02.03.2012
Autor:
Christoph Löger I Fotos: Markus Zahradnik

Hoch hinaus

Die Zeiten der Stammtisch-Witze über koreanische Autos sind vorbei: Der Hyundai i40 startet als ernst zu nehmende Mittelklasse-Kombi-Alternative in den Dauertest-Alltag.

Der Hyundai i40 Kombi startet in den Dauertest.

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Auftakt-Etappe zum Dauertest-Marathon: Der Hyundai i40 in den sonnigen Tiroler Bergen. © auto touring/Markus Zahradnik
Auftakt-Etappe zum Dauertest-Marathon: Der Hyundai i40 in den sonnigen Tiroler Bergen. © auto touring/Markus Zahradnik
Kaum zehn Jahre ist es her, dass Hyundai-Kunden oft noch belächelt wurden. Der selige Lantra etwa oder sein Nachfolger Elantra, der bis Ende 2006 in Europa verkauft wurde, waren aber auch tatsächlich das Äquivalent zu heutigen Billig-Fluglinien: Gebrauchsmittel, um möglichst günstig von A nach B zu gelangen, mehr nicht. 2007 folgte mit dem kompakten i30 nicht nur ein Riesenschritt in Sachen Technik, Design und Ausstattung, sondern auch der Erfolg. In der gehobenen Mittelklasse blieb nach dem Auslaufen des Sonata im Jahr 2010 in der Hyundai-Modellpalette hingegen eine Lücke: Genau die soll nun der i40 schließen – zunächst als Kombi, demnächst auch als Limousine. Ausnehmend fesch gezeichnet, technisch mittlerweile sowieso auf Augenhöhe mit der Konkurrenz und verglichen mit dieser immer noch günstig, soll er die arrivierten Mitstreiter à la VW Passat das Fürchten lehren. Ob ihm das gelingt, wird das kommende Jahr im auto touring-Dauertestfuhrpark zeigen. Übrigens: Um Eindrücke von beiden Modellvarianten sammeln zu können, werden wir zur Halbzeit den Kombi gegen die Limousine mit anderer Motorisierung tauschen.

AUSSEN & INNEN

Tankstellengespräche auf der ersten Etappe zeigen: Optisch dürfte der i40 den Geschmack der Österreicher treffen – vor allem in schwarz, mit Dachreling, abgedunkelten Scheiben (beides Serie in der mittleren Ausstattungsstufe „Premium“) und Xenon-Scheinwerfern. Der Kofferraum ist mit 1.719 Litern Volumen nur marginal kleiner als jener des VW Passat und lässt sich dank niedriger Ladekante sowie (auch bei umgelegter Rückbank) komplett ebenem Boden hervorragend befüllen. Parksensoren und Rückfahrkamera mit Bildschirm im Innenspiegel merzen die schlechte Sicht nach hinten durchs kleine Heckfenster aus, und dank 2,8 Meter Radstand finden sogar langbeinige Passagiere bequem hintereinander Platz. Bei voller Besetzung sollte man aber in punkto Zuladung aufpassen: Mit nur 482 Kilo stößt man hier sehr schnell an die Grenzen des Erlaubten. Überall finden sich praktische Ablagen für Krimskrams, nur die beiden Dosenhalter in der Mittelkonsole sind deplatziert, weil man beim Schalten ständig mit dem Unterarm an den Dosen oder Flaschen anstößt. Nicht viel mehr als eine Geschmacksfrage: die auf Dauer wohl nervende Pieps-Melodie, die jedes Mal ertönt, wenn man die Zündung einschaltet.

Einen Hauch von Oberklasse vermitteln das stehende Gaspedal und die Lenkradheizung, die wir seit der jüngsten Kältewelle nicht mehr missen wollen. Sie erwärmt den Kranz schon nach relativ kurzer Zeit so stark, dass man sie bald wieder abschalten kann. Ebenfalls eine Seltenheit in diesem Segment: Die elektrisch verstellbaren Ledersitze lassen sich vorne wie hinten nicht nur beheizen, sondern vorne zusätzlich auch durch winzige Luftlöcher aktiv kühlen – also adieu, nasser Rücken zur Sommerzeit. Ein ausdrückliches ­Extra-Lob ernten die Sitze für ihren wirklich tollen Langstrecken-Komfort.

