Wie das Low Flight Network Notarzthubschrauber und Crews sicher durch den Nebel bringt. EINTAUCHEN Christophorus Juni 2026 M A G A Z I N Z E I TSCHR I FT DE R ÖAMTC- F LUGR ETTUNG Österreichische Post AG – MZ 03Z035183 M – Christophorus Magazin, Baumgasse 129, 1030 Wien Emotion Perfekte Rettungskette rettet Leben im Mühlviertel. Seite 4 Innovation Grundstein für ein landesweites Versorgungsnetz. Seite 12
2 FÜR E DA, . T NET KE GUT R T. Ein Anruf reicht und ein Hausarzt ist rund um die Uhr für Sie da: Das und vieles mehr kann unsere Krankenversicherung. HOMEOF
3 INHALT Widmung Grenzenlos im Einsatz Gemeinsamer Weg Am Puls der Zeit Ein Mobilfunkmast im oberösterreichischen Mühlviertel als sichtbares Zeichen für Zivilcourage. Die technische Kompetenz der HeliAir sichert europaweit Betreibern höchste Qualität. Neue Partnerschaft mit den Planai-Hochwurzen-Bahnen sorgt für mehr Sicherheit im alpinen Betrieb. Christophorus 4 in Kitzbühel wird ab September als zweiter Hubschrauber der ÖAMTC-Flugrettung mit einer Winde ausgerüstet. 4. Emotion 19. Information 14. Innovation 15. Vision 12. Mit der Übernahme der Flugrettung des Innenministeriums legte der ÖAMTC vor 25 Jahren den Grundstein für ein flächendeckendes Netz. 16. Point in Space ist die Zukunft, der Aufbau eines Low Flight Networks der Weg dorthin. 7. Warum die ÖAMTC-Flugrettung gemeinsam mit Feuerwehren regelmäßig das Undenkbare übt. Fotos: FFNeustift/STubaital (1), Archiv (1), Tomas Kika (1); COVERFOTO: Stefan Pichlsberger Meilensteine Während ich diese Zeilen schreibe, steht die ÖAMTC-Flugrettung unmittelbar vor einem ganz besonderen Moment: dem 500.000. Einsatz in ihrer Geschichte. Wenn Sie diese Ausgabe in Händen halten, ist dieser Meilenstein bereits erreicht. Er ist ein eindrucksvolles Zeichen für jahrzehntelange Einsatzbereitschaft, höchste Professionalität und das Vertrauen, das uns entgegengebracht wird. Mehr über diesen besonderen Einsatz erfahren Sie im nächsten Christophorus-Magazin. In dieser Ausgabe blicken wir auf einen anderen entscheidenden Meilenstein zurück: Vor genau 25 Jahren hat die ÖAMTC-Flugrettung acht Stützpunkte vom Innenministerium und vom Bundesheer übernommen. Diese richtungsweisende Entscheidung war die Grundlage für den Aufbau jenes flächendeckenden Netzes, das heute eine schnelle und hochqualitative Notfallversorgung aus der Luft in ganz Österreich ermöglicht. Mit der Übernahme wuchs nicht nur die Zahl der Standorte, sondern auch die Verantwortung. Sie war Ausdruck des Vertrauens in die Kompetenz, die Qualität und die Verlässlichkeit unserer Organisation. Zugleich stand sie aber auch am Beginn einer Entwicklung, die die ÖAMTC-Flugrettung nachhaltig geprägt hat. Dass wir heute österreichweit Menschen rasch und professionell helfen können, ist eng mit diesem Schritt verbunden. Er zeigt, wie wichtig strategischer Weitblick und konsequente Weiterentwicklung für eine starke Flugrettung sind – damals wie heute. Heißhunger Vernetzungstreffen Wie sich gesunde Ernährung mit einem Arbeitsalltag vereinbaren lässt, der keine planbaren Pausen kennt. Als dezentrale Organisation hat der jährliche persönliche Austausch einen besonderen Stellenwert. 8. 11. MARCO TREFANITZ Geschäftsführung ÖAMTC-Flugrettung
Als Rudi Pfoser am 10. Dezember 2024 am Hochficht plötzlich zusammenbrach, war für die Menschen rund um ihn sofort klar: Hier geht es um Leben und Tod. Unter ihnen war auch Markus Mittermüller. Ohne zu zögern, griff er zum Handy, setzte den Notruf ab und blieb mit der Leitstelle in Verbindung. Gemeinsam mit weiteren Ersthelfern tat er das, was in solchen Momenten zählt: ruhig bleiben, helfen, dableiben. Was danach folgte, war ein Zusammenspiel vieler Menschen, die alle dasselbe Ziel hatten. Während die Leitstelle die nächsten Schritte koordinierte, machten sich Einsatzkräfte des Roten Kreuzes auf den Weg zum Einsatzort. Gleichzeitig wurde auch der ÖAMTCNotarzthubschrauber Christophorus 10 in Linz alarmiert. Vor Ort musste Pfoser bereits reanimiert werden. Dass er heute noch 4 WENN EIN NOTRUF SICHTBAR WIRD Warum ein Mobilfunkmast im oberösterreichischen Mühlviertel an Zivilcourage, Teamarbeit sowie an eine erfolgreiche Lebensrettung erinnert. EMOTION Christophorus von Ralph Schüller
5 EMOTION Christophorus lebt, verdankt er nicht nur einer funktionierenden Rettungskette sondern auch Menschen, die einfach gehandelt haben, obwohl niemand wusste, wie die Geschichte ausgehen würde. Sichtbares Zeichen Mehr als ein Jahr später gibt es jetzt am Hochficht eine eher ungewöhnliche Form der Anerkennung. Die Mobilfunkstation beim Gasthaus „Zum Überleben“, über die damals der Notruf abgesetzt wurde, trägt nun den Namen von Markus Mittermüller. Bei der Übergabe der Widmungsurkunde durch das Forum Mobilkommunikation kam es auch zu einem Wiedersehen, das alle Beteiligten bewegte. Rudi Pfoser traf jenen Mann wieder, der damals den Notruf abgesetzt hatte. Mit dabei waren auch Freunde, Angehörige und Einsatzkräfte, die an diesem Tag gemeinsam daran gearbeitet hatten, ein Leben zu retten. Der Einsatz zeigt eindrucksvoll, wie eng im gesamten Rettungssystem alles miteinander verzahnt ist. Am Anfang steht oft ein einzelner Mensch, der handelt. Darauf folgen die strukturierte Alarmierung über die Leitstelle, das koordinierte Zusammenwirken von Einsatzkräften am Boden und aus der Luft und schließlich die medizinische Versorgung auf höchstem Niveau. Ohne funktionierenden Mobilfunk wäre diese Kette jedoch gar nicht erst in Gang gekommen. Partner Mobilfunk Mobilfunk ist heutzutage selbstverständlich geworden. Man denkt dabei