Kalte Winter sind für Elektrofahrzeuge durchaus eine Herausforderung, denn bei niedrigen Temperaturen sinkt die Reichweite der Batterien. Das ist oft die Grundlage für gewagte Thesen und Spekulationen darüber, um wie viel Prozent die Batterieleistung tatsächlich abnimmt. Um hier valides Daten- und Zahlenmaterial zu erhalten, findet in Norwegen zweimal jährlich der sogenannte El Prix Reichweitentest statt – der weltweit größte Reichweitentest für Elektrofahrzeuge. Der jüngste El Prix Test hat im vergangenen Jänner stattgefunden. Mein Kollege Florian Merker war im hohen Norden mit dabei und berichtete von extremen Bedingungen mit Temperaturen von bis zu minus 31 Grad. Es war außergewöhnlich kalt – so kalt wie noch nie bei einem El Prix Reichweitentest. Der Test wird jeweils im Sommer und im Winter durchgeführt, um neue Elektrofahrzeuge unter realen norwegischen Bedingungen zu prüfen und die tatsächliche Reichweite zu ermitteln. Diese reale Reichweite wird anschließend mit der vom Hersteller angegebenen WLTP-Reichweite verglichen und bewertet. Aktuell wurden 24 Elektrofahrzeuge getestet. Die Strecke startet in Oslo, führt zunächst durch den Stadtverkehr und verläuft anschließend über Landstraße und Autobahn Richtung Norden. Bereits unterwegs gibt es einige Hügel, doch gegen Ende der Strecke wird das Gelände deutlich bergiger. Die extremen Temperaturen hatten spürbare Auswirkungen auf die Reichweite. Kein einziges Fahrzeug erreichte den WLTP-Wert. Die geringste Abweichung lag bei 29 Prozent, die höchste bei 46 Prozent unter dem angegebenen WLTP-Wert. Damit zeigte sich deutlich, dass Elektrofahrzeuge bei sehr niedrigen Temperaturen erhebliche Reichweitenverluste verzeichnen. Unter den 24 getesteten Fahrzeugen befanden sich auch mehrere Modelle aus chinesischer Produktion, die in Österreich teilweise noch nicht erhältlich sind, aber im Laufe des Jahres auf den Markt kommen sollen. Dazu zählen etwa der Changan Deepal S05, der Xpeng X9 und der Zeekr 7X. Diese Modelle schlugen sich im Vergleich zu europäischen Fahrzeugen insgesamt relativ gut. Über die gesamte Bandbreite hinweg kann man sagen, dass sich die Fahrzeuge trotz der extremen Bedingungen insgesamt ordentlich geschlagen haben, auch wenn die Abweichungen vom WLTP-Wert erwartungsgemäß deutlich ausfielen. Neben der Reichweite wurde auch die Ladegeschwindigkeit getestet. Das ist besonders relevant, weil bei neuen Elektrofahrzeugen nicht nur die Reichweite, sondern auch das Ladeverhalten im Alltag eine entscheidende Rolle spielt. Um vergleichbare Bedingungen zu schaffen, wurden die Fahrzeuge vor dem Ladevorgang zwei Stunden gefahren, damit die Antriebsbatterie optimal temperiert ist. Anschließend wurde von 10 auf 80 Prozent geladen. Dabei zeigte sich ein positives Ergebnis: 13 von 24 Fahrzeugen erreichten die 80 Prozent innerhalb von 30 Minuten, sechs Fahrzeuge sogar schneller als vom Hersteller angegeben. Die Erkenntnisse aus dem Test zeigen, wie wichtig es ist, sich vor dem Kauf eines Elektrofahrzeugs genau zu informieren und die eigenen Bedürfnisse sowie die erwartete Nutzung realistisch einzuschätzen. Weitere Details, Hintergründe und Antworten auf offene Fragen finden Sie wie immer auf unserer Website.