Auf der Reeperbahn nachts um halb eins

Weltoffen, feucht und ziemlich sündig: Die Hansestadt bleibt auch in HiTech-Zeiten das tollste Tor zur Welt.

Weltoffen, feucht und sündig - Hamburg, das tollste Tor zur Welt.

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Heiße Nächte in St. Pauli:  Sex sells  ist nach wie vor das Motto auf der Großen Freiheit. Foto: Contrast © Contrast (2)  Nausch (1)
Heiße Nächte in St. Pauli: "Sex sells" ist nach wie vor das Motto auf der Großen Freiheit. Foto: Contrast © Contrast (2), Nausch (1)
Rio, Buenos Aires, Bombay, Shanghai oder Sydney: Lang ist die Liste der Heimathäfen jener großen "Pötte", die im Hamburger Hafen vor Anker gehen. Kähne über 500 BRT werden von der berühmten "Schiffsbegrüßungsanlage" im "Schulauer Hafen" mit der jeweiligen Nationalhymne begrüßt oder verabschiedet.
Hier begann oder endete so mancher Traum von der großen weiten Welt. Die meisten Klischees gehören jedoch längst der Vergangenheit an. So wird man im Hafen heutzutage kaum noch kernige Seebären oder Herzensbrecher wie Hans Albers finden. Seine weltberühmte Schiffermütze wurde längst von amerikanischen Baseballkappen und jeder Menge edler bis schräger Mode verdrängt - Hamburg gilt als zur Zeit "faishonableste" Shoppingadresse in Deutschland.
Die alte Uhr an den Landungsbrücken tickt zwar noch wie vor 90 Jahren. Doch wer ein Potpourri aus Schiffssire-nen, Gehämmer, kreischenden Möwen, pausenlos knarrenden Ladekränen und jeder Menge muskelbepackter Hafenarbeiter erwartet, hat sich im Zeitalter geirrt. HiTech ist Trumpf, das ehemals schweißtreibende Verladen wird vom computergesteuerten Schaltpult aus erledigt. Und obwohl mehr Schiffe denn je in Hamburg einlaufen, wirkt der Hafen im Gegensatz zu früher leer. Zeit ist Geld, die Ladung der meisten Schiffe ist binnen weniger Stunden gelöscht.

Bananen-Fred und Aal-Dieter. Unvergleichliches Schmuckstück am nördlichen Hafenrand ist die historische Speicherstadt. Hier und weiter bis zum Fischmarkt findet der Besucher das eindrucksvollste Panorama der Stadt. Die Speicher werden nach wie vor genutzt, vor allem als Lagerraum für Teppiche, Kaffee, Tee und exotische Gewürze.
Natürlich gibt's auf dem Fischmarkt frische Ware, aber das ist eigentlich nur Nebensache. Denn wenn sich am Sonntag morgens Tausende über den St.-Pauli-Fischmarkt drängen, herrscht Volksfeststimmung. Dafür sorgen auch Händler-Originale wie Bananen-Fred oder Aal-Dieter. Der Wettkampf der Marktschreier, die lautstark und mit derben Witzen ihre Waren unter's Volk bringen, ist immer für Lacher gut.

Aufschwung am Kiez. Was wäre Hamburg ohne seinen legendären Kiez, das wohl meistbesungene Rotlichtviertel der Welt. Hier, wo so viele junge Seemänner ihre Unschuld verloren und in den wilden sechziger- und siebziger-Jahren so manche Zuhälterfehde für Schlagzeilen sorgte, ist nach der TV-Serie vom "König von St. Pauli" wieder Aufschwung angesagt. Eine der neuen Attraktionen ist das Schwulentheater "Schmidts Tivoli" am Spielbudenplatz auf der Reeperbahn. "Sixty Sixty" heißt der Publikumsrenner der Saison. Jede Menge Sketches rund um Mondlandung, Mauerbau und ganz besonders die Werbung der sechziger-Jahre: Frau wünscht Bauknecht, badet die Finger in Palmolive und der Mann packt den Tiger in den Tank. Wem Hamburg aber doch zu weit ist, der kann "Sixty Sixty" ab 11. Oktober 2000 auch in Wien sehen.
Toleranz und Weltoffenheit prägen die Reeperbahn. Für jeden Wunsch, mag er auch noch so ausgefallen sein, wird man kaum einen Korb bekommen. Mit Sicherheit bekommt man denselben, wenn man ca. 11/2 Stunden mit dem Bus zum Timmendorfer Strand fährt und ihn dort mietet. Sollte das Wetter den typisch norddeutschen Charakter - kalt, windig, feucht - annehmen, empfiehlt sich der Besuch des Sea-Life-Aquariums direkt am Strand.
Was zurückbleibt, sind etwas Fernweh und der schale Geschmack des Abschieds. Man möchte wie so viele Seeleute seinen Rucksack packen - von Hamburg aus aufbrechen, zu den "Inseln unter dem Wind" oder noch weiter fort.

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