Moderne Fahrzeuge sind mit einer Vielzahl an Features ausgestattet, wie Navigation mit Echtzeitverkehrsdaten sowie Sprach- und App-basierte Steuerung. Diese Funktionen und Fahrzeugdaten sind heute meist zeitlich begrenzt kostenlos und werden typischerweise ab dem Ende der Leasingdauer des Erstbesitzers kostenpflichtig. Viele Hersteller wollen die Digitalisierung des Autos zu einer lukrativen Einnahmequelle entwickeln. Was dagegen unternommen wird, bespreche ich jetzt mit Steffan Kerbl, Leiter der Test und Technik. Hallo Steffan, vielen Dank fürs Kommen. – Servus, Jenny. Ihr habt ja die digitalen Dienste und Apps führender Fahrzeughersteller analysiert. Was ist dabei herausgekommen? – Völlig Unterschiedliches, teilweise auch völlig Verwirrendes. Im Prinzip war es eine Recherche und ein bisschen Ausprobieren. Wir haben festgestellt, dass es hier eigentlich alles gibt. Einige Hersteller verlangen gar nichts, da zahlt man das quasi einmal mit dem Fahrzeugkauf. Damit wird es dann auch für Zweit- und Drittkunden einfacher, diese Hersteller bieten allerdings nicht so viele Dienste an. Vor allem bei den deutschen Premiumherstellern ist es das andere Extrem: Sie bieten extrem viele Möglichkeiten, die teilweise separat in eigenen Diensten verrechnet werden. In Summe kann das bis zu 400 Euro im Jahr ausmachen, wenn man alle Dienste nutzen möchte. Es war wichtig, das darzustellen und auch ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Käufer darauf achten müssen, wenn sie sich einen jungen Gebrauchten kaufen. Außerdem gibt es Alternativen, nämlich freie Möglichkeiten für Dienste. Du hast den jungen Gebrauchten schon angesprochen: Wenn ich mir so ein Fahrzeug kaufen möchte, was sollte ich davor unbedingt überprüfen? Die Überprüfung beginnt schon zu Hause, bevor man beim Händler steht oder einen Termin mit der verkaufenden Person vereinbart. Wichtig ist zunächst zu wissen, ob das Auto über E-Call verfügt, also ob es vernetzt ist. Dann wird es nämlich spannend. Außerdem sollte man prüfen, ob es möglich ist, das Mobiltelefon zu verbinden. Dabei kommt es darauf an, ob man ein Android- oder iOS-Gerät nutzt, da die jeweiligen Konnektivitätsdienste unterschiedlich sind. Diese Informationen findet man meist online, wenn man das Fahrzeugmodell recherchiert. Dort sieht man auch, ob Kosten für Dienste auf der Herstellerseite angegeben sind. Erst mit dieser Information sollte man ins Verkaufsgespräch gehen. So kann man beim Händler oder bei einer Privatperson viel klarer entscheiden, ob man einen Dienst kostenpflichtig nutzen möchte oder vorerst darauf verzichtet. Du hast auch die Fahrerinnen und Fahrer von Elektroautos angesprochen, die auf Konnektivitätsangebote angewiesen sind, um die Ladeinfrastruktur zu kennen. Welche Tipps hast du für diese Verbraucher? Neben den herstellerseitigen Angeboten gibt es auch freie Dienstanbieter. Teilweise sind diese ebenfalls kostenpflichtig und arbeiten mit einem Dongle, der ins Auto gesteckt wird. Diese Dienste verbinden sich mit dem Fahrzeug, kennen die aktuelle Reichweite und liefern ähnliche Informationen wie die Hersteller-Apps, etwa wann geladen werden muss und wo sich passende Lademöglichkeiten befinden. Auch das muss man sich beim Elektroauto gut überlegen. Ich würde das Ganze entspannt betrachten. Wenn man sich gut vorbereitet, kann man auch mit freien Diensten wie Google Maps oder Apps vom ÖAMTC oder ADAC gut auskommen, in denen die Ladeinfrastruktur laufend aktualisiert wird. Man muss diese Ziele allerdings bewusst selbst auswählen. Bei kostenpflichtigen Diensten bekommt man diese Informationen automatisch angeboten. Wenn man darauf verzichten kann, ist das völlig in Ordnung. Ich empfehle sogar, beim Kauf zunächst auf alle Dienste zu verzichten und das Auto einmal ohne sie zu fahren. Die Dienste können jederzeit nachgebucht werden, wenn man merkt, dass man sie doch haben möchte. Wichtig ist außerdem, sich Kundenmeinungen einzuholen. Heutzutage wird vieles im Internet geteilt, und so entsteht auch Druck auf die Industrie. Die Community tauscht sich untereinander aus, was wiederum Einfluss auf freie Dienstanbieter hat, ihre Angebote zu verbessern. Was uns am meisten stört, ist die Intransparenz bei den Kosten, weil man kaum vergleichen kann, was man eigentlich für sein Geld bekommt. Du hast den Abo-Dschungel schon angesprochen. Was ist der Appell an die Hersteller? – Der Appell ist, sich bewusst zu machen, dass sie mit diesen Diensten die Büchse der Pandora geöffnet haben und nun im Wettbewerb mit vielen Dienstanbietern stehen. Ich würde dringend empfehlen, hier keine künstlichen Claims abzustecken, wie es manche Mobilfunkanbieter versucht haben. Das wirkt sich negativ auf die Kundenzufriedenheit aus und möglicherweise auch auf den Gebrauchtwagenpreis. Wenn Dienste so dominant werden, dass man sie zwingend benötigt oder wenn sogar Funktionen daran gekoppelt sind, die mit der Zulassung des Fahrzeugs zu tun haben, dann hört der Spaß auf. Wenn man etwa einen Dienst braucht, um überhaupt ein Pickerl zu bekommen, weil sonst E-Call nicht funktioniert, dann spricht sich das herum und wirkt sich negativ auf den Gebrauchtwagenwert aus. Niemand möchte monatlich zahlen müssen, nur um fahren zu dürfen. Der Appell an die Fahrzeugindustrie lautet daher: Achtet darauf, dass diese Angebote tatsächlich Dienste bleiben. Es ist völlig in Ordnung, Geld für Leistungen zu verlangen, die laufende Kosten verursachen, etwa Kartenmaterial, Pflege oder Fernwartung. Aber Funktionen, die bereits mit dem Fahrzeugkauf bezahlt wurden, dürfen nicht ein zweites Mal verrechnet werden. Vielen Dank, Steffan, für das Gespräch und deine Tipps, wie man sich im Abo-Dschungel zurechtfindet. – Gerne, Jenny. Alle Informationen im Detail sowie eine Kostenaufschlüsselung der digitalen Dienste vieler Hersteller finden Sie auf unserer Website.