11.05.2011

Traumziel Toskana

Italiens vielleicht schönste Region ist kulturell und kulinarisch ein Fest für die Sinne.

Eine kulinarische Wellness-Tour durch Italiens Garten Eden.

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Ob die sanfte Hügellandschaft der Maremma... © Zeillinger  Terme di Saturnia  Nausch
Ob die sanfte Hügellandschaft der Maremma... © Zeillinger, Terme di Saturnia, Nausch
Autos sind tabu - in Siena zählen andere Pferdestärken. Hat man sich einmal das Herz der mittelalterlichen Stadt mit ihren perfekt erhaltenen rötlich-braunen gotischen Backsteinhäusern erwandert, schlägt einem garantiert das eigene höher. Denn dann tut sich der Campo vor einem auf, Italiens wohl schönste Piazza. Jedes Jahr am 2. Juli und am 16. August räumt man hier hunderte Kaffeehaustische weg und bedeckt den Steinboden mit einer Tuffschicht, um ein Ritual zu feiern: Palio. Da kämpfen 17 bunt gewandete Jockeys, für jedes Stadtviertel einer, hoch zu ungesatteltem Roß und ziemlich brutal um den Sieg. Danach gibt es ein großes Fest.

Städte zum Bummeln. Die beste Sicht auf das Gewirr der krummen Gassen und den gewaltigen, weiß und graugrün gestreiften Marmor-Dom hat man, gute Kondition für die 504 Stufen vorausgesetzt, vom Turm des Palazzo Publico am Campo. Danach zur Stärkung ins Stammhaus der Pasticceria Nannini (Via F. Tozzi 2; Rocksängerin Gianna entstammt dieser Konditorfamilie) und ein Panforte, ein schier ewig haltbares süßes Früchtebrot mit Mandeln, als Mitbringsel für daheim: Sich treiben lassen auf höchstem kulturellem wie kulinarischem Niveau - das ist die Toskana.

Besichtigungs-Stress darf man in Florenz erst gar nicht aufkommen lassen. 80 Kirchen und Klöster, 42 Museen und Galerien, über 200 Paläste und Prachtvillen und jede Menge Boutiquen reichen für dutzende Urlaube. Den originellen offenen Probierstand Il Fratellini (Via di Cimatori 38) sollte man sich aber bei keinem Bummel durch die Stadt am Arno entgehen lassen: Auf drei Quadratmetern kredenzt man Brunello di Montalcino glasweise, auch Mineralwasser für Autofahrer. Dazu gibt es Panini mit Schinken oder Pecorino.

Ob Pisa mit seinem seit kurzem nicht mehr einsturzgefährdeten und nicht mehr ganz so schiefen Turm oder das noch komplett von einer Stadtmauer umgebene Lucca mit seinen Türmen, auf denen sogar Bäume wachsen - alle Städte der Toskana sind dank Autobahnen und Schnellstraßen rasch erreichbar.

Landschaft zum Erfahren. Gemächlicher geht es da schon bei einer Landpartie zu. Etwa zum Leonardo-Museum nach Vinci, das Holzmodelle von den Erfindungen des Universalgenies zeigt. Oder zwischen Florenz und Siena durch das hügelige Reich des Gallo Nero, der den Hals jeder Flasche Chianti Classico ziert.