in erster Linie an Erreichbarkeit, an Nachrichten oder auch daran, schnell einmal etwas nachschauen zu können. Wie wichtig ein stabiles Netz im Ernstfall sein kann, wird jedoch oft erst dann bewusst, wenn jede Minute zählt. Gerade in alpinen Regionen ist diese technische Infrastruktur aber entscheidender Teil der Rettungskette. Ein Notruf ermöglicht nicht nur, Hilfe zu alarmieren. Er schafft auch die Verbindung zur Leitstelle, die Ersthelfer:innen anleitet, Informationen sammelt und die nächsten Schritte koordiniert. Oft laufen in diesen Minuten viele Dinge parallel ab. Von der Alarmierung über die Organisation unterschiedlicher Ressourcen bis hin zur Auswahl des geeigneten Zielkrankenhauses. Auch am Hochficht war genau das ein wesentlicher Baustein für den positiven Ausgang. Zivilcourage kann jede:r Diese Geschichte steht für zwei zentrale Aspekte moderner Notfallversorgung: für die Bedeutung funktionierender Systeme und für den Mut einzelner Menschen, Verantwortung zu übernehmen. Markus Mittermüller ist kein Rettungsprofi. Er war einfach jemand, der nicht weggeschaut hat. Viele unterschätzen, wie viel sie selbst in einer Notlage beitragen können. Dabei geht es selten darum, alles richtig zu machen, sondern vielmehr darum, überhaupt etwas zu tun, den Notruf zu wählen, bei jemandem zu bleiben oder Erste Hilfe zu leisten. Niemand muss dabei alles perfekt machen. Dafür gibt es Leitstellen, die unterstützen, und Rettungskräfte, die in weiterer Folge übernehmen. Aber in erster Linie braucht es jemanden, der:die den ersten Schritt setzt. Markus Mittermüller hat „Mobilfunk hält die gesamte Rettungskette zusammen, vom Notruf bis zur Übergabe der Patient:innen im Krankenhaus.“ JOHANNES SCHÖFFL, ÖAMTC-Pilot mit seinem Notruf diesen ersten, entscheidenden Schritt gesetzt. Und genau daran erinnert der Mobilfunkmast, der heute seinen Namen trägt. Bereits die dritte „Lebensretter-Station“ Markus Mittermüller ist bereits der dritte Österreicher, dem eine Mobilfunkstation gewidmet wurde, weil sein Notruf ein Leben rettete. Nach dem jungen Niederösterreicher Matteo Eichinger im Jahr 2024 und dem Salzburger Tristan Trigler im Jahr 2025 erinnert nun auch am Hochficht eine „Lebensretter-Station“ daran, wie wichtig Zivilcourage, funktionierende Technik und eingespielte Zusammenarbeit im Ernstfall sind. ▲ Markus Mittermüller (4. v. r.) und Rudi Pfoser (2. v. r.) bei der Übergabe der Widmung. Fotos: Stift Schlägl (1), FMK (1)
6 EMOTION Christophorus Dreharbeiten in Zams. Günter Grassinger hebt mit Christophorus 2 zu seinem letzten Einsatz ab. Ein Leben für die ÖAMTC-Flugrettung Abflug in den Ruhestand für Günter Grassinger nach über 30 Jahren im Cockpit. Mit seinem letzten Flug Anfang Mai ging bei der ÖAMTC-Flugrettung eine lange Pilotenkarriere zu Ende: Günter Grassinger verabschiedete sich nach mehr als 30 Jahren im Cockpit in den Ruhestand. Seit 2001 war er am Christophorus 2 in Krems im Einsatz, ab 2007 leitete er den Stützpunkt. Die Begeisterung für die Fliegerei begleitete Grassinger schon seit jungen Jahren. Nach seiner Ausbildung beim Bundesheer wurde er Einsatzpilot und später Fluglehrer, bevor er 1993 als Freelancer zur ÖAMTC-Flugrettung kam. Vier Jahre später folgte dann die fixe Anstellung. Bevor er seine Zelte in Krems aufschlug, war Grassinger in Innsbruck stationiert und als Springer auf mehreren Christophorus-Stützpunkten im Einsatz. In seine Amtszeit fiel auch die Einführung des Nachtflugbetriebs, die er maßgeblich mitgestaltete. Mehr als 8.000 Flugstunden und rund 10.200 Einsätze stehen am Ende seiner fliegerischen Laufbahn. Im Ruhestand freut sich der langjährige Pilot nun auf mehr Zeit mit seiner Familie und auf die Umsetzung privater Projekte im eigenen Garten. Karl Pramendorfer (Präsident ÖAMTC OÖ), LH Thomas Stelzer, LR Christine Haberlander und Marco Trefanitz (CEO ÖAMTC-Flugrettung) beim Pressetermin in Linz. Künftig rund um die Uhr im Einsatz Ausbau der 24/7-Verfügbarkeit in Oberösterreich und angrenzenden Regionen. Mit Christophorus Europa 3 nimmt im Herbst der vierte ÖAMTC-Notarzthubschrauber den 24/7-Betrieb auf. Der Stützpunkt in Suben spielt aufgrund seiner Lage nahe der deutschen Grenze eine wichtige Rolle in der überregionalen Notfallversorgung. Durch den nächtlichen Flugbetrieb kann diese in Oberösterreich und den angrenzenden Regionen künftig weiter verbessert werden. So setzt die ÖAMTC-Flugrettung den weiteren Ausbau ihres rund um die Uhr verfügbaren Versorgungsnetzes erfolgreich fort. Lebensrettung ist Teamarbeit Ein Video zeigt, wie entscheidend das Zusammenspiel aller Beteiligten in der Notfallmedizin ist. Zum „Emergency Medicine Day“ am 27. Mai machten das Krankenhaus Zams, das Rote Kreuz Landeck und die Crew von Christophorus 5 die Bedeutung eingespielter Zusammenarbeit in der Notfallmedizin sichtbar. Gemeinsam produzierten sie ein Video, das die Rettung eines Tirolers nachstellt und dabei eindrucksvoll das nahtlose Ineinandergreifen der unterschiedlichen Organisationen und Institutionen zeigt. Im Mittelpunkt steht die Geschichte des Patienten, der seine Rettung selbst schildert. Das Video zeigt authentisch, wie wichtig abgestimmte Abläufe und die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten im Ernstfall sind – von der präklinischen Versorgung bis zur weiteren Behandlung im Krankenhaus. Mit der gemeinsamen Aktion soll auf die tägliche Arbeit der Einsatzkräfte und medizinischen Teams aufmerksam gemacht werden, denn erfolgreiche Notfallversorgung funktioniert nur als Team. Das Video „Wenn Sekunden entscheiden“ kann hier angeschaut werden.
