nur im hinteren Mittelfeld anzutreffen sind. Ich bin mir nicht sicher, ob das nur die Qualität der asiatischen Produkte ist. Und du hast im Beitrag gesagt, man soll sich nicht nur auf bekannte Marken und Premiumprodukte verlassen. Warum ist das so? Bei der kleineren Dimension habe ich den Eindruck, dass die Premiumhersteller oft nicht die neueste Technologie rauslassen, die sie gerade haben. Das wird meistens von oben runter abgerollt. Also die großen Breitreifen für große, schwere Elektroautos, da ist der höchste Entwicklungsdruck drauf. Da sind die auch ganz gut unterwegs, das sieht man eben in dem Ergebnis auch. Und so ist es halt so, dass für asiatische Hersteller es möglich ist Platz 3 oder Platz 4 eigentlich im Test zu erringen. Besonders glücklich bin ich darüber aber trotzdem nicht, weil auch kleine Reifendimensionen sehr weit verbreitet sind. Also alle kleinen und unteren Mittelklasse Fahrzeuge sind hier betroffen. Und auf der Straße trifft man sich ja trotzdem. Also ich hätte schon ganz gerne, dass die Reifenqualität ausgeglichener wäre. Jetzt gibt es ja eine Diskussion rund um Ganzjahresreifen oder doch klassisch Winterreifen und dann Sommerreifen zu fahren. Wozu würdest du aus heutiger Sicht eher raten? Zu Ganzjahresreifen oder zu Winterreifen für die jetzige Saison? Es gibt verschiedene Gründe, warum Ganzjahresreifen auch in Österreich interessanter werden. Der unangenehmste Grund ist der Klimawandel. Es wird natürlich milder im Winter, obwohl es immer wieder Schneeereignisse gibt, aber die sind seltener geworden. Also das heißt, der Ganzjahresreifen ist allein schon aus der Sicht interessant geworden. Die Ganzjahresreifen sind auch besser geworden. Sie müssen sich am Winter und am Sommerreifen messen, schaffen das aber zunehmend gut. Ausgerechnet allerdings die Zielgruppe der größeren Familien sollte nach wie vor auf Sommer und auf Winterreifen setzen, weil die Fahren sehr oft mit voll beladenen Fahrzeugen auf Urlaub. Und die Schwäche des Ganzjahresreifens ist eher der Sommer, nicht so sehr der Winter wie man glauben würde. Im Sommer, die Sommer werden immer heißer, auch eine Folge des Klimawandels, ist es so, dass Ganzjahresreifen leiden, wenn man mit Hänger und vollgepacktem Auto in Richtung Süden unterwegs ist. Also wer das öfters vor hat, sollte nach wie vor auf die klassische Kombination Sommer und Winterreifen setzen. Sehr spannend. Und jetzt kommen wir noch zur Gretchenfrage, sozusagen im Reifenbereich. Ab wann ist es jetzt wirklich Zeit für einen neuen Satz Reifen? Ja, dazu haben wir auch eine interessante Untersuchung gemacht. Aber vorab vielleicht einmal die Grenzprofiltiefe für Winterreifen ist vier Millimeter, das ist allerdings nur in Österreich so. Glücklicherweise muss ich sagen. Denn wir haben einen Test gemacht, wo wir festgestellt haben, dass besonders Winterreifen ab dieser Profiltiefe bei Nässe ein Problem kriegen. Also gar nicht auf Schnee, sondern bei Nässe. Deswegen würde ich dringend empfehlen, jedes Mal, bevor es ans Umstecken geht, egal ob man das selbst macht oder einen Betrieb hat, wo man das machen lässt, zu schauen, wie es da aussieht mit der Reifenprofiltiefe. Wenn die jetzt schon bei fünf Millimeter ist, würde ich den Reifen gar nicht mehr aufziehen. Denn der hält ja den ganzen Winter gar nicht mehr durch und die vier Millimeter muss er am Ende des Winters haben, nicht am Anfang des Winters. Vielen Dank für deine spannenden Einblicke, lieber Stefan und für deinen Besuch im Studio. Gerne, Emily. Und wenn Sie Interesse an weiteren Infos zum aktuellen ÖAMTC Test haben, finden Sie diese wie immer auf unserer Website.