Im Reich des Schwarzen Hahns. Der in Schnulzen besungene populäre Rote hat sich von der vinologischen Landpomeranze in der Bastflasche zur edlen Contessa gewandelt. Probierstuben wie die Enoteca Baldi (Piazza Bucciarelli) im pittoresken Panzano, die als Ableger eines Gourmetlokals geführt wird und dementsprechende Häppchen zum Wein auf der Karte hat, bieten gute Vergleichsmöglichkeiten. Ein paar Schritte weiter, kurz vor der Kirche, werden Cantuccini gebacken, jenes harte Mandelgebäck, das man vor dem Genuß in süßen Vin Santo taucht. Feinschmecker steuern im Chianti-Land auch Greve an, wo man unter den Arkaden des Marktplatzes in der Antica Marcelleria Falorni (Piazza Metteotti) das in der Toskana allgegenwärtige Wildschwein zu herrlicher Salami, Fenchelwurst, Rohschinken und Sugo verarbeitet. Oder, ganz in der Nähe von Radda, Volpaia, das malerische Dorf, in dessen Castello sich Spitzenköche mit aromatisierten Kräuteressigen eindecken. Oder Gaiole, wo man sich im Lo Sfizio di Bianchi (Via Ricasoli 44) köstlich wie preiswert kulinarisch verhätscheln lassen kann. Da köchelt nicht nur die in der Region allgegenwärtige Ribollita, eine eingedickte Kohl-Bohnen-Brotsuppe mit einem Schuß feinstem Olivenöl obendrauf, vor sich hin, da wird auch in Balsamico-Essig mariniertes Filet vom Chiana-Rind mit gebratenem Radiccio kombiniert und mit getrüffeltem Käse bestreut serviert.

Dörfer wie Opernkulissen. Danach tun wieder ein paar Schritte gut, etwa durch das New York des Mittelalters, durch San Gimignano. 77 der schlanken Türme gab es einst, je höher, desto mehr Prestige für die besitzende Adelsfamilie; 13 sind erhalten geblieben. Zum Flanieren eignet sich auch das verwinkelte Montepulciano, berühmt durch seinen Vino Nobile, wo sich das Antico Caffè Poliziano (Via di Voltaia nel Corso) mit einem Traumblick von der Terrasse für den Bergauf-Fußmarsch revanchiert. In Monteriggioni bietet das Il Pozzo am Hauptplatz kreativ verfeinerte toskanische Küche - etwa dünn geschnittene Artischocken in Balsamico mariniert oder Nudeltäschchen mit frischem Trüffel in Pergamentpapier.

Wellness vom Feinsten. Genug der Genüsse für den Gaumen, denn die Toskana tut auch dem Körper gut. Terme di Saturnia in der südlich gelegenen Maremma war schon in der Etrusker- und Römerzeit ein Ort dessen, was wir heute neudeutsch Wellness nennen. Das in einem alten Park direkt an einem 1.000 m2 großen Thermalbecken gelegene gleichnamige luxuriöse Hotel ist eines der schönsten Thermenhotels Italiens. Was das 37Grad warme Wasser so erfrisched prickelnd macht? "Bikarbonate, Sulfate, mineralische Elemente und etwas Kohlendioxid" sagt Dr. Fortunati, der medizinische Leiter. Seiner zuhause ge-stressten und geschlauchten Klientel verschreibt er Thermalfango, Massagen, Anti-Zellulite-, Spannkraft- und Fitnessprogramme sowie optisch verjüngende kosmetische Anti-Aging-Anwendungen, auch für Herren. Deren Wirkung sei einem besonderen schwarzen Algenpartikelchen zuzuschreiben, so der Mediziner, der im übrigen nicht viel von strenger Diät hält. Dementsprechend erreicht die Küche des Gesund- und Schönheitstempels mit ihren leichten, Pasta-dominierten Gemüsegerichten (Trennkost!) Hauben-Niveau.

Die Maremma - fast noch ein Geheimtip. Nicht weit vom Hotel ergießt sich das Thermalwasser in einem mehrstufigen Wasserfall auf die Rücken der dort Sitzenden - nicht nur sehens-, sondern auch absolut genießenswert! Und die Umgebung der Wohlfühl-Oase ist es wert, entdeckt zu werden. Bietet sie doch neben etruskischen Grabmälern und Hohlwegen auch Orte wie aus dem Bilderbuch.

Manciano etwa mit seinem Netzwerk aus verschachtelten Gässchen, oder Pitigliano, das sich auf einem steil abfallenden Tuffsteinfelsen teilweise abenteuerlich erhebt. Und erst die wilde, unberührte und einzigartige Natur überall! Es lohnt sich ganz bestimmt, auch diese "andere Maremma", deren Berge, Dünen, Sümpfe und Wälder bis ans Meer reichen, zu durchstreifen. Ganz bestimmt im nächsten Toskana-Urlaub.

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