11.05.2011

Chile: Wo die Welt zu Ende ist

Hinter den Anden hat der liebe Gott den spektakulärsten Teil seiner Schöpfung versteckt.

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Natur-Sensation an der Südspitze Südamerikas: der Torres-del-Paine-Park © Roland Fibich
Natur-Sensation an der Südspitze Südamerikas: der Torres-del-Paine-Park © Roland Fibich
Auf einen Klick:

Ein abwechslungsreiches, irgendwie verrücktes Ding, dieses Chile. Wäre das Bild vom "Land der Kontraste" nicht so elendiglich abgenützt, hier würde es passen.
Ein geographisches Monstrum, das sich bewegt: Erdbeben sind so selbstverständlich wie bei uns schwerere Gewitter. 2.000 Vulkane, 85 davon aktiv, dominieren die bis zu 6.950 m hohe, von Schnee bedeckte Andenkette, die Grenze zu Argentinien und Bolivien. 4.300 km lang, aber im Schnitt nur 180 km breit ist diese Westflanke des südamerikanischen Kontinents. Der hier abrupt im Pazifik verschwindet: Chili, das bedeutet in Indio-Sprache "das Ende der Welt".

Extreme sind Normalität. Die Atacama-Wüste im Norden ist trockener als Sahara oder Gobi. "Dame agua, por favor - Gib' mir bitte Wasser" hat irgend ein Witzbold auf ein Papp-Plakat gekritzelt und damit an der Straße Calama-San Pedro den einzigen verkrüppelten Baum im Umkreis von Dutzenden Kilometern geschmückt.
Ganz im Süden, wo die Anden Richtung Antarktis im Meer untergehen, erheben sich im abgelegensten und möglicherweise schönsten Nationalpark der Welt die Torres del Paine, die "bläulichen Türme", aus der vom Sturm gepeitschten Pampa. Tourguide Erik Hechenleitner - schon dem Namen nach ein waschechter Einheimischer - zur vorherrschenden Wetterlage: "Schlecht, aber stabil". Selbst dort, wo sich das Land auf den ersten Blick gemäßigt gibt, in seiner "chilenische Schweiz" genannten Mitte also, verwirrt es mit Absurditäten: In Fruttilar am Lago Llanquihue genießt man die lokalen Spezialitäten Kaffee und Apfelstrudel stilecht im Hotel Salzburg, könnte sich also durchaus wie zu Hause fühlen, fiele nicht der Blick von der Sonnenterrasse über den See auf den mächtig über der Landschaft thronenden Vulkan Osorno.
Bewegt auch die jüngere politische Geschichte: Erst seit kurzem hat in einer aufblühenden Demokratie auch Salvador Allende, 1973 von Augusto Pinochet mit Unterstützung der CIA aus dem Amt gebombt, sein Denkmal vor La Moneda, dem Regierungsgebäude in Santiago, in dem er ums Leben kam.

Megalopolis Santiago. Klar, dass man öfter ins Flugzeug steigen muss, will man die vielen verschiedenen Chiles erleben. Unser Test hat ergeben, dass die Fluggesellschaft Lan Chile dafür durchaus europäischem Standard entsprechende Verbindungen und Flugzeuge bietet. Ausgangspunkt jeder Rundreise ist die von Europa in 16 Stunden z. B. mit Lufthansa gut erreichbare, aber vom Smog geplagte Hauptstadt Santiago. Zur Erkundung dieser ausufernden Megalopolis samt Weingütern in der Umgebung genügen jedoch ein, zwei Tage vollauf.

Die Höhepunkte. Weit interessanter ist es, vier Flugstunden südlich die 500 km Pampa von Punta Arenas an der Magellan-Straße zum Torres-del-Paine-Park zu bewältigen und - halbwegs schönes Wetter einmal vorausgesetzt - einzutauchen in diese einmalig bizarre Wunderwelt aus Fels, Wasser und Eis. Oder sich in Mittelchile auf die Spuren der deutschen Einwanderer rund um den mächtigen Vulkan Osorno zu bewegen. Höhepunkt jeder Chile-Reise ist aber die Atacama ganz im Norden, diese staubtrockene Hochwüste mit ihrem riesigen Salzsee, über dem im Dunst Bergriesen wie der Licancabur trohnen. Eine hier populäre Geschichte erzählt davon, der liebe Gott habe alles, was ihm bei der Schöpfung an Schönheiten so übrig geblieben sei - Urwälder, Wüsten, Vulkane, Fjorde, Eis, Seen - hinter den Anden auf einem Fleck zusammen geschüttet. Was Chile ausmacht, das ist die wunderbare Vielfalt.