7 EMOTION Christophorus Bewegendes Wiedersehen Happy End nach erfolgreicher Reanimation auf der Skipiste. Besondere Momente gehören auch zum Alltag in der Flugrettung. So kam es am Stützpunkt von Christophorus 17 in Sankt Michael kürzlich zu einem bewegenden Wiedersehen zwischen Notärztin Laura Thurner und einem ehemaligen Patienten. Dieser war Anfang Februar nach einem medizinischen Notfall direkt von der Skipiste am Gaberl geborgen worden und musste noch vor Ort reanimiert werden. Nach der intensivmedizinischen Erstversorgung durch die Crew wurde er in die Klinik nach Graz geflogen und dort weiterbehandelt. Nur wenige Monate später besuchte er seine Retter:innen am Stützpunkt in der Obersteiermark als sichtbares Zeichen dafür, wie entscheidend das schnelle und eingespielte Handeln aller Beteiligten war. „Auch für uns ist es immer wieder etwas ganz Besonderes, Patient:innen nach so einem Einsatz wiederzusehen, vor allem, wenn man weiß, wie kritisch die Situation damals war“, zeigte sich die Notärztin über den unerwarteten Besuch erfreut. Was hoffentlich nie passiert, muss im Fall der Fälle trotzdem funktionieren. Deshalb trainiert die ÖAMTCFlugrettung regelmäßig mit regionalen Einsatzorganisationen, wie zum Beispiel den freiwilligen Feuerwehren, genau jene Szenarien, die sich keine:r wünscht: Zwischenfälle mit Hubschraubern am Boden. In den vergangenen Wochen standen gleich zwei solcher Notfallübungen auf dem Programm, mit dem Ziel, Abläufe zu festigen, Handgriffe zu automatisieren und die Zusammenarbeit stärken. Übungsannahme Hubschrauber sind keine Autos, und genau darin liegt eine der größten Herausforderungen für die Einsatzkräfte. Türen, Gurte, Bauweise und Gefahrenpotenziale unterscheiden sich grundlegend. Regelmäßige Übungen stellen daher sicher, dass Feuerwehr und Klinikpersonal auch unter Stress wissen, was zu tun ist. Vom richtigen Öffnen der Türen über das Lösen der Gurte bis hin zum sicheren Arbeiten rund um den Rotor oder bei auslaufendem Treibstoff. Ein zentraler Bestandteil der Übungen ist daher auch der vorbeugende und begleitende Brandschutz. Das schnelle Aufbauen von Löschleitungen und das Absichern des Umfelds gehören ebenso dazu wie die technische Menschenrettung. Ganz gleich ob am Flugplatz im Stubaital oder am Hubschrauberlandeplatz des Landesklinikums Amstetten, geübt wird immer unter möglichst realitätsnahen Bedingungen. Diese regelmäßigen gemeinsamen Übungen schaffen Vertrauen, verkürzen Entscheidungswege und sorgen dafür, dass im Ernstfall jede:r die eigene Rolle kennt. ▲ Training für Ernstfälle Warum die ÖAMTC-Flugrettung gemeinsam mit Feuerwehren regelmäßig das Undenkbare probt. In Amstetten wurde der „Hupfschrauber“ für die Übung zweckentfremdet. Erinnerungsbild mit Notärztin. Fotos: BFK Amstetten (1), zVg (1), Fotoplutsch (1), Land OÖ (1), Jonas Grasberger (1)
8 INFORMATION Christophorus ZWISCHEN ADRENALIN UND HEISSHUNGER Wie lässt sich eine gesunde Lebensweise mit einem Arbeitsalltag vereinbaren, der oft keine planbaren Pausen kennt und bei dem der nächste Einsatz nur eine Alarmierung entfernt ist? › Fotos: pixabay (1) Professionelle Flugrettung beginnt lange vor dem ersten Funkspruch. Während technische Präzision, fliegerisches Handwerk und medizinisches High-End-Training seit jeher zur Grundausstattung der ÖAMTCFlugrettung gehören, rückt ein weiterer Sicherheitsfaktor immer stärker in den Fokus: die körperliche und mentale Fitness der Crew. „Die Themen Gesundheit und Ernährung sind im Einsatzalltag von zentraler Bedeutung, besonders angesichts der hohen physischen und psychischen Belastungen, denen unsere Teams täglich ausgesetzt sind“, betont Wolfgang Voelckel, ärztlicher Leiter der ÖAMTCFlugrettung. Das Hauptproblem in der Ernährung am Stützpunkt ist selten ein Mangel an theoretischem Wissen. Die meisten Teammitglieder sind medizinisch geschult und wissen genau, was eine ausgewogene Kost ausmacht. Die eigentliche Hürde ist die Dienstrealität. Der Arbeitsalltag ist geprägt von Schichtdienst, hoher mentaler Belastung und absoluter Unvorhersehbarkeit. „In der Dienstrealität gibt es keine fixen Zeitfenster für Mahlzeiten. Wenn der Piepser geht, müssen wir sofort einsatzbereit sein“, erklärt Josef Penatzer, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und leitender Notarzt am Stützpunkt Alpin Heli 6. Darüber hinaus ist er für die medizinische Einstiegsuntersuchung neuer Crewmitglieder zuständig. Teufelskreis Oft konzentrieren sich Einsätze genau um die Mittagszeit. „Der Klassiker ist, dass wir uns zum Essen hinsetzen und dann der Notruf hereinkommt“, schmunzelt Voelckel. Diese Unplanmäßigkeit führt manchmal in einen Teufelskreis: Mahlzeiten werden ausgelassen und durch schnelle Energie in Form von Kaffee, Energydrinks oder zuckerhaltigen Snacks ersetzt. Dieses „chaotische Snacken“, wie Penatzer es nennt, führt jedoch zu massiven Blutzuckerschwankungen. Es stabilisiert die Energie nicht nachhaltig, sondern provoziert kurz nach dem künstlichen Hoch ein tiefes Konzentrationsloch. Werden die Hauptkalorien aufgrund eines einsatzreichen Tages erst spätabends zugeführt, leidet zudem die Schlafqualität massiv. Der Körper ist mit Verdauen beschäftigt, statt sich zu regenerieren, was die Leistungsfähigkeit für den nächsten Tag mindert. Werkzeug In der Flugrettung ist