24.07.2012

Erstkontakt: Volvo C30 Electric

Bekannte Silhouette mit neuem Herzstück

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Die schlechte Nachricht gleich zu Beginn: Nein, dieser Elektro-Schwede in Form eines Volvo C30 kann beim zugehörigen Vertragshändler nicht erworben werden. Lediglich auserwählte Kundengruppen kommen in den Genuss, den lokal emissionsfreien Volvo fahren zu dürfen. Vorwiegend Firmen, Behörden oder Institutionen.

8 Stück nach Österreich

Der elektrische Dreitürer aus dem hohen Norden dient Volvo somit nur als Versuchsträger, um die Grenzen des batterieelektrischen Antriebs auf öffentlichen Straßen herauszufinden. Hierfür wurde vom schwedischen Hersteller eine Kleinserie von 250 Stück aufgelegt, die im Dienste der Forschung und Entwicklung Kilometer abspult. Durch die beschränkte Stückzahl wurden von den Verantwortlichen jedoch im Vorfeld spezielle Märkte definiert, die für diesen Feldversuch in Frage kommen. Einer davon ist Österreich – der heimischen Topographie und dem hiesigen Strom-Mix sei Dank. Insgesamt sind hierzulande 8 Fahrzeuge angemeldet, die an diesem Pilotprojekt teilnehmen.

Schweizer Antriebstrang für Schweden-Stromer

Kommen wir aber zu den Hard-Facts: Unter der Motorhaube stecken eigens für Elektrofahrzeuge konzipierte Komponenten des Schweizer Elektronik-Unternehmens Brusa. Die Volvo-Ingenieure haben sich beim Aufbau des C30-Antriebstrangs aus dem Brusa-Teilekatalog bedient und diesen gemäß ihren hausinternen Anforderungen zusammengestellt. Als Endresultat ist ein Elektrofahrzeug mit einer Batteriekapazität von 24 kWh entstanden, das unter idealen Bedingungen eine Reichweite von 150 Kilometern aufweist. Laut Volvo bewältigt der E-C30 sogar 163 Kilometer innerhalb des europäischen Fahrzyklus NEDC. Allerdings handelt es sich hierbei um Reichweitenwerte die unter Laborbedingungen erreicht wurden.

120 km im ÖAMTC-Praxisversuch

Im ÖAMTC-Test schaffte der elektrisch betriebene Volvo mit zurückhaltender Fahrweise und ein paar kräftigeren Ampelstarts zwischendurch insgesamt knapp 120 Kilometer mit einer Batterieladung. Im Zuge der Testfahrt herrschten jedoch tropische Außentemperaturen vor. Somit können die herstellerseitig angegeben 150 km bei normalen Außenverhältnissen (20°C) als durchaus realistisch eingestuft werden. Nach vollzogener Arbeit musste der Stromer selbstverständlich wieder "aufgetankt" werden. Die Ladezeiten variieren bei diesem Modell von der Stromstärke, die bedarfsgerecht justiert werden kann. Bei 10 Ampere benötigt man ungefähr 10 Stunden um den Volvo wieder aufzuladen, bei 16 Ampere lediglich 6 bis 8 Stunden. Zu bemängeln ist jedoch die Position des Ladeanschlusses am Fahrzeug. Dieser befindet sich nämlich in der Front und erschwert somit die Handhabung beim Laden.

Webasto spendet Heiz- und Kühlaggregat

Apropos Innenraumteperatur: Wie die vor Kurzem veröffentlichte ÖAMTC-BEV-Studie zeigt, sind Klimaanlage und Heizung die größten "Reichweiten-Killer". Ausschlaggebend hierfür ist der enorm hohe Energiebedarf. Die Entwickler bei Volvo haben allerdings einen anderen Weg eingeschlagen: Die beiden Komfort-Features wurden von der Traktionsbatterie entkoppelt, sodass die darin gespeicherte Energie lediglich der Reichweite zur Verfügung steht. Gespeist werden Klimaanlage und Heizung von einer speziellen Standheizung aus dem Hause Webasto. Diese wurde den speziellen Bedürfnissen den Volvo C30 Electric angepasst und ist somit in der Lage nicht nur zu heizen, sondern auch zu kühlen. Damit der Schweden-Stromer aber der lokalen Emissionsfreiheit gerecht wird, kommt als Brennstoff CO2-neutrales Bio-Ethanol zum Einsatz. Aber man hat auch die Möglichkeit, Heizung und Klima elektrisch zu betreiben. Davon ist jedoch abzuraten, speziell in der kalten Jahreszeit, wenn längere Strecken zurückgelegt werden müssen.

