Wenn einer ins Heck kracht, wird's im Van eng in der dritten Sitzreihe. Die Knautschzone ist klein, nur ein paar Zentimeter liegen oft zwischen der Oberkante der hinteren Kopfstütze und der Heckscheibe. In einem Heck-Crashtest hat der ÖAMTC nun untersucht, wie es um die Sicherheit der Hinterbank-Passagiere bestellt ist.
"Das Verletzungsrisiko ist grundsätzlich nicht höher als in der Reihe davor", berichtet ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang. "Das ändert sich aber schlagartig, wenn sich im Kofferraum Gepäck befindet. Die Stoßbelastung wird direkt auf die Passagiere übertragen, was zu schweren Verletzungen führen kann."
Versuch mit Gepäck im Kofferraum
Ein Dummy saß beim Versuch vorne, einer in der mittleren Sitzreihe und zwei nahmen Platz in der letzten Reihe des Testautos Renault Grand Scénic. Hinter dem linken Sitz wurden zwei Hartschalenkoffer gestapelt, der Gepäckraum hinter dem rechts sitzenden Dummy blieb frei. Dann krachte ein fahrender Rammbock mit 60 km/h nach links versetzt (mit 70% Überdeckung) ins Heck. Nur bei etwa zehn Prozent aller realen Heckunfälle ist die Aufprallgeschwindigkeit höher. Das Resultat überraschte:
Unerwartet gutes Ergebnis
"Wenn man bedenkt, wie wenig Deformationszone bei einem Heckaufprall im Vergleich zu einem Frontaufprall zur Verfügung steht, ist das ein unerwartet gutes Ergebnis", sagt Lang. Ein Konstruktionsfehler könnte im Ernstfall das Kopf-Verletzungsrisiko beider Hinterbank-Passagiere aber erhöhen: Unter dem Dachhimmel versteckt, zeigten sich nach dem Aufprall scharfkantige Teile der Karosserie. Bei einem derart geringen Kopfabstand der Insassen zum Dach ist es gefährlich, scharfe Teile im Kopfbereich zu verbauen. Schon beim Überfahren einer Bodenwelle könnten sich die Passagiere verletzen.
Verletzungsrisiko Gepäck
"Die wesentliche Erkenntnis aus dem Heckcrash ist aber, dass das Gepäck im Kofferraum ausschlaggebend ist für die Verletzungsschwere. Die Stoßbelastung wird direkt auf den davor sitzenden Passagier übertragen", fasst Lang zusammen. Die Struktur im Heckbereich ist aber so stabil, dass der Überlebensraum auf allen drei Sitzreihen bestehen bleibt. Lediglich die hintere Fahrzeugtür auf der linken Seite klemmte nach dem Aufprall. Das würde im Realfall Zeit für die Rettung der Insassen kosten.
Der Tipp des ÖAMTC-Cheftechnikers: Bei voller Besetzung auf Gepäck hinter der dritten Reihe verzichten, damit die kleine Knautschzone des Vans genutzt wird. Besser eine geeignete Dachbox verwenden.