Ernährung kein Lifestyle-Thema und keine Frage der Ästhetik. Sie ist ein funktionales Werkzeug. Die Crew wechselt binnen Sekunden vom Stand-by- in den Hochleistungsmodus. Eine Unterversorgung oder eine Dehydrierung mindert die Konzentrationsfähigkeit und die Feinmotorik nachweislich. In Situationen, in denen komplexe medizinische Maßnahmen unter Zeitdruck oder in schwierigem alpinem Gelände durchgeführt werden müssen, kann die kognitive Schärfe lebensentscheidend sein. Penatzer betont, dass eine durchdachte Nährstoffzufuhr die notwendige „physiologische Reserve“ bildet. Nur wer seinen Körper kontinuierlich mit hochwertigen Brennstoffen versorgt, kann genau dann Höchstleistung abrufen, wenn die Belastungen am größten sind. Dabei geht es nicht nur um Kalorien, sondern um die richtige Mischung aus komplexen Kohlenhydraten, Proteinen und gesunden Fetten, die den Insulinspiegel flach halten und Heißhungerattacken verhindern. Sozialer Anker An den Christophorus-Stützpunkten ist laut den beiden Flugrettungsärzten das Frühstück eine der wichtigsten (sozialen) Mahlzeiten – als erstes Briefing, Informationsaustausch und Start in den gemeinsamen Tag. Es dient dem „Nivellieren“: „Man bespricht den Tag und spürt, wie die Kolleg:innen mental und körperlich eingestellt sind“, erläutert Voelckel, und Penatzer ergänzt: „Das Frühstück von Antonia Lang
9 INFORMATION Christophorus
10 INFORMATION Christophorus ist eine der wenigen Mahlzeiten, die wir meist noch in Ruhe gemeinsam einnehmen können.“ Bisher dominiert an vielen Stützpunkten das klassische, deftige Frühstück: Weißgebäck, Brot, Wurstwaren, Butter, Ei und Käse. Aus medizinischer Sicht ist dies jedoch suboptimal, da hochverarbeitete Lebensmittel und einfache Kohlenhydrate zwar schnell sättigen, aber ebenso schnell zu einem Leistungstief führen. Penatzer sieht hier einen Hebel für Veränderung hin zu protein- und ballaststoffreichen Alternativen. „Skyr, Topfen, Frischkäse, Cottage Cheese, Nüsse und Obst sollten den Standard bilden“, erklärt der Kardiologe. Diese Kombination sorgt für eine stabile Sättigung und verhindert Heißhungerattacken sowie das gefürchtete Konzentrationstief nach dem Essen. Ballaststoffe und Proteine nivellieren den Blutzuckerspiegel und halten die Crew mental wach – eine Grundvoraussetzung für komplexe Aufgaben während des Einsatzes. Snacks und Drinks Ein positiver Aspekt im harten Einsatzalltag ist die Unterstützung durch manche Krankenhäuser. Die dort bereitgestellten Snack- und Drink-Bars für die Flugrettungscrew sind eine wertvolle Geste der Wertschätzung und ermöglichen eine schnelle Energieversorgung zwischen den Einsätzen. Denn ein Folgeeinsatz kann schon auf dem Rückflug zum Stützpunkt eintreten. Josef Penatzer regt jedoch an, auch hier die Auswahl langfristig in Richtung Proteine zu optimieren. Hitze-, Kälte- und Flüssigkeitsmanagement Besondere körperliche Herausforderungen entstehen für die Crew durch extreme Wetterlagen. Lange Sommertage mit weit über 30 Grad führen zu einer massiven Flüssigkeits- und Elektrolyteinbuße. Ein ausreichendes Flüssigkeitsmanagement ist hierbei essenziell. Dehydration führt bereits bei einem Verlust von nur zwei Prozent des Körpergewichts zu Kopfschmerzen und einer verlangsamten Reaktionszeit. Da Erwachsene unter Stress ihr Durstgefühl schlechter regulieren können, wird Durst oft fälschlich als Hunger interpretiert. Eine konsequente Hydration ist daher essenziell für die kognitive Leistung der ChristophorusCrew während des Einsatzes. Im Winter hingegen zehren Kälte und die kurzen, aber intensiven Tage an den Reserven. Der Körper benötigt mehr Energie, um die Betriebstemperatur zu halten. Die Organisation des Einkaufs und der Verpflegung liegt dabei in der individuellen Verantwortung der Stützpunkte und wird meist von den Base-Manager:innen koordiniert. Hier zeigen sich unterschiedliche, oft sehr kreative Lösungswege, um der kulinarischen Sackgasse zu entkommen. Lokal und regional Manche Stützpunkte nutzen den Großhandel oder beziehen ConvenienceFood, das im Notfall schnell aufgewärmt werden kann. Eine Analyse der Convenience-Produkte durch Josef Penatzer zeigt oft einen zu hohen Salzgehalt (über sechs Gramm pro Portion) bei gleichzeitig zu geringem Proteinanteil. Andere Christophorus-Crews setzen konsequent auf lokale Netzwerke, beziehen Brot von Bäcker:innen vor Ort oder Fleischwaren von regionalen Produzent:innen, um die Qualität hochzuhalten. Auch unterschiedliche Dienstfrequenzen und -rhythmen der Crewmitglieder sind entscheidend. „Gerade für die Piloten, welche eine Woche am Stützpunkt sind, gilt, darauf zu achten, dass sie sich während demDienst gut ernähren und in keinen Mangel fallen“, betont Wolfgang Voelckel. Diese langen Aufenthalte benötigen gezielte Aufmerksamkeit in Sachen Ernährung. Das gemeinsame Frühstück ist für die Christophorus-Crew der beste Start in einen stressigen Dienstalltag. Fotos: ÖAMTC/Pichlsberger (2), Safran Helicopter Engines (1), zVg (1)
