ÖAMTC Raststationen-Test 2012

Österreichische Raststationen an der Spitze bei europaweitem Test

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Terrasse mit Seeblick der Raststation Wörthersee © Marché International
Terrasse mit Seeblick der Raststation Wörthersee © Marché International

Testsieger und Testzweiter kommen aus Österreich

Schlechte Zufahrten? Unappetitliche Speisen und teure Getränke? Dreckige Toiletten? Unfreundliches Personal? Schlechte Raststationen können den Autoreisenden die wohlverdiente Pause auf dem Weg in den Urlaub gewaltig vermiesen. Deshalb hat der ÖAMTC in Zusammenarbeit mit seinen Partner-Clubs 65 Raststationen und Autohöfe in 13 europäischen Ländern inkognito getestet. In Österreich wurden sieben Raststationen eingehend unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse können sich sehen lassen.

Testsieger im heurigen EuroTest Rastanlagen wurde die Kärntner Raststation Wörthersee (Süd Autobahn A 2). Den zweiten Platz auf dem Stockerl errang die südlich von Wien gelegene Raststätte Guntramsdorf (A 2). Auch die anderen fünf in Österreich getesteten Rastanlagen - Ybbs an der West Autobahn (A 1), Suben West an der Innkreis Autobahn (A 8), Kammern an der Pyhrn Autobahn (A 9), Brennerpass an der gleichnamigen Autobahn (A 13) und Deutsch-Wagram an der Wiener Außenring Schnellstraße (S 1) - haben ausnahmslos das Gesamturteil „gut“ erhalten.

Raststationen-Ranking: Testverlierer kommt aus Serbien

Am Ende der Raststätten-Tabelle steht das serbische Ruma, das an der dortigen A 1 zwischen Zagreb und Belgrad liegt. Durchreisende auf der Fahrt nach Griechenland sollten besser nicht an dieser Raststation anhalten. Bis auf die Preise ist hier fast nichts in Ordnung. Schmutzige und stinkende Toiletten, fehlende Spielmöglichkeiten für Kinder und kein Baby-Wickeltisch sowie unsichere Parkplätze und mürrisches Personal ließen die Raststation in vielen Bewertungskategorien glatt durchfallen. Selbst Grundausstattungen wie Behinderten-Parkplätze und -Toiletten – andernorts längst Standard – fehlen hier komplett.

Länder-Ranking: Alpenländer top, Spanien flop

Den Ländervergleich gewinnt Kroatien mit der höchsten Durchschnitts-Testpunktzahl. In Kroatien wurden allerdings nur drei Rastanlagen getestet. Das Match um die weiteren Podestplätze war heuer ein Derby zwischen den Alpenländern. Österreich setzte sich dabei vor Slowenien und der Schweiz durch. Licht und Schatten finden sich im breit gefächerten Mittelfeld, in dem sich auch die größeren Länder Deutschland, Italien und Frankreich tummeln. Einen der letzten Plätze im Länderranking besetzt Spanien. Für Familien haben die Spanier rein gar nichts übrig: Bis auf ein „ausreichend“ hagelte es sechs „sehr mangelhaft“. Immerhin positiv in Spanien: Die dortigen Sanitäranlagen, die sich in den meisten Fällen zwar veraltet und teilweise optisch alles andere als einwandfrei sauber präsentieren, weisen zumindest bei den Hygienetests im Labor sehr gute Werte auf.

Verbesserungspotenzial bei den österreichischen Raststationen vorhanden

Die Pluspunkte der heimischen Raststationen waren das exzellente gastronomische Angebot und die hervorragend sortierten Raststätten-Shops mit breitem Angebot. Appetitlich angerichtete, schmackhafte Gerichte, serviert von freundlichem und hilfsbereitem Personal, so lautete das Urteil der Tester. Auch die Sanitäranlagen erhielten fast ausnahmslos sehr gute Noten. Die getesteten Anlagen sind nicht nur modern und fast überall behindertengerecht, sondern auch hygienisch einwandfrei.