Imposante Fahrleistungen und optimierte Straßenlage

Und wie fährt er sich jetzt? Wie ein normaler Volvo C30 mit konventionellem Triebwerk. Wenn nicht sogar noch besser. Da die Traktionsbatterie teilweise im Mitteltunnel und im Bereich des ehemaligen Kraftstofftanks untergebracht ist, wirkt sich dieser Umstand positiv auf die Gewichtsverteilung aus. An der Fahrdynamik eines gewöhnlichen Volvo C30 gibt es bereits nichts auszusetzen, bei der Elektroversion ebenso wenig. Beide basieren technisch auf dem Ford Focus der zweiten Generation. Und dieser hatte bekanntlich das beste Fahrwerk seiner Klasse. Einen wesentlichen Vorteil weist der C30 Electric dennoch auf: Durch den tieferen Fahrzeugschwerpunkt liegt dieser um einen Tick besser auf der Straße als sein Teilespender. Außerdem überzeugt die immense Kraft des 111 PS starken Elektromotors ab der ersten Umdrehung. Somit können sich zweirädrige Verkehrsteilnehmer an der Ampel getrost hinter dem Batterie-Volvo anstellen - vorbei kommen sie so oder so nicht.

Highway-Modus ist Volvos "Segeln"

Der Innenraum des schwedischen Stromer-Coupes zeigt sich von der gewohnten Seite. Der Großteil der Armaturen und Instrumente ist identisch mit denen des konventionell betriebenen Bruders. Lediglich der Ganghebel zeigt deutliche Unterschiede auf. Er ist stillvoll in Aluminium gehalten und verfügt über ein futuristisches Design. Mit dem extravaganten Wahlhebel können zwei unterschiedliche Fahrmodi aktiviert werden: Zum einen der allseits bekannte Drive-Modus, zum anderen der Highway-Modus. Dieser ist für höhere Geschwindigkeiten vorgesehen und ermöglicht längere Gleitphasen ohne Rekuperation. Bei der Bremsenergierückgewinnung kommt außerdem die Sicherheitsphilosophie der Schweden zum Vorschein: Da die Verzögerung beim Rekuperieren so hoch ist, schalten sich beim Volvo automatisch die Bremslichter ein, um mögliche Auffahrunfälle zu verhindern. Beim Tacho wurden für den E-Antrieb ebenfalls kleine Modifikationen durchgeführt. Größte Veränderung: Statt einem Drehzahlmesser gibt es eine Energiebedarfsanzeige.

C30 Electric: Nur Versuchsträger, dennoch gut

Im Großen und Ganzen kann dem Volvo C30 Electric ein positives Zeugnis ausgestellt werden. Bis darauf, dass der Elektroantrieb unter den jetzigen technischen Vorraussetzungen nicht den Mobilitätsanforderungen der Gesellschaft gerecht wird. Für den urbanen Bereich reichen die Fahrleistungen des C30 Electric aber vollkommen aus. Hier kommt jedoch ein anderes Problem zum Tragen: Es fehlt die entsprechende Ladeinfrastruktur. Wie auch immer, der E-Volvo in dieser Konfiguration wird den Weg auf die Straßen niemals schaffen. Möglicherweise in einer anderen Ausführung. Denn die Schweden haben bereits eine Kooperation mit Siemens für die Serienfertigung von E-Fahrzeugen geschlossen.

Volvo V60 Plug-In rollt bereits und kommt bald

Ein heißes Eisen haben die Schweden allerdings noch im Keller: Den Volvo V60 Plug-In-Hybrid. Dieser wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die Mobilitätsanforderungen der Kunden besser treffen und dabei innerstädtisch elektrisch betrieben werden können. Die ersten Testfahrten sind im Raum Göteborg bereits absolviert worden, die Markteinführung ist für 2013 geplant.