Die chilenische Schweiz
Fast wie in den Alpen. Das schmucke Städtchen Puerto Varas am Ufer des Lago Llanquihue ist eines der Zentren deutschsprachiger Kultur im Seengebiet Mittelchiles.
1846 kamen die ersten Einwanderer aus dem Kurhessischen in das wilde Land, das eben erst nach einem jahrhundertelangen Krieg den Mapuche-Indianern abgerungen worden war.

Hier gibt s Apfelstrudel!
Hier gibt"s Apfelstrudel!

An der Uferpromenade von Frutillar werden "Kaffee" und "Apfelstrudel" angepriesen, Oktoberfeste haben große Tradition. Noch heute werden die etwa 200.000 Deutschstämmigen "Ottos" genannt. Lohnend: Eine Seen-Tour entlang des Vulkan Osorno, der Fischmarkt in Puerto Montt, ein Tagesausflug auf die pittoreske Insel Chiloe, Ur-Heimat der Kartoffel.

Außerirdisch: Blick über das Valle de la Luna auf die Andenkette
Außerirdisch: Blick über das Valle de la Luna auf die Andenkette

Durch die Atacama-Wüste
Vicuñas und Vulkane. Unter Chilenen ist es "in" geworden, im ehemaligen Aussteiger-Kaff San Pedro de Atacama zu urlauben. Die Oase ist - mit einem mittlerweile gutem Hotel- und Restaurantangebot - der Ausgangspunkt für Touren: Zum Salar de Atacama, in dessen Brackwasser sich vom Schnee bedeckte Vulkane spiegeln, und wo man den Flamingos ganz nahe ist. Um 4 Uhr früh bricht man zu den Geysiren von El Tatio auf 4.300 m (!) auf, die nur kurz nach Sonnenaufgang aktiv sind. Abends trifft man einander im Valle de la Luna (Mondtal) zum spektakulären Sonnenuntergang, der die Vulkane in ein unglaubliches Rosa färbt. Geheimnisvoll: die 2000 Jahre alten Ruinen von Tula und die rätselhaften Geoglyphen (Erdzeichnungen). Im kleinen Museum von San Pedro: Nachbildungen berühmter Mumienfunde ("Miss Chile"). Für Freaks: Die riesige Kupfermine Chuquicamata nahe Calama. Fast auf Schritt und Tritt Begleiter: Vicuñas, wild lebende Lamas. Lokaltipps in San Pedro: "Adobe", "La Estaka" - gute Mischung aus Tradition und modernem Styling, mit freundlicher Bedienung.

Ausflug am Lago Grey
Ausflug am Lago Grey

Südchile: Im Torres-del-Paine-Park
Wilder geht's wirklich nicht. Der mit Sicherheit abgelegenste, wahrscheinlich schönste und wohl auch teuerste Nationalpark der Welt liegt am Ende des südpatagonischen Eisfeldes, 500 Kilometer vom Flughafen von Punta Arenas. Für eine Besichtigung benötigt man inklusive An- und Rückreise drei bis vier Tage. Bizarre Felstürme spiegeln sich in glitzernden Seen, überall Guanacos (die örtlichen Lamas), Nandus (kleine Strauße). Den Gletscherabbruch am Lago Grey kann man mit einem Ausflugsboot aus nächster Nähe bewundern.

Superkomfortabel, aber nicht billig: Die "Hosteria las Torres" mit phänomenalem Abendbuffet.

Unsere Wertung:
Chile-Rundreise im Test

Anreise: *** Bequem, aber langwierig mit Lufthansa über Frankfurt nach Santiago. Gute Straßenverbindungen bei Rundfahrten. Ausnahme: Die letzten 200 km zu den Torres del Paine und die Offroad-Safari zu den El-Tatio-Geysiren.
Wetter & Klima: *** Beste Reisezeit ist der chilenische Sommer (unser Winter): Die Chancen auf akzeptables Wetter stehen dann auch im Süden besser. In der Atacama ist es aufgrund der Höhenlage auch im Sommer in der Nacht kalt.
Sicherheit: **** Außer in schlechteren Vierteln Santiagos muss man keine Angst haben. Überall auf Wertsachen aufpassen!
Reise-Komfort: ***** Für Touristen sehr gute Hotel- und Restaurant-Infrastruktur. Teilweise untypisch südamerikanisch sauber, sicher und bequem!
Gesundheit: **** Keine Impfungen vorgeschrieben. Wie überall in Südamerika nichts Ungekochtes essen und kein Leitungswasser trinken. In den Anden (Höhenlage) langsam bewegen und viel Flüssigkeit zu sich nehmen.
Preise: *** In Touristenzentren und -lokalen Preise wie in Europa. Sonst deutlich günstiger. Vorsicht: Euro großteils noch exotisch, Dollar mitbringen!

***** hervorragend, **** sehr gut, *** gut, ** durchschnittlich, * mangelhaft

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