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18.06.2012

Nur jeder Siebente mit einem Feuerlöscher im Auto unterwegs

Bei einem Fahrzeugbrand entscheiden oft wenige Sekunden

Feuerlöscher als Lebensretter © Archiv
Feuerlöscher als Lebensretter - mehr als 330 Fahrzeugbrände passieren jährlich auf Oberösterreichs Straßen.
Mehr als 330 Fahrzeugbrände ereignen sich jährlich auf Oberösterreichs Straßen. 335 Mal mussten alleine im Vorjahr die 888 Freiwilligen und 35 Betriebsfeuerwehren im Land ob der Enns zu einem derartigen Einsatz ausrücken. Gerade jetzt im Sommer, zur Hauptreisezeit vieler Urlauber, ist es wieder besonderes brandgefährlich. Denn lange Autofahrten sind nicht nur eine große Belastung für uns Menschen, auch das Fahrzeug erbringt während der Sommermonate Höchstleistungen.

Nur 14 Prozent haben einen Feuerlöscher mit

"Ein Brand ist im Ausbruchsstadium am effektivsten zu bekämpfen", erläutert Landes-Feuerwehrkommandant Dr. Wolfgang Kronsteiner und plädiert deshalb, im Auto immer einen Feuerlöscher mitzuführen. "Wichtig ist es auch, diesen so einzubauen, dass er im Notfall rasch entnommen werden kann." Nur knapp 14 Prozent der Landsleute haben aber einen geeigneten Feuerlöscher im Auto mit dabei, wie eine aktuelle Erhebung an den 18 ÖAMTC Stützpunkten Oberösterreichs ergab. „Von 883 überprüften Fahrzeugen führten im Beobachtungszeitraum von 15. bis 18. Mai 2012 lediglich 123 Lenker, das sind knapp 14 Prozent, einen Feuerlöscher im Auto mit. Die Gefahr wird von vielen unterschätzt, kann sich aber bei einem Brand in einem Tunnel fatal auswirken“, so Manfred Schöberl, Technischer Leiter des ÖAMTC Oberösterreich. Nach den Bezirken gab es jedoch sehr große Unterschiede. „Die vorbildlichsten Autofahrer sind in Gmunden mit 28,5 Prozent, gefolgt von Linz mit 26,9 Prozent anzutreffen. Am schlechtesten schnitt der Bezirk Ried ab, dort hatte nur ein einziger von 56 überprüften Fahrzeugen einen Feuerlöscher mit dabei.“

Defekte Kabeln als häufigste Brandursache
„Autos verfügen heutzutage über immer mehr Komfortelektronik und elektronische Steuergeräte. Das beginnt bei der elektronischen Sitzverstellung über die Sitzheizung hin zur vollelektronischen Klimaanlage“, erklärt Ing. Gerhard Maier, ÖAMTC Stützpunktleiter von Linz. „Ein Kurzschluss durch Wartungsmängel oder unsachgemäß verlegte Elektroleitungen sind die häufigsten Brandursachen“, weiß der ÖAMTC Technikexperte. Ebenso wenn Kabel an einen existierenden Stromkreis ohne Verwendung von separater Absicherungen bzw. Relais angehängt werden. Maier: „Das kommt in vielen Fällen beim nachträglichen Einbau zusätzlicher Nebelscheinwerfer oder von Xenonlichtanlagen vor. Auch laienhaft angebrachte Verkabelungen bei Audioanlagen mit Verstärker erhöhen die Gefahr eines Kabelstrang-Brandes. Bei älteren Fahrzeugmodellen sind oft defekte Kraftstoffleitungen oder marode Motordichtungen die Übeltäter, bei jüngeren Autos sind es undichte Stellen bei Einspritzanlagen.“

Jede Sekunde zählt
Auch ein beschädigter Tank mit auslaufendem Kraftstoff ist nach Aufprallunfällen oft Auslöser für einen Autobrand. Entzündet sich Benzin oder Diesel, droht den Fahrzeuginsassen, noch bevor der Brand ins Fahrzeuginnere vorgedrungen ist, schon nach wenigen Minuten Erstickungsgefahr. „Die Rauchgase fangen an sich sofort im Fahrzeug auszubreiten. Sind Unfallopfer in brennenden Autowracks eingeklemmt, zählt jede Sekunde. Wichtig ist hier, rasch einzugreifen und die Initiative zum Löschen zu ergreifen. Oft scheitert dies aber an der Unsicherheit oder eines fehlenden ?Retters?, einem Feuerlöscher, im eigenen Fahrzeug“, so Schöberl.

Feuerlöscher als Lebensretter
Selbst ein kleiner Feuerlöscher kann Leben retten. Denn bis sich ein Kleinbrand oder eine Stichflamme zum Vollbrand entwickelt, dauert es in der Regel nur wenige Minuten. Eingeklemmte Personen im Fahrzeuginneren sind den Flammen damit hilflos ausgeliefert. Denn bis die alarmierte Feuerwehr zum Einsatzort kommt, können Unfallzeugen versuchen den Brand einzudämmen. "Wir appellieren an die Autofahrer, im Falle des Falles Zivilcourage zu zeigen und helfend auch bei anderen einzugreifen", ergänzt der stellvertretende Landes-Feuerwehrchef, Robert Mayer. "Jeder von uns kann in die Lage geraten, beispielsweise bei einem Unfall sein eigenes Auto nicht mehr selbst löschen zu können und ist auf Hilfe anderer angewiesen".

