29.03.2012
Autor:
Zeillinger/Fischer I Fotos: Markus Zahradnik

Für immer jung

Oldtimer und Youngtimer faszinieren längst nicht mehr nur die Nostalgiker unter uns.

Nostalgisch: die Faszination Old- und Youngtimer.

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Hannes und seine Alfas: Im Hintergrund: Alfa Romeo Sprint GT Veloce 1966. Die schwarze  bdquo;Kantenhaube ldquo; war der erste Alfa des Projektleiters  ndash; vorher hatte er einen Maserati 3500 GT  Baujahr 1962. Den verkaufte Hannes  weil er nicht familientauglich war und keine Gurte montiert werden konnten. © auto touring / Markus Zahradnik
Hannes und seine Alfas: Im Hintergrund: Alfa Romeo Sprint GT Veloce 1966. Die schwarze „Kantenhaube“ war der erste Alfa des Projektleiters – vorher hatte er einen Maserati 3500 GT, Baujahr 1962. Den verkaufte Hannes, weil er nicht familientauglich war und keine Gurte montiert werden konnten. © auto touring / Markus Zahradnik
Was ist es, das altes Blech selbst für junge Menschen so begehrlich macht? Die Faszination an einer Technik, die sich noch begreifen lässt – im wahrsten Sinn des Wortes? Das Eintauchen in die eigene, unbeschwerte Jugend – mit genau dem Fahrzeug, von dem man damals träumte, es sich aber nicht leisten konnte? Die Sehnsucht nach der Zeit, in der am Großglockner noch die Kühler kochten und Autofahren ein kleines Abenteuer war? Oder die Freude am Schrauben und Polieren – um dann vor anderen zu glänzen? Ganz egal: Ältere und alte Autos faszinieren immer mehr Menschen. Die Hartgesottenen unter ihnen benützen ihre Klassiker täglich – auch im Winter. Die große Mehrheit aber macht jetzt im Frühling ihre Schätze auf zwei oder vier Rädern wieder fit für die Straße. Selbst wer keinen Oldie besitzt, kommt nun auf seine Kosten: Tausende stehen bei den großen Szene-Events am Streckenrand und feuern Oldtimer und Youngtimer an.

Was ist überhaupt ein Oldtimer? Schwer zu sagen, es gibt viele Definitionen. Auf keinen Fall ist es der korrekte englische Ausdruck für ein historisches Kraftfahrzeug – das heißt nämlich vintage car oder historic vehicle. Also was dann? Der Begriff „Oldtimer“ wird streng genommen mit „älterer Herr“ übersetzt und ist eigentlich genauso ein Schein-Anglizismus wie das Wort „Handy“. Aber auch in seiner verwendung für ein altes Fahrzeug ist „Oldtimer“ ein subjektiver Begriff. In Österreich meint man damit alle Fahrzeuge Baujahr 1955 oder davor oder solche, die älter als 30 Jahre und in der „Liste der historischen Kraftfahrzeuge“ eingetragen sind.

Und was ist ein Youngtimer? Bei dieser Fahrzeugkategorie ist die Definition noch schwieriger. In der Praxis spricht man bei Autos, die zwischen 15 und 30 Jahre auf dem Buckel haben und irgendwie Kult-Charakter (im Gegensatz zum Status als Kulturgut) aufweisen, von Youngtimern. Welche Modelle man dabei als „kultig“ ansieht, bleibt einem allerdings selbst überlassen. Man könnte die Präsenz in einer TV-Serie hernehmen – dann wären etwa der Citroën CX von Götz George alias Kommissar Schimanski („Tatort“) oder einer der Alfas von Detektiv Matula („Ein Fall für zwei“) perfekte Youngtimer. Oder der Opel Manta, dessen Image als Prolo-Ikone ihn sogar zum Leinwandhelden machte. Das Image von Youngtimern zu Nutze machen sich ganz bewusst die Produzenten von „Der letzte Bulle“, die einen Opel Diplomat einsetzen, oder der Kosmetikhersteller Creme 21, der Jahr für Jahr Youngtimer-Rallyes organisiert.

Was kostet die Liebe zum alten Eisen? „Oldtimer können Ihre wirtschaftliche Existenz gefährden“, warnt Oliver F. Bulant, Operations Manager des Hödlmayr Classic Car Center in Schwertberg (OÖ). „Wenn man sich in ein Fahrzeug und seine Formen verliebt und das alte Leder riecht, schaltet sich oft das Hirn aus.“ Speziell bei vermeintlichen „Schnäppchen“ und Youngtimern kann die Erhaltung oft mehr kosten als das komplette Auto. Ganz abgesehen von der Restaurierung.

Restaurieren ist renovieren. „Restaurierung ist eigentlich nur die Erhaltung der originalen Substanz“, sagt Bulant. Denn eigentlich renoviert und rekonstruiert man ein altes Auto ja mit Teilen, die entweder wiederhergestellt wurden oder Neuauflagen sind. Wie weit eine Restaurierung überhaupt gehen soll, darüber streiten sich die Oldie-Fans zur Zeit. Soll das Objekt Patina zeigen oder nahe am Neuzustand sein?

Hochglanz oder patiniert. Verrückte Welt: Die einen sind stolz, dass ihr Objekt der Begierde dasteht wie vor -zig Jahren im Schaufenster – oder noch schöner. Den anderen kann ihr Auto gar nicht genug Gebrauchsspuren haben. „Patina ist der Zustand mit unvermeidlichen Abnutzungsspuren bei optimaler Pflege und voller Funktionstüchtigkeit“, haben es internationale Veteranenverbände definiert. Also: Dreck, Rost und Schimmel sind nicht gemeint. „Prinzipiell könnte jedes Auto zum Neufahrzeug renoviert werden“, sagt Experte Bulant. Aber ein gut erhaltenes Original sei prinzipiell höher zu werten als ein renoviertes Objekt. Erlaubt ist, was gefällt. Und was Spass macht. Denn schließlich geht es um das Erlebnis des Fahrens wie früher, als man die Straße noch am dünnen Lenkrad spüren konnte. Das hält einen jung – innerlich wenigstens.