11 INFORMATION Christophorus Smarte Lösungen Ein Trend, der sich immer stärker durchsetzt, ist das gemeinsame Kochen am Stützpunkt. Dies fördert nicht nur die Gesundheit, sondern ist auch ein wichtiger Faktor für das Teambuilding. Hilfsmittel wie moderne Küchengeräte unterstützen die Crews dabei, trotz Zeitmangel frische Mahlzeiten zuzubereiten und den Stress aus der Stützpunktküche zu nehmen. Der Christophorus-Stützpunkt C1 in Innsbruck hat unter Leitung von Pilot Stefan Kapeller hier eine Vorreiterrolle eingenommen und die Ernährung der Crew umgestellt. Ein neu organisierter Thermomix hat sich dort als wahrer Gamechanger erwiesen. „Bei der Geräteschulung waren zunächst 17 Crewmitglieder dabei. Beim zweiten Termin lauschten weitere zwölf den Erklärungen. Die Resonanz war sehr gut“, berichtet Kapeller. Wo früher schnelle Fertiggerichte dominierten, wird heute konsequent frisch gekocht. Dazu gibt es viele Salate, lokales Gemüse und frisches Obst. Stefan Kapeller: „Das Ziel ist eine Ernährung, die unterstützt statt belastet.“ Auch das vielfach gefürchtete „Suppenkoma“ nach dem Essen soll so vermieden werden, um jederzeit einsatzbereit zu bleiben. Gesund und fit Die Flugrettung der Zukunft definiert sich nicht nur über modernste Hubschraubertechnologie und medizinische Innovationen, sondern über die ganzheitliche Performance der Hubschrauberbesatzung. Die Crew ist das wichtigste Asset im Rettungssystem. Wer den Speiseplan nicht dem Zufall – oder dem Piepser – überlässt, sondern ihn als Teil seiner professionellen Vorbereitung begreift, fliegt sicherer und bleibt länger gesund. Wolfgang Voelckel betont zum Abschluss: „Gesund zu sein, heißt nicht unbedingt auch, fit zu sein. Und fit bedeutet nicht unmittelbar einsatzbereit. Daran müssen wir konsequent bei den Stützpunkten arbeiten.“ ▲ Cédric Goubet (Safran) und Marco Trefanitz in Hamburg. Alle leitenden Piloten, Flugretter und Notärzt:innen beim Treffen in Saalfelden. Starke europäische Partnerschaft Symposium und Eröffnung bei Safran Helicopter Engines in Norddeutschland. Fachlicher Austausch ist ein zentraler Baustein für Weiterentwicklung. Vor diesem Hintergrund nahm ÖAMTC-Flugrettungs-Geschäftsführer Marco Trefanitz am Customer Symposium von Safran sowie an der Eröffnung des neuen Standorts in Norderstedt teil – ideale Rahmenbedingungen für den direkten Dialog über technische Entwicklungen mit Partner:innen und Kolleg:innen aus ganz Europa. Als Customer Service Center für Hubschrauberturbinen verbindet die HeliAir zudem eine langjährige Partnerschaft auf Augenhöhe, getragen von Nähe, Vertrauen und kontinuierlicher Abstimmung, mit Safran. Jahresmeeting der ÖAMTC-Flugrettung Persönlicher Austausch über Stützpunktgrenzen hinweg. Die ÖAMTC-Flugrettung lebt vom Zusammenspiel vieler Menschen an vielen Standorten. Um alle auf den neuesten Informationsstand zu bringen, standen bei der Jahrestagung aktuelle Entwicklungen rund um Ausrüstung, Weiterbildung und Organisation im Fokus. Gleichzeitig bot das Treffen auch Raum, um Erfahrungen zu teilen, Abläufe weiterzudenken und die standortübergreifende Zusammenarbeit zu stärken. Einblicke in laufende technische Projekte lieferten zudem Kolleg:innen der HeliAir. Die Jahrestagung zeigt jedes Jahr, dass Flugrettung nicht nur auf modernster Technik basiert, sondern vor allem auf guter Kommunikation, Austausch auf Augenhöhe und starkem Teamwork.
12 INNOVATION Christophorus Anfang der 2000er-Jahre stand die österreichische Flugrettung vor einer ungewissen Zukunft. Sieben Hubschrauber des Innenministeriums sowie eine Maschine des Bundesheeres leisteten seit Jahrzehnten unschätzbare Dienste. Doch neue europaweit verschärfte luftfahrtrechtliche Vorgaben machten in nahezu allen Bereichen umfassende Anpassungen dringend notwendig, angefangen bei der Wartung über den Flugbetrieb bis hin zur Ausbildung der Crews. In Wien wurde daraufhin intensiv kalkuliert, welche finanziellen Auswirkungen diese Umstellungen mit sich bringen würden. Die Ergebnisse waren ernüchternd, denn die erforderlichen Investitionen wären erheblich gewesen. Das bestehende System war in dieser Form nicht zukunftsfähig. Damit stand nicht weniger als die Zukunft der österreichischen Flugrettung zur Debatte, verbunden mit der dringenden Suche nach einer neuen und nachhaltigen Lösung. Ein Mann, eine Vision In dieser herausfordernden Phase war es Kurt Noé-Nordberg, der nicht nur die Problematik klar erkannte, sondern auch eine konkrete Vorstellung davon entwickelte, wie eine zukunftsfähige Flugrettung in Österreich aussehen könnte. Vor 25 Jahren legte ein mutiger Schritt des ÖAMTC den Grundstein für ein landesweites Netz, das bis heute unzähligen Menschen das Leben rettet. von Ralph Schüller WEICHENSTELLUNG „Der ÖAMTC hat sich bereit erklärt, in die Bresche zu springen, wenn das Innenministerium aufhört und wenn die Länder einverstanden sind.“ KURT NOÉ-NORDBERG im Juli 2000
