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25.06.2012

"Public Bicycle"-Systeme im Vergleich

"Rad-To-Go" in 18 Ländern getestet

Radfahren erfreut sich in Europas Städten großer Beliebtheit. Häufig wird dabei aber nicht in die eigenen Pedale getreten, sondern ein Fahrrad aus einem automatischen Verleihsystem, ein "Public Bicycle", genutzt. Dabei handelt es sich um öffentlich zugängliche Leihfahrräder, die nach dem Prinzip der Selbstbedienung entnommen und zurückgegeben werden können.

Nur ein "sehr gut"

Der ÖAMTC hat gemeinsam mit seinen Partnerclubs 40 solcher Verleihsysteme in 18 europäischen Ländern unter die Lupe genommen. 23 von 40 Systemen wurden mit „gut“ bewertet, darunter die beiden österreichischen Vertreter „Citybike Wien“ und „nextbike“ aus St. Pölten. Außerdem gab es ein "sehr gut", elf "ausreichend", zwei "mangelhaft" und drei "sehr mangelhaft".

Testsieger aus Frankreich

Der Testsieger kommt aus Frankreich. Das System „vélo'v“ in Lyon bietet 343 Stationen mit 4.000 Rädern, die ganzjährig, rund um die Uhr und für jedermann verfügbar sind. Auch in punkto Bedienung und Komfort ist dieses Verleihsystem vorbildlich. Ganz anders sieht es bei drei niederländischen Systemen im Test aus, die allesamt mit "sehr mangelhaft" beurteilt worden sind. Die "OV-fiets" in Utrecht, Amsterdam und Den Haag konnten im ÖAMTC-Test in keiner Kategorie überzeugen. Weder Anzahl der Stationen und Räder, noch Komfort oder Bedienung sind für eine einfache allgemeine Nutzung ausreichend.

"Citybike Wien"

Unter den 40 getesteten Public-Bicycle-Systemen waren auch zwei Vertreter aus Österreich, die beide mit "gut" bewertet wurden. !Citybike Wien“ überzeugte im Test unter anderem mit ganzjähriger Nutzbarkeit und Rädern, die rund um die Uhr verfügbar sind. Auch das gute Informationsangebot an den Stationen, im Internet und mittels Smartphone-Apps wurde positiv bewertet. Negativ fiel insbesondere die verhältnismäßig geringe Stations- und Räderdichte auf. Diese wird jedoch gerade weiter ausgebaut. Auch die gebührenpflichtige Hotline und die fehlende Verknüpfung mit dem öffentlichen Verkehrsnetz wurden von den Testern bemängelt.

"nextbike"

„nextbike" in St. Pölten war im ÖAMTC-Test ähnlich überzeugend wie "Citybike Wien". Zusätzlich konnte das System mit einer Gratis-Hotline punkten. Wermutstropfen neben der geringen Räder- und Stationsdichte: Die Nutzung ist nur von 20. März bis 15. November möglich. "nextbike" gibt es übrigens nicht nur in St. Pölten, sondern auch in Städten und Gemeinden im Burgenland, in Niederösterreich und Vorarlberg.

Verschiedene Verleih- und Tarifsysteme in Europa

Ein einheitliches Schema für Public-Bicycle-Systeme gibt es in Europa derzeit nicht. Das ist auch nicht unbedingt notwendig. Besser wäre ein regionaler und internationaler Ideenaustausch zwischen Betreibern und Gemeinden. So könnten die Vorteile verschiedener Systeme am besten kombiniert werden.

Vorschläge zur Optimierung

Angebot:
Das Angebot an Stationen und Fahrrädern sollte möglichst flächendeckend sein und in weiteren Städten eingeführt werden. Die Public-Bike-Stationen selbst sollten besser mit den Öffi-Stationen abgestimmt werden.

Ausgleich der Räder:
Zwischen den einzelnen Stationen sollte auf Ausgleich an Rädern Wert gelegt werden. Das betrifft insbesondere stark frequentierte Stationen (z. B. an Bahnhöfen), an denen zeitweise weder Entlehnung noch Rückgabe möglich sind.

Hotlines und Apps:
Hotlines und Apps sollten den Nutzern gebührenfrei zur Verfügung stehen, Infos in mehreren Sprachen, zumindest aber auf Englisch abgefasst sein.

Tarife:
Die Tarife müssen übersichtlich und attraktiv für alle Nutzergruppen gestaltet werden. Generell sollten die Betreiber die Nutzung der Räder allgemein möglich machen und nicht einseitig auf bestimmte Personengruppen wie Pendler oder Touristen zuschneiden.

Räder:
Die Räder müssen stets verkehrssicher und gut gewartet sein.