15.09.2015

Barrierefrei Reisen

Informationen für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung

Barrierefrei Reisen.jpg
© Shutterstock
Eine Reise will gut geplant sein – dieser Leitsatz gilt ganz besonders für Personen mit eingeschränkter Mobilität. Der ÖAMTC rät deshalb zu einer genauen Planung und liefert in zwei detaillierten Checklisten (siehe Downloads zum Thema) wichtige Hinweise, worauf beim barrierefreien Reisen zu achten ist.

Flugreisen

Es ist ratsam, sich vorab über das Prozedere am Flughafen zu erkundigen. Ein Rollstuhl gilt übrigens nicht als Gepäck – er darf also nicht berechnet werden und zählt auch nicht zur zulässigen Freigepäcksmenge. Außerdem sollte man die Airline mindestens 48 Stunden vor Reiseantritt über die persönlichen Bedürfnisse informieren. Auch wenn diese Informationen bereits bei der Buchung über ein Reisebüro kommuniziert wurden, sollte man sich zusätzlich persönlich um die Klärung dieser Punkte kümmern. Eine EU-Verordnung schreibt Airlines übrigens die Beförderungspflicht von Passagieren mit körperlichen Einschränkungen vor: Mit gültigem Flugticket darf diesen der Transport nicht verweigert werden.

Generell empfiehlt der ÖAMTC bei allen Reisen die Mitnahme eines ärztlichen Attests, das über den gesundheitlichen Zustand und den medizinischen Bedarf informiert – am besten auf Deutsch und Englisch.

Autoreisen

Bei Autoreisen kann der "FIA-Leitfaden zur Verwendung des Parkausweises für Reisende mit eingeschränkter Mobilität" eine wertvolle Hilfe sein. Er informiert über die Benutzungsvorschriften des Ausweises in über 130 Ländern weltweit (www.disabledmotorists.eu).

Die ÖAMTC Raststationen-Übersicht bietet Informationen zur Barrierefreiheit an allen österreichischen Raststätten unter www.oeamtc.at/raststationen.

In zahlreichen Städten Europas bestehen Fahrverbote oder Mautpflichten für begrenzte Verkehrszonen, meist in den Innenstädten. Für Menschen mit Mobilitätseinschränkung gibt es häufig Ausnahmeregelungen.

Behindertengerechte öffentliche Toiletten (auch an Autobahn-Raststationen) werden europaweit mit dem Euro-Key-Schließsystem ausgestattet und so nur berechtigten Personen zugänglich gemacht. Der Euro-Key kann kostenlos unter www.oear.or.at angefordert werden. In Großbritannien gibt es ein ähnliches System. Der dafür benötigte Radar-Schlüssel kann im Webshop von www.londonbarrierefrei.com bestellt werden.

Städtereisen

Viele Städte im In- und Ausland haben eigene Websites für mobilitätseingeschränkte Urlauber. Neben Standorten von Behindertenparkplätzen oder behindertengerechten Toiletten sind Tipps zur einfachen Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs oder zu Stadtführungen für mobilitätseingeschränkte Besucher abrufbar.

Das Projekt „Wheelmap“ dokumentiert auf einer internationalen Online-Karte die rollstuhlgerechte Zugänglichkeit öffentlicher Orte. Zusätzlich zur Website (www.wheelmap.org) gibt es Apps für iPhone und Android-Smartphones.

Geführte Rundreisen und Kreuzfahrten

Sowohl bei geführten Rundreisen als auch bei Kreuzfahrten sollte man vorab Kontakt mit dem Reiseveranstalter aufnehmen, um die Möglichkeit einer Teilnahme und die individuellen Bedürfnisse abzuklären. Viele Reedereien haben eine "Special-Needs"-Abteilung, die bei Bedarf gegen einen Aufpreis Landausflüge in rollstuhlgerechten Fahrzeugen oder sogar eigene Guides für individuelle Entdeckungstouren organisieren kann. Die meisten Kreuzfahrtschiffe sind übrigens barrierefrei.

Hotel

Oft ist es schwierig, Informationen darüber zu erhalten, ob eine Unterkunft barrierefrei ist. Am besten nimmt man persönlich Kontakt mit dem Hotel auf und stellt möglichst detaillierte Fragen, etwa zur Türbreite im Zimmer oder zur Anzahl der Haltegriffe im Badezimmer. Auf eine allgemeine Zusicherung der Barrierefreiheit sollte man sich nicht verlassen. Zur Absicherung kann es sinnvoll sein, Fotos von der Situation vor Ort anzufordern.
Die ÖAMTC Beratung für Mitglieder mit Behinderung hilft gerne bei konkreten Fragen – Mail an behindertenberatung@oeamtc.at.