30.08.2011
Autor:
Michael Stirner

Grünes Licht

Dauertest-Ende: Citroen C3.

Am Ende des 50.000-Kilometer-Dauertests: der Citroen C3.

Fotostrecke

Thumbnails

Bild 1 von 25
Bild 2 von 25
Bild 3 von 25
Bild 4 von 25
Bild 5 von 25
Bild 6 von 25
Bild 7 von 25
Bild 8 von 25
Bild 9 von 25
Bild 10 von 25
Bild 11 von 25
Bild 12 von 25
Bild 13 von 25
Bild 14 von 25
Bild 15 von 25
Bild 16 von 25
Bild 17 von 25
Bild 18 von 25
Bild 19 von 25
Bild 20 von 25
Bild 21 von 25
Bild 22 von 25
Bild 23 von 25
Bild 24 von 25
Bild 25 von 25
Das Bild vom Bild. Der Citroën C3 beim Fotostopp vor Motovun in Istrien. Der Verbrauch auf kurvigen Landstraßen lag bei 5 5 Liter auf 100 km.
Das Bild vom Bild. Der Citroën C3 beim Fotostopp vor Motovun in Istrien. Der Verbrauch auf kurvigen Landstraßen lag bei 5,5 Liter auf 100 km.
Auf dem Kilometerzähler stand 45.484, als wir vor ein paar Wochen zum letzten Mal den Zündschlüssel des kompakten Citroën umdrehten und abzogen. Fast auf den Tag genau ein Jahr nach der ersten Fahrt kehrte der C3 wohlbehalten wieder zum Importeur zurück. Im Laufe des Dauertestbetriebs hat er tausende Kilometer auf Fernfahrten gesammelt – Slowakei, Kroatien und immer wieder Italien und Deutschland standen auf dem dicht gedrängten Reiseplan. Erstaunlich eigentlich, denn der C3 ist doch eher ein Kind der Stadt denn ein Weltenbummler.

AUSSEN & INNEN

Kompakte Außenabmessungen – der C3 ist nicht einmal vier Meter lang – und doch allerhand Bewegungsfreiheit innen: Damit hat uns der schicke Franzose vom ersten Moment an positiv überrascht.Auf den vorhandenen fünf Plätzen lassen sich vorzugsweise nur vier Personen verstauen, wobei hinten – in dieser Fahrzeugklasse wohl auch nicht anders zu erwarten – Langbeinige nur dann kommod sitzen können, wenn Fahrer und Beifahrer sich vorn ein bisserl einschränken. Fernreisen unternimmt man am besten zu zweit, zumal dann – wie sich wiederholt zeigte – auch der Gepäckraum ausreicht.

Diskussionen löste übrigens die mächtige Panorama-Frontscheibe aus. Manche Chauffeure schätzten sie wegen des „großartigen Raumgefühls“ und weil sie den Eindruck vermittelt, „man säße in einem windgeschützten Cabrio“. Andere wiederum beklagten sich wortreich über die Begleiterscheinungen des mächtigen Glases. Da gab’s etwa Kritik an den mickrigen Sonnenblenden ohne Makeup-Spiegel, die, am verschiebbaren Dachhimmel montiert, nur vorn herunter geklappt, nicht aber gegen seitliche Blendung vors Seitenfenster geschwenkt werden können. Die eigenwillige Konstruktion lässt offensichtlich auch keine brauchbare Fahrgastraum-Beleuchtung zu – die zwei vorhandenen seitlichen Funzeln taugen absolut nicht zum Kartenlesen.

Was dann im Winter passierte, ließ auch manchen Befürworter der Riesenscheibe zweifeln: Bei exzessiven Minusgraden fror anfangs die Luftfeuchtigkeit zwischen Himmel und Glas zu Eis, um Minuten später bei steigender Innentemperatur in kleinen Rinnsalen über die Innenseite der Windschutzscheibe zu laufen. Fazit: Die Mehrheit der Tester hält dieses Extra (400 Euro Aufpreis) für entbehrlich.

