Europaweiter Öffi-Test des ÖAMTC

Wo fährt es sich am besten öffentlich?

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Nicht schlecht fürs Erste, aber es geht noch besser: So lässt sich das Ergebnis des jüngsten EuroTest zusammenfassen, den der ÖAMTC mit 15 seiner europäischen Schwesterclubs durchgeführt hat.

23 Großstädte im Visier

Die öffentlichen Verkehrsmittel von 23 europäischen Großstädten wurden unter die Lupe genommen. Zagreb erhielt als einzige Stadt ein "sehr mangelhaft". Im Gegenzug schnitt München als einzige mit "sehr gut" ab. Wien wurde mit "gut" beurteilt und liegt - hinter München und Helsinki - an der dritten Stelle. Es wurde elf Mal die Note gut, neun Mal die Note ausreichend, und einmal ein mangelhaft (an Laibach) vergeben.

So wurde getestet

"Ein Öffi-Angebot wird dann angenommen, wenn es möglichst viele Vorteile für den Fahrgast bringt", sagt ÖAMTC-Experte Markus Schneider. Wie weit das den Städten gelingt, zeigt der Test. Geprüft wurde nach vier Kategorien: Reisezeit, Umsteigemodalitäten, Informationen für den Fahrgast vor und während der Fahrt sowie die Fahrtkosten. In den 23 getesteten Städten wurden nach einem einheitlichen Schema Haltestellen ausgewählt, zwischen denen sich die Tester in den verschiedenen Verkehrsmitteln (Bus, U-Bahn etc.) bewegten. Im Vorfeld des Vor-Ort-Tests erfolgte eine umfangreiche Internetrecherche.

München, Wien und Zagreb - was den Unterschied ausmacht

Der Sieger München macht Lust auf Öffis und hat Vorbildfunktion. Fast alle Verbindungen sind deutlich schneller als im europäischen Durchschnitt - ob man vom Flughafen ins Zentrum fährt oder innerstädtisch unterwegs ist. Die Preise wurden im Test zwar als etwas zu hoch eingestuft, es gibt aber viele Ticketvarianten, darunter ein Kurzstreckenticket um 1,10 Euro.

"Die Beratung durch das Personal der öffentlichen Linien ist kompetent", sagt der ÖAMTC-Experte. In den Fahrzeugen sind Extra-Plätze für mobilitätseingeschränkte Passagiere und Rollstühle ausgewiesen. Die Fahrplanauskunft und umfassende Informationen sind im Internet in fünf Sprachen verfügbar (in London erfolgt die Information sogar in sagenhaften 16 Sprachen). Der Transport von Fahrrädern ist in S-Bahn und U-Bahn sowie teilweise in Regionalzügen möglich. Es gibt auch ein eigenes Fahrrad-Mietsystem.

Wien am guten 3. Platz

In Wien bietet sich ein ähnlich positives Bild wie in der Bayernmetropole, hinsichtlich Barrierefreiheit hatte Wien beim Test sogar die Nase vorne. Alle zwölf Test-Haltestellen waren barrierefrei und auch die Fahrkartenautomaten meist in rollstuhlgerechter Höhe angebracht. Verbesserungsbedarf gibt es allerdings bei der Ausstattung der Bushaltestellen mit verlässlichen Angaben, wann der nächste Bus kommt. Kritisiert wird auch die Beschilderung mit Haltestellennamen in zu kleiner Schrift. "Außerdem sind die Aushangfahrpläne häufig außerhalb der Wartehäuschen montiert, was bei Regen äußerst unangenehm für die Fahrgäste ist", schildert der ÖAMTC-Experte.

Park & Ride in Wien viel zu teuer

Im internationalen Vergleich sind die Innenstadtfahrten mit 1,80 Euro im Vorverkauf eher teuer. "Die Information über Kurzstreckenfahrten zum halben Preis wird zu wenig kommuniziert", sagt Schneider. Und last but not least liegt Wien im internationalen Vergleich beim Park+Ride-Angebot (Parkplatz in Verbindung mit Öffi-Ticket) eher hinten. In und um München beispielsweise gibt es Monatstickets bereits ab 7,50 Euro. Im Vergleich dazu kostet beispielsweise P+R in Wien-Hütteldorf im Monat 46,80 Euro in Kombination mit einer Zeitkarte der Wiener Linien, ohne Zeitkarte sogar 55 Euro. In Helsinki sind drei Viertel des P+R Angebots gratis. "Die P+R-Anlagen sind in Wien vorhanden, aber die Kombi-Preise müssen massiv gesenkt werden, um für Autofahrer das Umsteigen auf Öffis attraktiver zu machen", fordert der ÖAMTC-Verkehrsexperte.

Entscheidungsfaktor Bahnhof

Getestet wurden auch die Hauptbahnhöfe der Städte. "Auch der Zustand eines Bahnhofs beeinflusst die Entscheidung, ob man Bahn oder eher Auto fährt", sagt Schneider. Der ÖAMTC hat deshalb bereits vor zehn Jahren eine Bahnhofoffensive gefordert - diese wird zur Zeit in Wien umgesetzt. Daher wurde mangels Hauptbahnhof die Übergangslösung Bahnhof Wien-Meidling getestet. Fazit: "Das Personal hat souverän auch in Englisch Auskunft erteilt.

Allgegenwärtiger Parkplatzmangel

Das kann aber nicht wettmachen, dass es im Umfeld des Bahnhofs an Parkplätzen fehlt", sagt der ÖAMTC-Experte. Für den neuen Zentralbahnhof fordert der ÖAMTC daher ein entsprechendes Parkraumangebot. "Im Zentrum der Bahnhofsplanungen müssen die Bedürfnisse aller Menschen stehen, die zukünftig dort aus- und eingehen. Das beinhaltet einerseits eine barrierefreie Gestaltung, andererseits auch Aspekte wie ein durchdachtes Informationssystem und leicht erreichbare Bahnsteige", fügt Schneider hinzu.

Zagreb als Schlusslicht

Die Rote Laterne als Schlusslicht im Testfeld müssen sich die Verkehrsbetriebe in Zagreb umhängen lassen. Die Hauptstadt Kroatiens hat hohen Aufholbedarf auf vielen Ebenen: Alle Verbindungen sind langsamer als im europäischen Vergleich. Die Anbindung an den Flughafen erfolgt lediglich mit Bussen. Teilweise mangelt es an grundlegenden Dingen wie Fahrplänen oder eindeutigen Haltestellennamen. "Allerdings muss hier auch erwähnt werden, dass Zagreb sein öffentliches Personen-Nahverkehr-System derzeit mit hochmodernen Fahrzeugen aufrüstet", sagt der ÖAMTC-Experte.

Fazit: Der Fahrgast ist König

Summa summarum lässt sich nach dem Test festhalten: Will man den öffentlichen Verkehr in den Städten attraktiver gestalten, müssen die meisten Verkehrsbetriebe noch stärker auf die Wünsche der (potentiellen) Fahrgäste eingehen. Dazu braucht es attraktive Verbindungen und Ticketpreise sowie saubere und sichere Fahrzeuge in ausreichender Zahl. Unerlässlich sind auch umfassende Informationen, an die man als Fahrgast ohne Aufwand herankommen kann.