FAHREN & SICHERHEIT

116 PS aus einem recht kleinen 1,7-Liter-Dieselmotor wirken für ein über 1,6 Tonnen schweres Auto auf den ersten Blick wenig, der Eindruck täuscht aber: Der gut gedämmte und (nach der Kaltlaufphase) angenehm sonor grummelnde Vierzylinder fühlt sich subjektiv stärker an, die sechs Gänge des manuellen Getriebes sind perfekt abgestuft und butterweich zu sortieren, dank viel Drehmoment lässt es sich herrlich schaltfaul gleiten. Das Fahrwerk ist auf der komfortablen Seite zuhause und entscheidet sich im Grenzbereich für braves Untersteuern. Da passt die ausreichend direkte und im richtigen Maß schwergängige Lenkung gut dazu. Bremsen: tadellos und fein dosierbar. Serienmäßig schon ab Basis an Bord: esp, sieben Airbags, Berganfahrhilfe, Park- und Lichtsensor. Gegen Aufpreis erhältlich: Spurhalte- und Park-Assistent.

GELD & UMWELT

Ähnlich gut ausgestattete Konkurrenten kosten teilweise empfindlich mehr, und die Serienmitgift der Koreaner ist wahrlich überkomplett. Dazu kommen fünf Jahre Garantie und das subjektive Gefühl, ein Auto der nächsthöheren Klasse zu fahren. Der von uns gewählte Einstiegs-Diesel mit 116 PS ist im Alltag völlig ausreichend und gönnt sich laut Werk im Schnitt fünf Liter Sprit. Die haben wir auf den ersten 3.000 Kilometern mit 7,06 Litern zwar deutlich überschritten, zur Verteidigung des i40 sei aber angemerkt, dass auf der winterlichen Einstiegs-Etappe eine Tour ins Tiroler Gebirge samt flotter Durchmessung der Salzburg-Kufstein-Passage auf dem Plan stand. Wenn in den kommenden Monaten der Flachland-Anteil (und die Temperaturen) wieder steigen, liegt Hyundais Verbrauchs-Versprechen also durchaus im Bereich des Möglichen. Wir sind gespannt.

FAZIT

PLUS: Überkomplette Ausstattung, Preis/Leistungs-Verhältnis, gut nutzbarer Kofferraum, viel Platz.
MINUS: Übersicht nach hinten, wenig Zuladung, Werthaltung (noch) nicht abschätzbar.

Technische Daten Hyundai i40 Kombi 1,7 CRDi Premium

Preis EUR 28.990,-
Motor 4-Zyl.-Diesel, 1.685 cm3
Leistung 85 kW (116 PS) 4.000/min
Drehmoment 260 Nm bei 1.250 - 2.750/min
Spitze 190 km/h
Normverbrauch 6,0/4,4/5,0 l/100 km
Innerorts/außerorts/gesamt
CO2-Ausstoß 131 g/km
Antrieb Front, 6-G.-Handschaltung
L/B/H 4.770/1.815/1.470 mm
Radstand 2.770 mm
Gewicht 1.638/482 kg (leer/Zuladung)
Kofferraum 553/1.719 l (min/max)
Tankinhalt 70 l
Steuer, Versicherung (jährl. Bezahlung)
Kfz-Steuer € 402,60
Kfz-Haftpflicht ab EUR 234,60 SK, Stufe 0
Bonus-Kasko ab EUR 602,82 Generali, SB 400
auto touring Messwerte
Beschleunigung 13,2 s (0-100 km/h)
Bremsweg* 44,7 m aus 100 km/h
Verbr. im Test 7,0 l/100 km
Reichweite 1.000 km