Lob gibt es in den Testprotokollen für die hochwertige Audio-Anlage, das praktische Navi-System und die fein justierbare, effiziente Klimaanlage, die auch an heißen Tagen der Sonneneinstrahlung durch die Panoramascheibe paroli bieten kann. Der mehrfach deponierte Wunsch nach Haltegriffen im Fond und nach Kleiderhaken für Jacke oder Sakko wäre gewiss ohne allzu großen Aufwand zu erfüllen. Ein wenig komplizierter und teurer wäre es freilich, für eine bessere Geräuschdämmung zu sorgen. Bei Reisetempo lässt der wachsende Lärmpegel oft keine entspannte Unterhaltung mehr zu.

FAHREN & SICHERHEIT

Nahezu wunschlos glücklich ist die Test-Crew hingegen mit dem ebenso kultivierten wie kraftvollen 1,6-Liter-Motor – der gleiche übrigens, der auch im temperamentvollen Mini Cooper Verwendung findet. Im Citroën beschert er mit seinen 120 PS und einem kräftigen Drehmomentverlauf so ansprechende Fahrleistungen, dass weder steile Bergstraßen noch lange Autobahnsteigungen ein Problem sind – nicht einmal bei voller Fahrzeugbesetzung. Immerhin sind dann schon rund eineinhalb Tonnen durch die Gegend zu wuchten. Rund eine halbe Tonne Zuladung ist in dieser Fahrzeug-Kategorie keine Selbstverständlichkeit – bei vielen teils auch größeren Autos muss man oft genau rechnen, ob man alle Sitzplätze und obendrein auch noch die gesamte Kofferraum-Kapazität nutzen darf. Natürlich verändert sich beim Citroën einiges, wenn man ihn bis ans Limit belädt: Aus diesem durchaus handlichen, fahraktiven Auto wird dann speziell auf kurvenreicher Strecke eine vergleichsweise träge Fuhre, aber zum Glück gibt es ja für den Fall des Falles ESP an Bord.

Lob ernten übrigens die Bremsen: 38 Meter reichen aus Tempo 100 bis zum Stillstand – ein respektabler Wert, der unter vorteilhaften Bedingungen, also mit Sommerreifen und zwei Mann an Bord gemessen wurde. Sollte einmal eine Kollision unvermeidlich sein, hat man dank des guten Abschneidens des C3 beim Euro­NCAP-Crashtest gute Karten: Er erreichte vier von fünf möglichen Sternen und bewahrt zumindest bei einem genormten Zusammenstoß die Insassen vor schweren Verletzungen.

GELD & UMWELT

Auch in diesem Kapitel finden sich kritische Fahrtenbuch-Eintragungen. Etwa hinsichtlich des an anderer Stelle gelobten Antriebs: Das Triebwerk beschert zwar einigermaßen moderate Verbrauchswerte – trotz reichlich Stadtverkehr und überdurchschnittlich hohem Autobahnanteil im Durchschnitt 6,9 l Eurosuper je 100 km –, mit einem Sechsganggetriebe könnte man aber noch das eine oder andere Zehntel einsparen und den CO2-Ausstoß geringfügig reduzieren. Auf jeden Fall würde sich mit einer zusätzlichen Übersetzungsstufe der Geräuschpegel bei Autobahntempo verringern.

Beim Abschluss-Check auf dem ÖAMTC-Stützpunkt gab’s dagegen fast nur Pluspunkte: Abgesehen von den üblichen Klein-Blessuren, die jedes Auto durch achtlose Straßenkameraden – etwa beim Türöffnen in Schrägparkplätzen – davon trägt, waren Lack und Blech nach einem Jahr makellos. Auch Lichtanlage, Fahrgestell und Bremsen passierten die penible Kontrolle ohne jede Beanstandung. Dass beim Öldruck-Geber am Motorblock immer wieder ein paar Tropfen Öl heraus schwitzen, blieb dem scharfen Blick des Technikers nicht verborgen. Mit einem neuen Dichtringerl war dieser Mini­makel freilich rasch behoben.

Das war aber auch der einzige Mechaniker-Handgriff während der gesamten Testzeit – abgesehen vom 30.000er-Service und den zwei Reifenwechseln. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Unterhaltskosten erfreulich niedrig ausfallen: 192 Euro monatlich für Wenigfahrer (10.000 km/Jahr) und rund das Doppelte bei der dreifahren Kilometerleistung. Unterm Strich also: Grünes Licht für weitere 50.000 Kilometer im grünen Citroën.