11.05.2011

Riviera, Beletage

Entdeckungen in den Obergeschoßen der Cote d'Azur.

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Roquebrune  Côte d´Azur: Das schicke Untergeschoß der französischen Riviera © Roland Fibich
Roquebrune, Côte d´Azur: Das schicke Untergeschoß der französischen Riviera © Roland Fibich
Monaco, Nizza und Cannes - das ist die weltberühmte Côte d'Azur. Wer aber kennt Saorge, La Brigue und den Nationalpark Mercantour? Die Schätze der französischen Seealpen sind gut verborgen. Um sie zu heben, muss man das Wagnis eingehen, die vom Licht verwöhnte Riviera bei Ventimiglia zu verlassen und das finstere, kurvenreiche Roya-Tal an der italienischen Grenze hinauf zu klettern.

Stille statt Styling. Zwei Dutzend Kilometer vom Glamour der Küste trotzt hoch oben wie ein Adlernest das Städtchen Saorge der Gegenwart: enge Gässchen, kleine Cafés, ein ehemaliges Kloster, das jetzt Literaten als Rückzugsgebiet dient - Stille statt Styling. Madame Staub ist in Saorge Mädchen für alles: Buchhändlerin, Café-Inhaberin, Gemeinderätin und Fremdenführerin. Und weil es hier keine Priester gibt, muss sie jetzt auch Kranke salben. Monsieur Bresc, der in einer kleinen Imkerei Honig-Spezialitäten anbietet, erzählt, dass im Sommer viele Tagestouristen mit dem Ausflugs-Zug von Nizza kommen: "Wir haben's gut", sagt er, "im Frühling sind es 20 Minuten zum Skifahren und 20 Minuten zum Meer."

Serpentinen zum Fürchten. Wer glaubt, dass Saorge abgeschieden liegt, war noch nicht in Berghe. Serpentinen zum Fürchten führen in das mittelalterliche Bergdorf, in dem gezählte neun Menschen leben. Vier davon bilden die Familie Diesnis, Aussteiger aus Paris, die um Euro 41,- inkl. Frühstück einfache Zimmer vermieten und am Abend köstliche Polenta auftischen.

Allrad-Tour zu den Kelten. Eine elegante Art, die Natur und die bronzezeitlichen Felszeichnungen des Nationalparks Mercantour zu erkunden, ist ein Arrangement, das Jean-Jacques Dellepiane von seinem Hotel "Le Mirval" im Städtchen La Brigue anbietet. Zwei Nächte im (guten) Mittelklasse-Hotel mit Vollpension plus Ein-Tages-Allrad-Ausflug in den Park kosten p.P. ab Euro 154,-. Mit Jean-Jacques als Guide kommt man auch in sonst gesperrte Teile des Valle des Merveilles, in dem keltische Bauern aus der Bronzezeit rätselhafte Felszeichnungen hinterlassen haben.

TV-Doku aus 1492. Ein Kulturschatz aus vergleichsweise neuerer Zeit: Die Kapelle Notre Dame des Fontaines mit grandiosen Fresken von Pietro Canavesio aus 1492, die auf den Besucher wie eine lebensechte TV-Doku des Lebens und Sterbens Christi wirken (geöffnet Mai bis Sept., 10-12 und 14-17 Uhr, Führung Euro 3,20, Auskunft im Tourismusbüro La Brigue).

Retour zur Riviera. Den Kontrast zwischen einfachem Ober- und mondänem Untergeschoß der Côte d'Azur ermisst man dann so richtig, wenn man aus dem Mauretanischen Zimmer des schicken, aber preiswerten Hôtel des Deux Frères in Roquebrune hinter der Skyline von Monte Carlo die Sonne sinken sieht. Freilich: Die Jakobsmuscheln im Restaurant "Au Grand Inquisiteur" sind ein Genuss, der Spaziergang entlang des Caps zum feinen Restaurant "Le Roc Martin" eine Freude.

Wer beide Stockwerke der Côte d'Azur erkunden will, dem sei gute Planung ans Herz gelegt. Vor Juni ist's in den Bergen meist kalt, liegt im Mercantour oft noch Schnee. Und ab Mitte Juli ist die Riviera leider ziemlich überlaufen, hier ist das Frühjahr die bessere Reisezeit.

SEEALPEN, PRAKTISCH
Reise-Tipps. Anreise: Austrian fliegt zwei Mal täglich von Wien nach Nizza. Buchung, auch von All-Inclusive-Ferienmietwagen: ÖAMTC REISEN, Tel. 0810 120 120.

Unterkünfte bei den Reservierungs-Systeme Gites de France (Privatzimmer) oder Logis de France (Hotels).

Info und Auskünfte sowie umfangreiches Prospektmaterial bei Maison de la France, Argentinierstrasse 41a, 1040 Wien, Tel. 0900 25 00 15 (Euro 0,68 pro Minute).

ÖAMTC-Service (Touring-Set für Mitglieder kostenlos, RoutenPlaner und Länder-Infos)