13 Fotos: Archiv (3) INNOVATION Christophorus Bereits 1983 hatte er als Gründervater der ÖAMTC-Flugrettung den ersten Christophorus-Notarzthubschrauber in Dienst gestellt und damit Maßstäbe gesetzt, an die er nun anknüpfen konnte. Nordberg sah in der Situation nicht nur ein Risiko, sondern vor allem die Chance, Strukturen grundlegend neu zu denken und auf ein einheitliches Fundament zu stellen. Im Mittelpunkt seiner Überlegungen stand eine spezialisierte Organisation, die mit einheitlichen Standards, professionellen Abläufen und langfristiger Effizienz die steigenden Anforderungen besser erfüllen konnte. Und überzeugt davon, dass damit wichtige Weichenstellungen für die Zukunft gelingen würden, setzte er sich auch mit großem persönlichem Einsatz und Beharrlichkeit für diesen Weg ein. Aus Blau wird Gelb Mit Jahresbeginn 2001 wurde aus dieser Vision schrittweise Realität. In Osttirol und in Vorarlberg nahmen an diesem Tag mit C7 und C8 erstmals gelbe Christophorus-Notarzthubschrauber den Betrieb auf und ersetzten die bisherigen blauen Helikopter. Dieser Moment markierte den sichtbaren Auftakt. Was folgte, war ein organisatorischer und logistischer Kraftakt von außergewöhnlichem Ausmaß. Innerhalb von nur sechs Monaten übernahm die ÖAMTCFlugrettung insgesamt acht Stützpunkte vom Innenministerium und vom Bundesheer. Denn bereits im April gingen weitere Standorte in Salzburg (C6), Wien (C9) und Linz (C10) in den Betrieb über. Anfang Juli wurde die Übergabe schließlich mit C11 (Klagenfurt), C12 (Graz) und C14 (Niederöblarn) abgeschlossen. Damit wuchs die Zahl der Christophorus-Stützpunkte von fünf auf dreizehn und veränderte die Struktur der Flugrettung in Österreich grundlegend. Mammutprojekt Diese Entwicklung war weit mehr als die reine Übernahme bestehender Standorte, sie war vielmehr ein alles umfassender Schritt nach vorne. Betriebsabläufe wurden vereinheitlicht, moderne So sah die Notarzthubschrauber-Landkarte Österreichs Anfang des Jahres 2001 aus, als die Standorte des BMI übernommen wurden. Die neuen Stützpunkte waren auch im Jahr 2000 Thema im Christophorus-Magazin. Hubschrauber eingeführt und die medizinische Ausstattung auf einen zeitgemäßen Stand gebracht. Entscheidend war auch, dass Piloten und Flugretter des Innenministeriums und des Bundesheeres in die neu entstandene Struktur integriert wurden. Ihr Wissen und ihre langjährige Erfahrung gingen nicht verloren, sondern wurden zu einem wesentlichen Bestandteil des neuen Systems. „2001 hat die ÖAMTC-Flugrettung bewiesen, dass sie nicht nur fliegen, sondern auch gestalten kann. Die Übernahme dieser Stützpunkte war der Grundstein für das flächendeckende Netz, das wir heute betreiben und das täglich Leben rettet“, würdigt Geschäftsführer Marco Trefanitz den Mut und die Entschlossenheit jener, die diesen Schritt damals ermöglicht haben. Was bleibt Die Weichenstellungen des Jahres 2001 markieren bis heute einen Meilenstein in der Geschichte der österreichischen Flugrettung. Aus einer Phase der Unsicherheit heraus entstand ein stabiles und leistungsfähiges System, das seither kontinuierlich weiterentwickelt und an neue Anforderungen angepasst wurde. Einheitliche Standards, hoch qualifiziertes Personal und ein klar strukturierter Betrieb prägen die Flugrettung bis heute und tragen dazu bei, dass sie auch über die Landesgrenzen hinaus als Referenz wahrgenommen wird. Was damals innerhalb weniger Monate mit großem Einsatz umgesetzt wurde, wirkt bis heute fort. Kurt Noé-Nordberg und sein Team haben damals gezeigt, dass eine Vision, gepaart mit Professionalität und Mut, die Zukunft nachhaltig verändern kann. ▲
14 Löschflugzeug im Anflug. INNOVATION Christophorus Anfang Mai wurde im Raum Kasberg/ Steyrling in Oberösterreich eine der bislang größten Vegetationsbrandübungen Österreichs durchgeführt. 415 Einsatzkräfte aus dem In- und Ausland trainierten gemeinsam die Bekämpfung eines großflächigen Waldbrandes im alpinen Gelände. Beteiligt waren zahlreiche Feuerwehren, Bergrettung, Rotes Kreuz, Polizei, Bundesheer sowie Spezialkräfte für Vegetationsbrandbekämpfung. Ein zentraler Schwerpunkt lag auf dem Zusammenspiel von Boden- und Luftkräften. Mehrere Hubschrauber, Löschflugzeuge und Aufklärungsflugzeuge waren im Einsatz, um Wasserabwürfe, Erkundungsflüge, Luftraumbeobachtung sowie Material- und Personentransporte zu trainieren. Die ÖAMTC-Flugrettung unterstützte die Übung mit zwei Hubschraubern insbesondere bei Transport- und Erkundungsaufgaben. Die Großübung verdeutlichte eindrucksvoll die Bedeutung überregionaler und organisationsübergreifender Zusammenarbeit bei Vegetationsbränden, insbesondere bei zunehmender Trockenheit. Großübung Effektive Waldbrandbekämpfung im alpinen Raum. Die ÖAMTC-Flugrettung und die Planai-Hochwurzen-Bahnen haben eine enge Zusammenarbeit im Bereich alpiner Hubschrauber- und Seilbahneinsätze gestartet. Ziel der Kooperation ist es, Sicherheit, Effizienz und operative Abläufe im täglichen Betrieb weiter zu optimieren und gemeinsam neue Standards im alpinen Umfeld zu setzen. Die Partnerschaft bündelt umfassende Hubschrauberkompetenz aus einer Hand. Zum Leistungsspektrum zählen unter anderem Seilbahnassistenz inklusive Bergeübungen und Schulungen für den Winterbetrieb, Lastentransporte – etwa von Schneekanonen – sowie Unterstützung bei Instandhaltungsarbeiten an Seilbahnanlagen durch die Helikopter der Elikos. Darüber hinaus wurden auch gemeinsame Konzepte für Wintersportveranstaltungen erarbeitet, deren Umsetzung ab 2027 geplant ist. Im Zentrum der Zusammenarbeit stehen der kontinuierliche fachliche Austausch sowie die gemeinsame Weiterentwicklung operativer Prozesse. Damit leisten beide Partner einen wichtigen Beitrag zur weiteren Steigerung von Qualität und Sicherheit sowohl für Mitarbeiter:innen als auch für Gäste. ▲ Gemeinsamer Weg Wegweisende und vielfältige Partnerschaft für mehr Sicherheit im alpinen Betrieb. Planai-Hochwurzen-Bahnen setzen künftig auf die Expertise der ÖAMTC-Flugrettung. Präsentation der neuen Partnerschaft im Zielgelände der Planai.
