Die Details zum Kindersitztest bespreche ich jetzt mit Steffan Kerbl, ÖAMTC Leiter der Test und Technik. Hallo Stefan, schön, dass du da bist. Servus Jenny. Es gab ja leider wieder vor den Testergebnissen, vor der Veröffentlichung Produktwarnungen für sogenannte White Label Sitze. Was ist denn das genau? Ein White Label Produkt ist von einem Stamm von einem Hersteller, der selbst gar nicht die Marke vertreibt, sondern bietet Markennamen an. Im konkreten Fall waren das 162 Markennamen, die schon eingetragen waren. Und da haben wir jetzt 10 Produkte nachgetestet mit demselben Ergebnis: Die sind alle wortwörtlich davongeflogen. Und da würde ich halt schon davor warnen, denn wir können unmöglich alle Sitze testen. Das geht nicht. Aber man kann die Bilder vergleichen online. Und wenn man merkt das Produkt schaut eh gleich aus, würde ich schon mal die Finger davon weglassen. Denn ein Kindersitz ist sowieso ein Fachhandelsprodukt. Das heißt ich sollte eh mit Kind und Auto das Produkt ausprobieren, denn es gibt viele Stolpersteine beim Kindersitz. Mhm, wie ist das denn jetzt? Wann wechsle ich in die nächstmögliche Kindersitzgröße? Es waren ja Generationensitze dabei, aber die waren eher nur durchschnittlich. Wann wechsle ich da? Ja, also bei von Geburt an würde ich jedenfalls immer eine Babyschale verwenden, selbst wenn so ein Generationensitz mal angeschafft wird. Die kann ich nur ein bis eineinhalb Jahre verwenden. Danach möchte das Kind sitzen. Das ist also dann, wenn das Kind laufen kann und gehen kann. Dann setze ich es in den nächstgrößeren Sitz, einen Kleinkindsitz, da sind dann immer noch Hosenträgergurte da oder ein Fangkörper. Da ist es empfehlenswert, immer noch so lang wie möglich rückwärts gerichtet zu bleiben. Viele Sitze können dann vorwärts gerichtet gedreht werden. Und dann so ab 1,05 Meter bis 1,10 Meter oder ab drittem, viertem Lebensjahr kann ich dann beginnen in einen Sitz-Erhöher zu wechseln, wo das Kind dann schon mit dem Fahrzeug gut angeschnallt wird. Ich würde nur empfehlen sich hier Zeit zu lassen. Denn es geht nicht nur um die körperliche Façon des Kindes, sondern auch um die geistige Reife. Und wenn die Kinder sich immer noch selber abschnallen wollen, dann geht das mit dem Fahrzeug gut natürlich leichter. Da würde ich mir also wirklich Zeit lassen. Jetzt hast du Rückwärtsgerichtet schon angesprochen. Ein Sitz im Test war nur rückwärtsgerichtet zu montieren. Würdest du das wirklich empfehlen, das so lange wie möglich zu machen, weil es sicherer ist? Naja, das ist ja fast sektenartig gepredigt worden, so lange wie möglich rückwärtsgerichtet sitzen. Das stimmt natürlich. Bei Babys ist es eh eine Gesetzmäßigkeit, also bis 15 Monate müssen Kinder ja verkehrt herum im Auto sitzen. Und danach ist es schon gut, das so lange wie möglich auszureizen. Es gibt ja sehr smarte Produkte, die ich in beide Richtungen drehen kann. Da würde ich auch empfehlen, so lange wie möglich, dass entgegen der Fahrtrichtung platziert zu lassen. Nur im konkreten Fall ist es ein Sitz, der bis zum sechsten Lebensjahr verkehrtherum funktionieren soll, da muss man schon Opfer bringen im Alltag. Das Kind sitzt nicht mehr bequem darin. Es ist auch kein Platz mehr im Auto. Und das Dumme dabei ist, gerade in der Sicherheit hat dieser Sitz auch nicht so toll gepunktet und deswegen ist sich nur ein „Genügend“ ausgegangen. Also das Produkt selbst muss schon einmal passen. Es nützt nichts zu predigen: „Nur rückwärtsgerichtet.“ Ich brauche auch die guten Produkte und die finde ich eben im Testergebnis. Was sind denn so häufige Bedienungsfehler? Was hast du da für Tipps, dass man in der Handhabung alles richtig macht mit Kindersitzen? Also, der wichtigste Tipp, den man sich merken muss, ist: Alles im Auto, jeder Mensch, jedes Tier, jede Sache muss so gut wie möglich mit dem Auto verbunden werden, dann ist man in der Unfallsituation sicher, sicherer, auf jeden Fall als wenn alles locker ist. Das heißt es muss schon mal der Sitz fest eingebaut werden, egal ob mit Gurt oder Isofix. Es gibt hier viele Möglichkeiten, das zu verspannen. Meistens sind Indikatoren da, die muss man auch nutzen. Und dann geht es um das Anschnallen des Kindes. Hier werden die meisten Fehler gemacht. Die Gurte bleiben zu lose, die müssen wirklich jedes Mal gespannt werden. Und die meisten Sitze haben verstellbare Kopfstützen, wo auch die Gurte mitgehen, da muss ich mich natürlich auch regelmäßig darum kümmern, dass das angepasst wird ans Kind. Der Sitz muss mit dem Kind mitwachsen. Da waren jetzt wieder einige neue Tipps für mich dabei. Vielen Dank Steffan fürs Gespräch. Gerne, Jenny. Die genauen Testergebnisse gibt es auf unserer Website.