Modellvorstellungen
16.07.2012
Autor:
Kurt Zeillinger I Fotos: Werk

Fahrbericht: Skoda Rapid

Das wird ein echter Jetta: günstig, Heckklappe und viel Platz.

Premiere ist am Pariser Salon Ende September, Verkaufsstart im Dezember: Mit dem Rapid versucht Skoda einen Bestseller zu lancieren. Die geräumige Kompaktlimousine mit Heckklappe soll sich zwischen den größeren Octavia und den kleineren Fabia schieben und vor allem mit einem günstigen Preis punkten – die 15.000-Euro-Latte soll dabei unterfahren werden.

Die einstige Billigmarke Skoda liegt mit 12.584 Neuzulassungen in Österreich aktuell auf Platz zwei hinter der Mutter VW. Damit diese Erfolgs-Story in wirtschaftlich unsicheren Zeiten fortgesetzt werden kann, greift die VW-Konzernmarke bei ihrem neuesten Modell wieder auf die alten Stärken zurück. Zumal sich mit günstigen Preisen in süd- und osteuropäischen Ländern sowie in den aufstrebenden Märkten von Russland, China und Indien besser punkten lässt.

Der nicht nach dem Wiener Traditions-Fußballclub, sondern nach einer Vorkriegsbaureihe und einem Coupé der Marke aus den Achtzigern benannte Rapid ist der erste Skoda in der Designsprache aller zukünftigen: Die fesche Front des neuen Modells soll 2013 auch den Octavia-Nachfolger zieren, und danach alle weiteren Modelle, die im Schlag auf Schlag Halbjahresrhythmus folgen sollen. Auch das übrige klare, geradlinig und präzise wirkende Design mit Scheinwerfern und Sicken, die, so der aus Österreich stammende Designer Karl Neuhold “an Kristallglas-Schliff erinnern” soll alle weiteren Skodas prägen.

Der auf der verlängerten Fabia-Plattform aufbauende Rapid entspricht mit seiner Länge von 4 Meter 48 in etwa dem ersten Octavia, in Sachen Radstand übertrumpft er mit 2 Meter 60 sogar den aktuellen. Das ergibt ein Raumgefühl im Inneren wie es erst eine Klasse darüber üblich ist: Selbst in Reihe zwei müssen groß gewachsene Menschen nicht kauern. Mit 1 Meter 71 Breite ist das Auto allerdings etwas schmäler als beide Octavias, aber um sieben Zentimeter breiter als der Fabia. Auch der Kofferraum mit der Riesen-Klappe kann mit dem großen Bruder mithalten: 550 Liter ohne Umklappen der Sitze, 1.490 Liter (mit leichter Stufe) bei komplett umgeklappter Rückbank.

Motoren: 1,6-Liter TDIs mit 90 und 105 PS und Benziner mit 1,2 Liter Hubraum (75 PS Dreizylinder, 85 und 105 PS) sowie 1,4 Liter Hubraum (122PS). Je nach Motorisierung kommen 5- und 6-Gang-Schaltgetriebe oder eine 7-Gang-Doppelkupplungs-Automatik zum Einsatz. ABS, ESP und 6 Airbags werden serienmäßig angeboten werden, ebenso ein paar pfiffige Gimmicks, die Skodas Slogan “Simply clever” entsprechen: etwa ein Eiskratzer im Tankdeckel (dort soll er weniger oft verloren gehen), ein Warnwesten-Fach unterm Sitz, eine Parkticket-Halterung oder ein wirklich praktischer Kofferraum-Wendebelag – eine Seite Teppich, die andere ist aus Gummi und kann mit dem Schlauch abgespritzt werden. Gegen Aufpreis gibt es Hill-Holder, Reifendrucksensoren und Smartphone-Halterungen.

Die ersten Fahreindrücke: Der Rapid ist komfortabel ausgelegt, nur schwer aus der Ruhe zu bringen. Auf schlechten Straßen kommen kurze Wellen und Stöße mit einem Poltern durch. Innenraum-Materialien und Dämmung erreichen nicht ganz die Wertigkeit und das Niveau des Octavia. Der angepeilte Preis fordert anscheinend hier sein Tribut – Premium-Anmutung würde das Auto teurer (und zur Konkurrenz für VW und Audi) machen. Angepeilte Zielgruppe sind junge Familien, die wichtigsten Mitbewerber sind wohl Kia ceéd, Hyundai i30 und Chevrolet Cruze. Weil von den Octavias und Fabias in Österreich viel mehr Kombis als Limousinen verkauft werden, wünscht sich der heimische Importeur sehnlichst einen. Der wird aber eher ein Kombi-Coupé sein, heißt es seitens des Herstellers.