Der bittere Wermutstropfen sind die vergleichsweise hohen Preise in den Restaurants und Shops der Rastanlagen, die mehr als einmal die Note „sehr gut“ verhinderten. Außerdem fielen drei Stationen in der Wertungskategorie „Familienfreundlichkeit“ durch (Brennerpass, Deutsch-Wagram und Ybbs). Schwachstellen finden sich teilweise auch bei der Sicherheit der Fußgänger auf den Parkplätzen (Wörthersee) und bei den Leistungen für mobilitätseingeschränkte Personen.

Trotz Top-Platzierungen bei den Gesamturteilen, haben die österreichischen Musterknaben also durchaus noch Luft nach oben. Die Kritikpunkte im Detail:

Nichts für den kleinen Geldbeutel und wenig Herz für Familien

Alle österreichischen Raststationen mussten Beanstandungen in der Wertungskategorie „Preise“ hinnehmen. Vor allem in den Shops überstieg der Preis für gängige Artikel wie Wasser, Cola oder Schokoriegel den normalen Ladenpreis oft um das Doppelte. Die Raststätten verdienen sich hier ein kräftiges „Körberlgeld“ dazu.

Alle Rastanlagen verfügen zwar über eine Spielmöglichkeit für die Kleinen, aber drei von sieben Anlagen haben keinen Kinderspielplatz im Außenbereich (Brennerpass, Ybbs, Deutsch-Wagram). Ähnlich sieht es bei der Versorgung der Kleinkinder aus. Alle getesteten Rastanlagen bieten zwar einen Wickeltisch, drei Stationen bieten dafür aber keinen separaten Wickelraum an (Brennerpass, Ybbs, Suben West). Doppelnutzungen Babywickelraum – Behindertentoilette oder noch schlechter Wickelraum – Damen-Toilette sollten mittlerweile der Vergangenheit angehören. Auch Väter müssen die Möglichkeit haben, ihre Kinder zu wickeln.

Immer noch Hindernisse für mobilitätseingeschränkte Personen

Der barrierefreie Zugang zum Raststättengebäude ist zwar meist gegeben, vereinzelt versperren dann aber wieder Drehkreuze den Weg zum Restaurant (Kammern). Auch die Behinderten-Toiletten wurden zweimal von den Testern beanstandet, weil sie nicht bedarfsgerecht waren (Suben West) oder als Abstellraum missbraucht wurden (Kammern).

Hintergrund: Testmethodik

Jede Raststation wurde zwei Mal an unterschiedlichen Tagen und von unterschiedlichen Testern unter die Lupe genommen. Diese aufwändigen, nicht angemeldeten Doppeltests verhindern Zufallsergebnisse und geben das Leistungsvermögen der Raststätten so objektiv wie möglich wieder. Der Test orientierte sich an den Bedürfnissen einer vierköpfigen Familie mit zwei Kindern, eines davon ein Kleinkind.

Im Laufe von zwölf Testjahren wurden große Verbesserungen erreicht

Der Testdruck der europäischen Automobilclubs auf die Raststättenbetreiber macht sich bezahlt. Neben den sieben „gut“ in Österreich wurden noch 26 andere Raststätten im europäischen Ausland mit diesem Gesamturteil bewertet. 27 Mal gab es ein mäßiges, aber noch positives „ausreichend“. Nur fünf von insgesamt 65 Testkandidaten verfehlten mit der Gesamtwertung „mangelhaft“ die Versetzung. Obwohl keine Rastanlage das Gesamturteil „sehr gut“ erreichte, ist das die positivste Gesamtwertung in der zwölfjährigen Geschichte des Euro-Raststättentests.

Die detaillierten Testergebnissen sind als pdf-Datei unter "Downloads zum Thema" zu finden.

ÖAMTC Raststationen-Datenbank

Wichtigste Informationen zu allen rund einhundert Rastanlagen an den österreichischen Autobahnen findet man in der ÖAMTC Raststationenübersicht unter www.oeamtc.at/raststationen