Wir bleiben beim Thema Sommerreifentest. Einige Ergebnisse wollen wir nun im Detail besprechen. Dazu ist Steffan Kerbl, Leiter der ÖAMTC-Tests, im Studio zu Gast. Im aktuellen Test zeigt sich ganz deutlich: Es reicht nicht, nur eine Kategorie zu gewinnen und in anderen Bereichen am Ende zu landen, um insgesamt eine gute Bewertung zu erhalten. Ein Beispiel dafür ist der Linglong Sport Master eines chinesischen Herstellers. Er gewann zwar in der Kategorie Nässe, wurde insgesamt jedoch Letzter. Dieses Produkt ist ein regelrechtes Lehrbeispiel dafür, wie komplex die Anforderungen an einen Reifen sind. Ein Reifen muss viele unterschiedliche Aufgaben erfüllen, und im Test wird großer Wert darauf gelegt, dass er in allen Disziplinen überzeugt. Der Linglong scheint stark auf Nässe optimiert zu sein – möglicherweise wurde er sogar aus einem Winterreifen weiterentwickelt, das Material wirkt sehr weich. Auf nasser Fahrbahn ist er sensationell, in allen anderen Bereichen jedoch teilweise katastrophal: geringe Haltbarkeit und unsicheres Fahrgefühl bei Trockenheit. Deshalb bildet er im Test das Schlusslicht – nicht unbedingt, weil er extrem schlecht wäre, sondern weil viele Hersteller inzwischen gelernt haben, ausgewogene Reifen zu bauen. Ein weiteres Thema beim Reifenkauf ist das Produktionsdatum. Dieses ist nicht ganz unwichtig. In der Praxis ist es kaum möglich, einen Reifen zu bekommen, der jünger als sechs Monate ist, da die Logistikkette Zeit benötigt. Reifen werden produziert, eingelagert und an Händler verteilt. Maßgeblich ist die sogenannte DOT-Nummer mit vier Ziffern: Die ersten beiden stehen für die Produktionswoche, die letzten beiden für das Jahr. Ein Produktionsdatum, das ein Jahr zurückliegt, ist kein Problem. Auch hinsichtlich der Alterung ist das unkritisch. Relevant ist eher das „technologische Alter“: Die Entwicklung schreitet fort, und neuere Modelle sind oft besser. Wird ein drei Jahre alter Reifen angeboten, sollte man zumindest einen Preisnachlass verhandeln. Ein bis zwei Jahre alte Reifen können jedoch problemlos als neu akzeptiert werden. Wer bereits vier Sommerreifen besitzt und zwei davon ersetzen möchte, darf grundsätzlich unterschiedliche Modelle fahren. Wichtig ist nur, dass links und rechts auf einer Achse identische Reifen montiert sind. Ob vorne und hinten unterschiedliche Marken oder Produktionsjahre verwendet werden, ist erlaubt. Sommer- und Winterreifen dürfen jedoch nicht gemischt werden. Bei einem Reifenschaden empfiehlt es sich, nicht nur einen einzelnen Reifen zu tauschen, sondern gleich ein Paar. Beim Thema Aquaplaning spielt neben der Reifenart vor allem die Profiltiefe eine entscheidende Rolle. Reifen, die auf Nässe optimiert sind, haben hier zusätzliche Reserven. Tests zeigen, dass Reifen ihre Eigenschaften bis etwa vier Millimeter Profiltiefe gut beibehalten. Erst bei sehr hohen Geschwindigkeiten wird ein Unterschied spürbar. Zwischen vier Millimetern und der gesetzlichen Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern verschlechtern sich die Eigenschaften jedoch rasch. Bei nur noch 2,5 Millimetern Restprofil sind die Aquaplaning-Eigenschaften deutlich schlechter als im Neuzustand. Daher sollte man auch bei Sommerreifen spätestens bei vier Millimetern Profiltiefe über einen Austausch nachdenken. Sind Reifen unterschiedlich stark abgefahren, stellt sich die Frage nach der richtigen Montage. Intuitiv würde man bei einem Frontantrieb die besseren Reifen vorne montieren, doch empfohlen wird, die besseren Reifen an der Hinterachse anzubringen. Die Hinterachse muss stabil bleiben, um das Fahrzeug kontrollierbar zu halten. Bei Heckantrieb verschleißen die Hinterreifen meist schneller, wodurch sich das Profilniveau ohnehin schneller angleicht. Grundsätzlich sollten Vorder- und Hinterreifen möglichst gleichmäßig abgefahren sein. Wenn jedoch neue Reifen nachgekauft werden mussten, gehören die besseren Reifen zunächst auf die Hinterachse. Sollten noch Fragen offen sein, finden sich weiterführende Informationen auf der Website des ÖAMTC.