Fahrräder und E-Bikes sind in Österreich nach wie vor ein beliebtes Fortbewegungsmittel und Sportgerät – eine grundsätzlich positive Entwicklung. Gleichzeitig bringt das steigende Radverkehrsaufkommen aber auch einen erhöhten Handlungsbedarf in Sachen Sicherheit mit sich. 65 Radfahrende sind im letzten Jahr tödlich im Straßenverkehr verunglückt. Die Details dazu wurden mit ÖAMTC-Verkehrstechniker David Nosé besprochen. Laut der vorläufigen Unfallstatistik aus dem Jahr 2025, basierend auf der Bilanz des Innenministeriums, gibt es 65 getötete Radfahrer. Das sind die höchsten Zahlen seit 23 Jahren und nahezu eine Verdoppelung im Vergleich zu 2024. Das zeigt deutlich, dass ein großer Handlungsbedarf besteht. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob es sich um eine nachhaltige Trendumkehr ins Negative handelt oder um einen statistischen Ausreißer. Ein Blick auf die langfristige Entwicklung zeigt ebenfalls eine besorgniserregende Tendenz: Vor etwa 15 Jahren war jeder 16. Verkehrstote ein Radfahrer, mittlerweile ist es bereits jeder sechste. Das ist ein klares Indiz dafür, dass die Zahl der getöteten Radfahrer nicht im gleichen Ausmaß zurückgeht wie in der Gesamtunfallstatistik. Bei den Ursachen tödlicher Verkehrsunfälle mit Fahrrädern oder E-Bikes zeigt sich, dass der Großteil auf Alleinunfälle und Kreuzungsunfälle zurückzuführen ist. Auffällig ist dabei, dass 43 % der Unfallursachen als Vorrangverletzungen ausgewiesen wurden – eine Verdreifachung im Vergleich zu den Jahren davor. Das ist ein deutliches Signal, dass diese Ursachen nach Vorliegen der endgültigen Statistik im Detail analysiert werden müssen. Ebenfalls auffällig ist, dass sich der Anteil der Alleinunfälle in den letzten 20 Jahren von 25 % auf mittlerweile 50 % erhöht hat. Jeder zweite Unfall ist somit ein Unfall ohne Fremdbeteiligung, bei dem es etwa zu einem Sturz kommt. Hier wird das E-Bike als wesentlicher Faktor gesehen. Mehr als jeder zweite E-Bike-Unfall ist ein Alleinunfall. Unfälle passieren oft sehr schnell, sodass kaum Zeit zum Reagieren bleibt. Umso wichtiger ist es, sich bestmöglich zu schützen – insbesondere den Kopf, da ohne Schutz schwere Verletzungen drohen. Deshalb wird immer wieder dringend zum Tragen eines Helms appelliert. Um Radfahrende stärker zum Helmtragen zu motivieren, braucht es einerseits mehr Bewusstseinsbildung, da vielen die Schutzwirkung eines Helms nicht ausreichend bewusst ist. Andererseits wird speziell für E-Bikes eine generelle Helmpflicht ohne Strafandrohung vorgeschlagen. Erfahrungen zeigen, dass auch ohne Strafen hohe Helmtragquoten erreicht werden können, etwa bei der Kinderhelmpflicht oder beim Skifahren. Ziel sollte es sein, auch beim E-Bike eine ähnlich hohe Helmquote zu erreichen, zumal viele ältere Menschen E-Bikes nutzen und eine höhere Verletzlichkeit aufweisen. Zur generellen Erhöhung der Sicherheit im Radverkehr empfiehlt der ÖAMTC evidenzbasierte Maßnahmen auf Grundlage einer detaillierten Unfalltiefenforschung. Das Unfallgeschehen ist komplex und kann nicht mit einer einzelnen Maßnahme gelöst werden, sondern erfordert ein umfassendes Maßnahmenbündel. Dazu zählt der Ausbau der Infrastruktur, wobei klar ist, dass dieser nicht flächendeckend möglich ist. Ebenso wichtig sind Bewusstseinsbildung – insbesondere in Bezug auf Helmtragen und Regeltreue –, verstärkte Kontrollen hinsichtlich Alkohol- und Drogenkonsum sowie eine Verbesserung des Fahrkönnens. Spezielle Kurse spielen dabei eine zentrale Rolle, um neue Nutzergruppen, insbesondere E-Bike-Fahrende, theoretisch und praktisch an das Fahrzeug heranzuführen. Abschließend bleibt die Hoffnung, dass diese Maßnahmen mehr Fahrrad- und E-Bike-Fahrerinnen und -Fahrer dazu motivieren, einen Helm zu tragen. Weitere Details sind auf der Website des ÖAMTC nachzulesen.