„Explosionen gibt es nur im Fernsehen“

Rasche Hilfemaßnahmen scheitern oft an zwei Faktoren: Entweder fehlt den Unfallzeugen das notwendige Werkzeug, ein Feuerlöscher, zur Brandbekämpfung oder sie haben eine Hemmschwelle bei Autobränden. „Autos explodieren nicht so einfach, das gibt es nur im Fernsehen“, entwarnt der ÖAMTC Stützpunktleiter. Stichflammen sind jedoch möglich. Mit der richtigen Technik und mit dem richtigen Verhalten können Autos vor dem vollständigen Ausbrennen bewahrt werden. Obwohl es in der Praxis weniger darum geht, ein brennendes Auto zu löschen, sondern in erster Linie darum, eingeklemmte Personen vor den Flammen zu retten.
 
Richtiges Verhalten bei Brandunfällen
„Bemerkt man in seinem eigenen Fahrzeug Rauchentwicklung im Motorraum, sollte man ohne panische Vollbremsung oder Spurwechsel das Fahrzeug zum Stehen bringen“, so Maier. „Es ist wichtig, Ruhe zu bewahren und sofort die Feuerwehr unter dem Notruf 122 zu verständigen. Nicht zu vergessen, die Zündung aus- und die Warnblinkanlage einzuschalten. Dann die Motorhaube entriegeln, die Warnweste überziehen und das Fahrzeug so schnell wie möglich verlassen.“ Wenn noch keine große Rauchentwicklung sichtbar ist, kann mit den Löschversuchen gestartet werden. Dazu zuerst den Feuerlöscher entsichern und die Motorhaube einen kleinen Spalt öffnen.

"Wichtig ist es, den Feuerlöscher immer nur stoßweise zu benutzen", erklärt Landesfeuerwehr- Kommandant Kronsteiner die richtige Handhabung des Erstlöschgerätes. "In der Aufregung wird der Löscher gerne dauerhaft benutzt, bis das Pulver vollständig verbraucht ist und man erst danach erkennt, dass es an anderer Stelle noch brennt. Berechtigt kann die Meinung auftauchen, dass man mit einem 2-Kilogramm-Löscher bereits geübt sein muss, um einen Pkw-Brand etwas außerhalb des Entstehungsstadiums noch löschen zu können. Aber auch hier sollte das Feuerwehrprinzip der gemeinsamen Stärke zur Anwendung kommen. Mehrere kleine Feuerlöscher können bereits eine ausgezeichnete Löschleistung bewirken.“

Löschen will geübt sein
"Wichtig ist es jedoch auch, sich bereits vor einem Notfall im Vorfeld mit der Handhabung eines Feuerlöschers auseinander zu setzen. Vielfach werden von den Feuerwehren auch derartige Möglichkeiten angeboten. Denn nur was in Friedenszeiten auch trainiert wird, kann im Ernstfall reibungslos funktionieren", betont Kronsteiner.

Die Richtige Handhabung
Video - Der Feuerlöscher im Auto mit Löschtipps (von Hermann Kollinger, OÖ Landesfeuerwehrverband)

Feuerlöscher alle zwei Jahre überprüfen lassen
Mindestens ebenso wichtig wie die richtige Handhabung ist die Instandhaltung und regelmäßige Kontrolle. Um sicher zu gehen, dass das Gerät auch funktioniert, wenn es gebraucht wird, sind handelsübliche Feuerlöscher regelmäßig mindestens alle 2 Jahre durch Sachkundige zu prüfen. Die Überprüfung dient vor allem der ordnungsgemäßen Funktion des Feuerlöschers und der Sicherheit des Benutzers eines Feuerlöschers. Bei ordnungsgemäßer Überprüfung erhält der Feuerlöscher eine Prüfplakette, auf der ersichtlich ist, wann er zuletzt überprüft wurde. Ausgelöste Feuerlöscher sind entsprechenden Fachbetrieben zur Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft zu übergeben. Eine derartige Überprüfung wird von vielen Feuerwehren in Oberösterreich angeboten.

Feuerlöscher im Auto richtig verstauen – ein Dilemma

Der ÖAMTC empfiehlt jedem, zusätzlich zur verpflichtenden Ausrüstung, wie die Autoapotheke, die Warnweste und das Pannendreieck, unbedingt um einen Feuerlöscher zu ergänzen. Wo der Feuerlöscher am besten untergebracht wird, muss man sich bei jedem Auto individuell ansehen. Es gibt keine allgemeingültige Empfehlung, im Notfall soll er nur rasch zur Hand sein. „In der letzten Ecke des Kofferraums ist die rasche Verfügbarkeit des Erstlöschgerätes nicht immer garantiert. Ein Feuerlöscher sollte immer ordnungsgemäß gesichert eingebaut werden, damit er bei einer Notbremsung nicht zu einem lebensgefährlichen Geschoss wird. Ein serienmäßiger Einbau der Autohersteller in alle neueren Fahrzeuge wäre hier sinnvoll“, fordert Schöberl.

Mitführpflicht von Feuerlöschern beim Urlaub im Ausland
Zu beachten sind gerade jetzt zur Urlaubs- und Reisezeit die unterschiedlichen Mitführpflichten im Ausland: Im Baltikum sowie in Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Russland und in der Türkei muss ein Feuerlöscher verpflichtend im Auto mitgeführt werden.


Minus 25 Prozent Aktion auf Feuerlöschartikel im Juni
Noch den gesamten Juni sind an allen 18 ÖAMTC Stützpunkten Oberösterreichs die Brandschutzartikel um minus 25 Prozent erhältlich. Das Angebot gilt auch für Nicht-Mitglieder.