15 Fotos: HeliAir (2), BFK Kirchdorf (1), Planai Bergbahnen (1), ÖAMTC/Pichlsberger (1), 3LT (1) Second Life Neues Leben nach dem letzten Flug. Vernetzungstreffen Was passiert eigentlich mit ausgedienten Hubschraubern der ÖAMTC-Flugrettung? In vielen Fällen bleiben sie dank exzellenter Wartung durch die HeliAir noch über Jahre hinweg für neue Betreiber:innen weltweit im Einsatz. Manche Muster schlagen jedoch einen anderen, ebenso wichtigen Weg ein. So auch die H135 „Victor Kilo“, die kürzlich nach Frankreich überstellt wurde. Dort wird sie bei Aviaco fachgerecht demontiert. Die einzelnen Komponenten werden geprüft, rezertifiziert und finden anschließend als Ersatzteile auf der ganzen Welt Verwendung. Damit trägt der Helikopter, auch wenn er nicht mehr fliegt, wesentlich zur Nachhaltigkeit und zur Einsatzbereitschaft der weltweiten H135-Flotte bei. Über Grenzen hinweg retten. Ende April wurde Nauders zum Treffpunkt der alpinen Flugrettung: Beim diesjährigen Drei-Länder-Treffen tauschten sich Flugrettungscrews aus Österreich, Italien und der Schweiz auf Einladung der ÖAMTC-Flugrettung über aktuelle Entwicklungen aus. Das Treffen zeigte eindrucksvoll: Grenzüberschreitende Kooperation in der Flugrettung ist keine Theorie, sondern gelebte Praxis und ein zentraler Baustein für bestmögliche Patient:innenversorgung im Alpenraum. INNOVATION Christophorus Technik, Training, Teamwork Gezielte Weiterbildung und neue Inhouse-Kompetenzen stärken die technische Einsatzbereitschaft. Kontinuierliche Weiterbildung und technische Weiterentwicklung sind zentrale Bausteine für einen sicheren und effizienten Flugbetrieb. Gleich mehrere aktuelle Maßnahmen bei der HeliAir unterstreichen diesen Anspruch. So besuchten Kolleg:innen aus Wiener Neustadt und Innsbruck einen H135-Familiarization-Kurs bei Airbus Helicopters in Donauwörth. Neben vertiefenden Einblicken in Technik, Systeme und aktuelle Entwicklungen rund um diesen Hubschraubertyp stand vor allem der fachliche Austausch mit internationalen Expert:innen im Mittelpunkt. Parallel dazu wurde ein weiterer Meilenstein für den eigenen NVG-Bereich erreicht: Durch einen erfolgreich durchgeführten Wartungskurs für Fenn-Nachtsichtgeräte ist es künftig möglich, diese Systeme direkt im eigenen Haus zu warten und zu reparieren. Beide Entwicklungen stärken die technische Kompetenz nachhaltig und schaffen die Grundlage dafür, Know-how im eigenen Haus weiter auszubauen. Neuerungen am Puls der Zeit Meilensteine für die Notfallversorgung im Tiroler Unterland. Christophorus 4 am Standort Reith bei Kitzbühel erweitert seine Einsatzmöglichkeiten. Bereits mit Beginn der Sommersaison ist der Hubschrauber künftig bis 21:30 Uhr einsatzbereit und kann damit auch in den Abendstunden zur raschen Hilfe aus der Luft in Tirol ebenso wie in angrenzende Regionen Osttirols und des südlichen Salzburgs alarmiert werden. Ein weiterer Meilenstein folgt dann im Herbst 2026 mit der Ausrüstung des Helikopters mit einer Rettungswinde. Diese erweitert das Einsatzspektrum insbesondere im alpinen Gelände bei Dunkelheit und ermöglicht sichere Rettungen, wo andere Verfahren an ihre Grenzen stoßen. Aktuell absolvieren die Crews intensive Schulungen, um die neue Technik nahtlos in den Flugbetrieb zu integrieren. Mit der bewährten Kombination aus Taubergung und Rettungswinde sowie den erweiterten Einsatzzeiten wird mehr Flexibilität für anspruchsvolle Einsätze im alpinen Raum geschaffen. Techniker:innen zu Gast bei Airbus.
16 VISION Christophorus VON PUNKT ZU PUNKT Point in Space ist die Zukunft – das Low Flight Network ist der Weg dorthin.
17 VISION Christophorus Weit über 20.000-mal pro Jahr heben die Notarzthubschrauber der ÖAMTC-Flugrettung in lebensrettender Mission ab. Eine unglaubliche Zahl – es ginge allerdings noch mehr, wäre da nicht ein großer Spielverderber: Das Wetter, insbesondere Nebel, tief hängende Wolken und schlechte Sicht, zwingt die Crews immer wieder, am Boden zu bleiben. Bei (fast) jedem Wetter Um es vorweg klar zu sagen: Dass ein Hubschrauber bei wirklich jedem Wetter fliegen kann und darf, ist eine Idealvorstellung, die derzeit noch weit weg ist. Aber: Jeder Einsatz, der trotz widriger Bedingungen sicher durchgeführt werden kann, kann für einen Menschen den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen. Darum setzt die ÖAMTCFlugrettung alles daran, der Witterung ein Schnippchen zu schlagen. Über eine grundlegende Voraussetzung dafür haben wir im Christophorus-Magazin 01/2026 berichtet: Es braucht Pilot:innen mit der Berechtigung zum Flug nach Instrumentenflugregeln (IFR). Ein weiteres Puzzlestück, das wir in Zukunft eingehend beleuchten wollen, ist die notwendige Hubschraubertechnik. In dieser Ausgabe widmen wir uns allerdings dem „Low Flight Network“ (LFN), das entscheidend dafür ist, fliegerische und technische Fähigkeiten zum Instrumentenflug bei entsprechenden Wetterlagen überhaupt nutzen zu dürfen. Was ist das LFN? Alles beginnt mit einem Punkt: Mittels satellitengestützter Navigation kann ein Hubschrauber auch bei schlechtester Sicht einen vordefinierten „Point in Space“ (PinS) präzise anfliegen. Von dort aus erfolgt dann die Landung – aus Sicherheitsgründen wiederum im Sichtflug. Auf diese Weise kann bei dichtem Nebel zwar nicht im freien Gelände gelandet werden, der Anflug auf Krankenhäuser, die das PinS-Verfahren unterstützen, wird dadurch allerdings deutlich von Stefan Tschernutter Herausforderungen: ● Regulatorische Anpassung: komplexe Entwicklung neuer Regeln. ● Infrastrukturentwicklung: Analysen und Datenpflege für Routen und Verfahren. ● Ausbildung und Training: Spezialschulungen für Pilot:innen und Flugretter:innen. ● Kosten: Investitionen in IFR-fähige Hubschrauber und Ausbildung. ● Koordination: Zusammenarbeit von Flugsicherung, Luftfahrtbehörden und Betreiber:innen. ● Limitationen: Physikalische Grenzen können Einsätze weiterhin verhindern. Infobox Die geschlossene Nebeldecke aus Sicht der Notarzthubschrauber-Crew. Heinz Leibundgut von der Rega hat viel Erfahrung mit Low Flight Networks. Fotos: ÖAMTC/Kika (1), REGA (1); Illustration: ÖAMTC/Scharler
