AUTO & 2RAD

ÖAMTC-Winterreifen-Test 2005

36 Winterreifen auf Herz und Nieren geprüft

UG 7 von Goodyear ist eindeutiger Testsieger

Beim diesjährigen ÖAMTC-Winterreifen-Test kristallisierte sich unter den 36 getesteten Reifen eine eindeutige Siegermarke in zwei verschiedenen Dimensionen heraus.

"Der brandneue UG 7 von Goodyear überzeugte in beiden Testgrößen. Keiner verzahnt seine Lamellen so optimal und keiner ist gleichzeitig auf Nässe so rutschfest. Ein großer Wurf, wie er nicht alle Tage vorkommt", urteilt ÖAMTC-Reifenexperte Willy Matzke.

Geprüft wurden mehrere Größen, wobei die Dimensionen 175/65 R 14 T (für kleine Pkw wie beispielsweise Ford Fiesta oder Opel Corsa) und 195/65 R 15 T (für die Mittelklasse wie etwa Ford Mondeo und VW Passat) die beste Übersicht über die neueste Winterreifengeneration liefern.

Auch sonst spricht das Winterreifen-Testergebnis für sich: sieben Reifen sind "sehr empfehlenswert", 17 "empfehlenswert", zehn "bedingt empfehlenswert" und zwei "nicht empfehlenswert".

Dimension 195/65 R 15 T

Hinter dem "Overall-Winner" Goodyear UG 7 landen auf den Spitzenrängen der Dimension 195/65 R 15 T, der Dunlop Wintersport 3D (gleich gut auf Nässe, im Trockenen sogar noch angenehmer als der UG7) und der Vredestein Snowtrac 2 (optimierte Gummimischung schafft Bestwerte auf Schnee und leisen Auftritt).
Auch der nicht mehr ganz so junge Pirelli Snowcontroll (höchste Laufleistung) hält sich vorne.

Die gewohnten Sieger der Conti Gruppe leisten sich hingegen einen doppelten Ausrutscher: "Sowohl auf Schnee als auch auf Eis kann der neue Conti TS 810 die neuerdings bei uns sehr hoch angesetzten Hürden knapp nicht überspringen", berichtet Matzke. "Der Bruder Uniroyal MS plus 55 rutscht auf Schnee und Eis aus und hat obendrein den höchsten Rollwiderstand, was wiederum mehr Spritverbrauch bedeutet."

Bridgestone hat ein leichtes Manko im Schnee, der verwandte Firestone kann auch auf Nässe nicht voll überzeugen. Bei Michelin passt auch der Auftritt auf eisigem Parkett nicht mehr, nur im Verschleiß ist man noch vorne mit dabei.

ÖAMTC-Kaufempfehlung: "Der Dunlop Wintersport 3D ist ein sehr guter Allrounder, leise und etwas preiswerter als die übrigen Testsieger", begründet der Reifenexperte die Empfehlung.

Dimension 175/65 R 14 T

In der kleineren Dimension 175/65 R 14 T sind neben dem Goodyear UG 7 der Bridgestone Blizzak LM 20 und der Pirelli Snowcontroll unter den Siegern. Beide verfügen über eine gute Ausgewogenheit zwischen Schneegriff und Rutschfestigkeit bei Nässe. Erneut erweist sich der Italiener als besonders verschleißfest.

Weiter läuft bei den kleinen Reifen nur der Michelin Alpin A2, in den übrigen Werten zeigt er sich aber deutlich abgeschlagen. "Eine Überraschung hätte fast der Semperit Wintergrip geschafft. Bei bester Eiswertung hat er die Nässehürde nur knapp verfehlt, brilliert aber im Schnee", weiß der ÖAMTC-Experte.

Oberflächlich betrachtet, trifft das auch auf den neuen Conti TS 800 zu. Geht man bei den Testwerten aber in die Tiefe, so findet sich ein nicht akzeptables Aquaplaningverhalten. Dazu kommt der höchste Rollwiderstand, was auf eine zu sehr schneeoptimierte Gummimischung schließen lässt. Eine Änderung der Gummimischung soll Abhilfe schaffen.

