15.06.2011

Ausweichtest: Überladenes Fahrzeug

Auch bei korrekter Beladung deutliche Veränderungen im Fahrverhalten

Überladung von Fahrzeugen kann gefährliche Folgen haben!

Egal ob die Fahrt in den wohlverdienten Urlaub oder vom Baumarkt zum heimischen Garten gehen soll: das richtige Beladen von Fahrzeug und Anhänger kann lebenswichtig sein. "Die Gefahr eines überladenen Fahrzeugs wird oft unterschätzt. Bereits geringfügige Überladungen und eine mangelhafte Fahrzeugbalance können zu einer wesentlichen Verschlechterung des Fahrverhaltens führen", betont ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl. Um zu überprüfen, wie gefährlich die Veränderungen im Fahrverhalten sind, führte der ÖAMTC Bremswegmessungen und Ausweichtests mit einem Familienwagen und einem Fahrzeug-Anhänger-Gespann durch.

Die Testergebnisse im Detail

Eine Urlaubsreise mit der ganzen Familie und Gepäck wurde mit einem Skoda Octavia Combi mit Dachbox simuliert. Beim Ausweichtest mit Beladung wurde ein deutlich verändertes Fahrverhalten festgestellt, die grundsätzlich vorhandene Neigung zum Übersteuern verstärkte sich spürbar. "Bei Überladung war die Pendelbewegung des Autos kaum noch beherrschbar, auch ESP ermöglichte keine sichere Stabilisierung", erklärt der ÖAMTC-Techniker. Positiv ist anzumerken, dass der Bremsweg unabhängig vom Beladungszustand konstant blieb.
Wer einen Baumarkt aufsucht, benötigt für den Transport der schweren oder sperrigen Einkäufe häufig einen Anhänger. Beim ÖAMTC-Test wurde ein Opel Astra mit ungebremstem Kastenanhänger zur Simulation eingesetzt. Unbeladen konnte der Parcours ohne Schwierigkeiten gemeistert werden, der beladene Anhänger lief jedoch deutlich aus der Spur und schwenkte seitwärts aus. Bei korrekt beladenem Anhänger war diese Reaktion kontrollierbar, das Zugfahrzeug blieb stabil. "Bei überladenem Anhänger knickte das Gespann beim ersten Gegenlenken ein. Der Anhänger touchierte das Zugfahrzeug, das gesamte Gespann drehte sich um die eigene Achse", erklärt Kerbl. Der Bremsweg verlängerte sich bereits bei beladenem Anhänger deutlich, bei geringer Überladung kamen weitere Meter dazu.

Zulässige Lasten im Auge behalten und Fahrverhalten anpassen

Beladene Fahrzeuge sind grundsätzlich wesentlich anspruchsvoller zu steuern als leere. Elektronische Sicherheitssysteme wie ESP sprechen bei erhöhter Masse nicht mehr so effektiv an, die Bremswege verlängern sich zum Teil deutlich. "Sollte das Fahrzeug überladen sein, muss der Lenker mit einer immensen Verstärkung dieser Effekte rechnen", erklärt der ÖAMTC-Experte. Wichtig ist es also, das Fahrzeug mit Bedacht zu beladen und den Fahrstil der veränderten Fahrdynamik anzupassen. "Geschieht das nicht, können gefährliche Situationen auch bei geübten Fahrern sehr schnell zu Unfällen führen", weiß Kerbl.
Fahrzeuglenker müssen beachten, dass die zulässigen Lasten für Achsen, Dach, Anhänger usw. nicht überschritten werden. "Dach- und Stützlast lassen sich mit einer Personenwaage überprüfen. Um Gesamt-, Achs- und Anhängelast zu kontrollieren, sollte das Fahrzeug gewogen werden, jede Achse separat", rät der ÖAMTC-Techniker. Das Anpassen des Reifendrucks ist vor allem auf langen Fahrten zwingend erforderlich. Angaben zu Beladungsgrenzen und Reifendruck finden sich in der Betriebsanleitung und den Fahrzeugpapieren.