Windschutzscheibe kaputt: Wer haftet?

Wer haftet für kaputte Windschutzscheiben? Wann zahlt die Versicherung?

Kaputte Windschutzscheibe durch Steinschlag
Kaputte Windschutzscheibe durch Steinschlag

Wird ein Stein vom Reifen eines Kraftfahrzeuges erfasst und in die Windschutzscheibe eines anderen Wagens geschleudert, so gibt es zwischen der Versicherung des Schädigers und dem Geschädigten sehr oft Streit. Der Geschädigte verweist auf die Haftung für die Betriebsgefahr des Kraftfahrzeuges des Vorausfahrenden und verlangt Schadenersatz. Die Versicherung lehnt den Anspruch meist mit der Begründung ab, es liege ein sogenanntes unabwendbares Ereignis vor. Worauf kommt es wirklich an?

Steinschlag auf Asphaltstraße

Bei einem Schaden durch Steinschlag auf einer Asphaltstraße ist es meistens aussichtslos, Schadenersatz zu fordern. Selbst der sorgfältigste Kraftfahrer kann nicht so langsam fahren, dass er auf jeden Stein auf der Straße achten könnte. Der OGH hat bereits wiederholt entschieden, wenn ein Stein nur durch ein ganz gewöhnliches Fahren ohne irgendein Verschulden des Lenkers weggeschleudert wird, weder eine Haftung beim Lenker noch beim Halter anzunehmen ist.

Überhöhte Geschwindigkeit, winterliche Fahrbahnverhältnisse

Dieser Grundsatz gilt jedoch dann nicht, wenn z.B. wegen überhöhter Geschwindigkeit im Begegnungsverkehr noch dazu auf einer Straße mit winterlichen Fahrbahnverhältnissen ein Stein hochgeschleudert und ein Schaden angerichtet wird. Von einem Autofahrer wird vom Höchstgericht die Kenntnis darüber verlangt, dass im Winter auf einer Straße trotz Räumung Schnee- und Eisteile verbleiben, desgleichen, dass sich im Streugut auch Steine und Schlackenteile befinden können.

Beladenes Fahrzeug

Fällt ein Stein von einem mit Kies beladenen Fahrzeug, so wird ebenfalls eine Haftung für eine dadurch bedingte Zerstörung einer Windschutzscheibe anzunehmen sein. Die Ladung muss nämlich so verstaut sein, dass sie niemanden gefährdet oder schädigt. Eine Haftung eines Lkw-Halters wird jedoch zu verneinen sein, wenn feststeht, dass die heruntergefallenen Steinchen den nachfolgenden Pkw nur beschädigen konnten, weil dieser lediglich 5 m Abstand einhielt.

Lkw-Zwillingsbereifung, Spikestifte

Eine Haftung haben die Gerichte auch schon angenommen, wenn der Fahrer eines Lkw die Zwillingsbereifung eines Fahrzeuges nicht gründlich nach eingeklemmten Steinen abgesucht hat, bevor er von einem Feldweg auf eine asphaltierte Landstraße einfuhr. Ähnlich war eine Entscheidung, die zur Grundlage hatte, dass sich von einem Hinterradreifen eines Pritschenwagen entweder ein Spikestift oder ein verkeiltes Glied der am Pritschenwagen montierten Schneeketten gelöst hat.

Hohe Anforderungen bei Beweisfrage

Was die Beweisfrage betrifft, stellen die Versicherungen und auch die Gerichte hohe Anforderungen. So reicht allein die Tatsache nicht aus, dass ein mit Steinen beladener Lkw vorausfuhr. Der Geschädigte muss auch durch Zeugen oder den betreffenden Gegenstand beweisen können, dass dieser beispielsweise von der Ladefläche eines Lkw heruntergefallen war.

Kaskoversicherung

Keine Probleme bei Schäden an Windschutzscheiben gibt es dann, wenn ein Fahrzeug kaskoversichert ist. Bereits die sogenannte Teilkaskoversicherung gewährt ausreichend Deckung und übernimmt somit die anfallenden Kosten.