ÖAMTC-Kaufempfehlung: Bei den kleineren Reifen stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis am besten beim Pirelli Snowcontroll. Nur der Michelin rollt weiter, ist aber teurer.

Ausgerutscht

Nicht zu empfehlen sind nach dem Urteil des ÖAMTC-Reifentesters zwei Pneus. Zum einen der erstmals getestete Matador aus der Slowakei. "Er überzeugte zwar mit dem besten Rollwiderstand, aber sonst taugt er nicht viel. Mit seiner M&S-Kennzeichnung würde er bei einer gesetzlichen Winterreifenpflicht glatt durchgehen, im ÖAMTC-Test ist er aber prompt durchgefallen", so der Experte.

Nicht viel besser schnitt der Barum Polaris aus dem tschechischen Contiwerk ab. "Während der Matador auf der ganzen Linie enttäuscht, hält sich der Barum wenigstens im Schnee recht gut", so Matzke.

"Generell wird ein 'empfehlenswert' für sehr gute Reifen vergeben. Einige sind etwas ausgewogener darum erhalten diese ein 'sehr empfehlenswert'. Andere wiederum sind nicht in allen Prüfkriterien gleich gut und daher nur 'bedingt empfehlenswert', erklärt Matzke die Notenvergabe.

So wurde getestet

"Den Kompromiss zwischen Schneegrip und Rutschsicherheit bei Nässe optimal zu treffen, ist noch immer eine Kunst, die nicht alle beherrschen. Nicht alles, was am Computer ein gutes Ergebnis verspricht, arbeitet auch auf der Straße gleich gut", weiß der ÖAMTC-Reifenexperte. Genau dort setzt die Testarbeit des ÖAMTC und seiner europäischen Schwesterclubs an.

"Für diesen Winter galt es, einige ganz neue Produkte zu prüfen, von denen selbstverständlich erwartet wurde, deutlich besser zu sein als die bisherigen", so Matzke weiter.

Die ÖAMTC-Reifentests werden unter absolut praxisnahen Bedingungen durchgeführt. Dabei spielen neben objektiven Messungen auch die subjektiven Fahreindrücke der routinierten Tester eine große Rolle. Beim Testverfahren werden mit aufwändigen Messmethoden auf den Zentimeter genau Bremsstrecken sowie die Traktion auf Eis und Schnee erhoben.

Auch die Prüfungen auf nasser Fahrbahn laufen auf einem speziellen Testparcours ab. Dort ermitteln Computeranlagen das Aquaplaning- und Bremsverhalten jedes einzelnen Reifensatzes. Damit die Fahrtests absolut unbeeinflusst ablaufen, werden die Reifen "blind" montiert. Das bedeutet, der Testfahrer weiß nicht, mit welchen Reifen er unterwegs ist. Die subjektiven Eindrücke über Handling, Kurvenverhalten, Traktion und Bremsen werden gleich nach der Fahrt festgehalten und benotet. "Auf diese Weise ist sichergestellt, dass der Konsument den größten Nutzen aus den Reifentests ziehen kann", erklärt Matzke.

Besonders aufwändig sind die Verschleißtests auf eigens konstruierten Maschinen. Die Reifen durchlaufen ein computergesteuertes Testprogramm. Dabei werden Beschleunigung, Bremsen und Kurvenfahren praxisnah simuliert.

"Der ÖAMTC hat spezielle Testmethoden entwickelt, um das Zusammenspiel von Reifen und ESP-Technik auszuloten. "Die Stabilitätskontrolle ESP ist ein besonders wirkungsvolles Mittel zur Verhinderung von Schleuderunfällen. ESP für alle Neufahrzeuge ist deshalb ein Muss", fordert der Club-Experte.

Preistipp: Vergleichen!

Wenn es um die Kosten der Winterreifen geht, sind mehrere Aspekte zu beachten: Kaufpreis, Rollwiderstand und Laufleistung. "Pirelli zeigt sich heuer besonders verschleißfest und ist auch im Anschaffungspreis durchaus moderat. Allerdings können wir nur Richtpreise nennen. Noch immer sind die Preisunterschiede beträchtlich, Preisvergleiche brauchen Zeit, lohnen sich aber allemal", erklärt der Club-Experte.