1. Bessere Versorgung: schnellere und zuverlässigere Erreichbarkeit des Einsatzortes und des Krankenhauses unabhängig vom Wetter. 2. Höhere Verfügbarkeit: Hubschrauber können auch bei Wetterlagen fliegen, die früher zu einem Startverbot oder einem Abbruch des Einsatzes geführt hätten. 3. Zugang zu schwer erreichbaren Regionen: Krankenhäuser und Kliniken in bekannt exponierten Gebieten können auch bei schlechter Sicht sicher angeflogen werden. 4. Wirtschaftlichkeit: Weniger wetterbedingte Stornos bedeuten eine effizientere Nutzung der Ressourcen. Infobox Welche Vorteile bringt ein Low Flight Network 18 VISION Christophorus häufiger möglich sein als bisher. Verbindet man mehrere dieser Punkte miteinander, entsteht ein Netzwerk aus vorab definierten IFR-Routen in niedrigen Höhen. Dort, im „Low Flight Network“, ist der sichere und reibungslose Hubschrauberbetrieb gewährleistet. Vorstellen kann man sich das Ganze wie eine Autobahn am Himmel, deren „Abfahrten“ an Christophorus-Standorten, Krankenhäusern und anderen neuralgischen Punkten liegen. Doch wozu ist das überhaupt notwendig, immerhin können z. B. große Passagierjets bei nahezu jedem Wetter starten oder landen? Fakt ist: Notarzthubschrauber operieren flexibel und weitgehend unabhängig von Infrastruktur am Boden. Oft sind die Einsatzgebiete topografisch anspruchsvoll oder dicht besiedelt, sodass die Limits, unter denen geflogen werden darf, aus Sicherheitsgründen sehr streng sind. Zumal Hubschrauber in vergleichsweise niedriger Höhe unterwegs sind, was es umso wichtiger macht, dass definierte Routen garantiert hindernisfrei sind. Vorreiter Schweiz Die Schweiz mit ihrem alpinen Gelände und oft unbeständigen Wetter gilt als internationaler Vorreiter in Sachen LFN. Dort war die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega gemeinsam mit der Luftwaffe, dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) und der Flugsicherung Skyguide maßgeblich am Aufbau und an der Weiterentwicklung des Netzwerks beteiligt. Mittlerweile sind landesweit eine Vielzahl an Flugrettungsstandorten und vor allem Spitäler mit Instrumentenflugrouten verbunden. Heinz Leibundgut, Chefpilot der Rega, kennt die Vorteile aus erster Hand: „Das LFN ist wie eine Autobahn zum Spital bei schlechter Sicht. Ein entscheidender Sicherheitsgewinn, der uns mehr lebensrettende Flüge ermöglicht. Wir schätzen, dass wir bei vollem Ausbau an die 600 zusätzliche lebensrettende Missionen pro Jahr fliegen könnten.“ Aber auch, wenn es bis dahin noch etwas dauern wird, ist man bei unseren westlichen Nachbarn überzeugt, dass das LFN zu einer nationalen Infrastruktur für Blaulichtorganisationen ausgebaut werden soll. Und in Österreich? In Österreich, das geografisch ähnlich herausfordernd wie die Schweiz ist, arbeiten die ÖAMTC-Flugrettung und die Flugsicherungsbehörde Austro Control am Ausbau des LFN. Der erste in der täglichen Einsatzpraxis nutzbare Anflugpunkt wurde 2022 in Zusammenarbeit mit der KAGes am LKH-Universitätsklinikum Graz implementiert. Für Roland Retschitzegger, erfahrener Christophorus-Pilot, ist das PinS-Verfahren ein Quantensprung für sichere und präzise Anflüge bei widrigen Wetterbedingungen. „Aber erst wenn das LFN diese Punkte verbindet, können wir diese Möglichkeit richtig ausschöpfen. Es ist wie ein unsichtbares Netz, das die Sicherheit und die Effizienz unserer Einsätze entscheidend erhöht.“ Retschitzegger betont auch die Wichtigkeit der Ausbildung: „Wir Piloten müssen umfassend geschult und trainiert werden, um diese komplexen Verfahren und das LFN sicher zu beherrschen. Es geht darum, Vertrauen in die Technologie zu entwickeln und gleichzeitig deren Grenzen zu kennen.“ Wie geht es weiter? Das LFN wird in Österreich, der Schweiz und weiteren europäischen Ländern kontinuierlich ausgebaut – ein nächster Schritt ist die Definition sinnvoller IFR-Routen und PinS-Anflugverfahren. Das Ziel muss letztlich eine flächendeckend weitgehend wetterunabhängige Flugrettung sein. ▲ ÖAMTC-Pilot Roland Retschitzegger ist in den Aufbau in Österreich involviert.
Die HeliAir ist nicht nur für die ÖAMTC-Flugrettung ein verlässlicher Partner im Bereich Wartung und Technik, sondern auch für internationale Kunden. Sie betreut unterschiedlichste Kunden sowohl an den eigenen Standorten in Innsbruck und Wiener Neustadt als auch direkt vor Ort im Ausland. Zwei aktuelle Beispiele zeigen eindrucksvoll die Bandbreite dieser Zusammenarbeit. In Wiener Neustadt wurde kürzlich ein Hubschrauber eines deutschen Kunden für eine technische Intervention übernommen. Fast gleichzeitig wurde auch bei einem finnischen Betreiber, einem langjährigen Kunden der HeliAir, direkt vor Ort die Wartung der Flotte erfolgreich abgeschlossen. Dank effizienter Prozesse, hoher fachlicher Kompetenz und des engagierten Einsatzes des gesamten Teams konnten die Arbeiten erfolgreich und zur vollen Zufriedenheit der Kunden durchgeführt werden. Gerade im internationalen Umfeld sind Qualität, Verlässlichkeit und kurze Standzeiten entscheidende Faktoren, die wesentlich zur langfristigen Zusammenarbeit mit Betreibern beitragen. Die positive Rückmeldung aus beiden Projekten bestätigt einmal mehr die zentrale Rolle der HeliAir als starker technischer Partner über Landesgrenzen hinweg. ▲ 19 VISION Christophorus Grenzenlos im Einsatz Technische Kompetenz sichert europaweit höchste Qualität. Helikopter aus dem benachbarten Deutschland zur Revision in Wiener Neustadt. Wartung direkt beim Kunden in Finnland. Fotos: ÖAMTC/Sitter (1), zVg (2) Das Österreichische Umweltzeichen für Druckerzeugnisse, UZ 24, UW 686 Ferdinand Berger & Söhne GmbH. Impressum Herausgeber Christophorus Flugrettungsverein, Baumgasse 129, 1030 Wien ZVR: 727468201 Tel.: (01) 71199-37051 E-Mail: flugrettung@oeamtc.at Geschäftsführung Marco Trefanitz, Klaus Schwarzenberger, Ernst Kloboucnik Medieninhaber/Verleger ÖAMTC Verbandsbetriebe GmbH, Baumgasse 129, 1030 Wien Chefredaktion Ralph Schüller, Baumgasse 129, 1030 Wien Redaktion Antonia Lang, Stefan Tschernutter – unter Mithilfe aller Mitarbeiter:innen des Christophorus-Teams Artdirection Andreas Hnat Layout Birgit Rusa Lektorat Angelika Hierzenberger-Gokesch Produktion Andreas Kaleta, Peter Scharnagl Druck F. Berger und Söhne Ges.m. b. H., Wiener Straße 80, 3580 Horn Offenlegung gemäß Paragraf 25 Mediengesetz: www.oeamtc.at/offenlegung Unterstützt von Christophorus M A G A Z I N
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