Da lagen Konservendosen, Besteck und Töpfe am Boden verstreut, Schranktüren waren aus der Verankerung gerissen und Bänke aus den Fugen geraten. Der ÖAMTC crashte gemeinsam mit dem ADAC ein Wohnmobil. Gleich vorweg: Seit dem letzten Crashtest im Jahr 1993 hat sich der Insassenschutz deutlich verbessert. "Reisemobile sind seither wesentlich sicherer geworden. Aber wenn es kracht, sind herumfliegende Teile des Reisegepäcks und der Innenausstattung weiterhin eine große Gefahr für die Passagiere", zieht ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang Bilanz.
Alle Details zum Wohnmobil-Crashtest
Es handelte sich um einen exemplarischen Test mit einem gängigen Wohnmobil mit Alkoven-Aufbau (Schlafgelegenheit über dem Fahrerhaus). Das Reisemobil prallte bei diesem Test mit 32 km/h frontal gegen eine Barriere. Im Fahrzeug befanden sie fünf angeschnallte Dummies - ein Fahrer, ein Beifahrer und drei Fahrgäste vis-à-vis in der Sitzgruppe sitzend - zwei in, einer entgegen der Fahrtrichtung. Das Fahrzeug - mit Küche im Heck - wurde vor dem Crash "urlaubsfertig" eingeräumt, etwa mit Geschirr oder Lebensmittel im Kühlschrank.
Wohneinbauten durch Crash stark deformiert
Das Basisfahrzeug - ein Fiat Ducato - hielt dem Aufprall relativ gut stand. Abgesehen von der eingedrückten Frontpartie und der zerbrochenen Windschutz-Scheibe wies das Fahrerhaus geringe Deformationen auf. "Das Fahrerhaus drückte sich allerdings leicht in den Alkoven-Aufbau hinein, die vordere Beifahrertür ließ sich nicht mehr öffnen", kritisiert Max Lang. Chaos herrschte nach dem Crash im Wohnraum: Die Staukästen der Quer- und Längssitzbänke waren aus den Fugen gerissen, die Sitzflächen teilweise eingebrochen. Die Inhalte diverser Stauboxen waren im gesamten Wohnraum verteilt, weil unter anderem Besteckkasten und Türen von Spülen- und Vorratsschrank aus der Verankerung gerissen worden sind.
Insassen durch "fliegendes Mobiliar" massiv gefährdet
Den "Passagieren" erging es beim Crash unterschiedlich. Fahrer und Beifahrer, beide mit Dreipunktgurt gesichert, wären in der Realität nur leicht verletzt worden, das Tempo war beim Crash mit 32 km/h allerdings sehr gering. Beide Gurtstraffer lösten zu spät aus, der Fahrer schlug mit dem Kopf am Lenkrad auf, der Beifahrer entging knapp einem Aufprall auf dem Armaturenbrett. Lang: "Bei höherer Geschwindigkeit steigt auch das Verletzungsrisiko."
Die Insassen im Wohnteil waren stärker gefährdet. Der mit Beckengurt gesicherte und entgegen der Fahrtrichtung sitzende Dummy krachte gegen den Dachrahmen im Durchgang zwischen Wohnaufbau und Fahrerhaus, sein Hals wurde durch den Rückstoß überstreckt, die Tischplatte versetzte ihm einen Kantenschlag in den Bauch- und Brustbereich. Die beiden in Fahrtrichtung sitzenden und mit Dreipunktgurten gesicherten Dummies tauchten beinahe unter dem Gurt durch, als die Sitzflächenplatte einbrach. Das kann im Ernstfall zu kritischen Bauchverletzungen führen. Alle Passagiere waren während des Crashs durch herumwirbelnde Teile massiv gefährdet.
Das können Hersteller für die Crash-Sicherheit tun
Seit dem Wohnmobil-Crashtest im Jahr 1993 hat es wesentliche Verbesserungen im Insassenschutz gegeben. Damals hat ein Dummy im Wohnraum sogar die Tischplatte mit dem Kopf durchschlagen. Die Industrie hat auf die damaligen Ergebnisse reagiert und Forderungen umgesetzt. Auch nach dem aktuellen Test orten die Crashtest-Experten Handlungsbedarf: