12.03.2012

Steinschlagschäden: Nur selten Anspruch auf Schadenersatz

© ÖAMTC
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Es hat schon fast jeder erlebt: Man fährt mit dem Auto, plötzlich ein lautes "Peng". Die Folgen sind
zumindest ärgerlich. Die Windschutzscheibe hat einen großen Krater, oder der Scheinwerfer ist
kaputt. Der "Stein des Anstoßes", meist durch den Streusplit der Wintermonate, wurde von einem
anderen Fahrzeug aufgewirbelt. Sollte also nicht der Vordermann dafür haften? So einfach ist das
nicht. "Steinschlag ist nicht Steinschlag. Ob man Anspruch auf Schadenersatz hat oder auf den
Reparaturkosten sitzen bleibt, hängt vor allem davon ab, ob den Lenker des vorderen Fahrzeugs eine
Schuld trifft", erklärt Corinna Hotz, Rechtsjuristin des ÖAMTC Oberösterreich, und fasst die
wesentlichen rechtlichen Anspruchsvoraussetzungen zusammen:
  • Schlecht gesicherte Ladung
    Ist der "Stein des Anstoßes" von einem Transporter gefallen, bestehen gute Chancen, den Fahrzeughalter zur Verantwortung zu ziehen. "Anspruch auf Schadenersatz hat man, wenn der Stein Teil der Ladung und diese nicht ordentlich gesichert war. Hat sich der Stein während des Betriebes irgendwo auf dem Fahrzeug abgelagert, wird man leer ausgehen, weil niemand für diesen Vorfall verantwortlich gemacht werden kann", stellt die Rechtsexpertin klar.
     
  • Schuldhaftes Verhalten
    Ist der Steinschlag auf einer asphaltierten Straße passiert und hat der Vordermann einen auf der Fahrbahn liegenden Stein hochgeschleudert, fällt das unter "gewöhnliche Betriebsgefahr". "In solchen Fälle hat man keinen Anspruch auf Schadenersatz, weil den Vordermann keine Schuld trifft", erklärt Juristin Corinna Hotz. Hat der Fahrer des vorderen Fahrzeuges das Aufwirbeln des Steines aber schuldhaft verursacht, weil er z.B. beim "Kurvenschneiden" oder beim Überholen ein geschottertes Bankett befahren hat, dann könnte ein Ersatzanspruch aufgrund des unerlaubten Verlassens der befestigten Fahrbahn bestehen.
     
  • Marode Straßen
    "Theoretisch kann auch der Straßenerhalter zur Verantwortung gezogen werden. Und zwar dann, wenn ein Schlagloch für das Aufwirbeln von Steinen verantwortlich war und über längere Zeit keine Maßnahmen zur Schadensvermeidung - wie Gefahrenzeichen oder Tempolimits - ergriffen wurden, obwohl die Gefahr der Schadensentstehung erkennbar war", erklärt die Clubjuristin.

Strafrechtliche Ansprüche nach Verletzungen
  • Steinschlag verursacht aber nicht nur finanzielle Schäden an Fahrzeugen. Bei Rad-, Mopedoder Motorradfahrern kann es durch aufgewirbelte Steine auch zu Verletzungen kommen. "Bei einem Personenschaden muss der Schadenverursacher auch mit Strafsanktionen durch den Staatsanwalt bzw. das Gericht rechnen", sagt ÖAMTC Rechtsexpertin Hotz.
Anspruchsminderungen durch zu geringen Sicherheitsabstand
  • Mit dem Einwand des Mitverschuldens und damit einer Minderung der Ersatzansprüche muss man rechnen, wenn der Schaden durch eigene Fehler mitverursacht wurde, also wenn etwa der eigene Sicherheitsabstand zu gering war.
  • Gibt es keinen "Schuldigen" oder nur einen "Teilschuldigen", bleibt oft als einzige Chance die Abrechnung mit der eigenen Kaskoversicherung. Dort bekommt man aber oft einen "Schlechtpunkt" oder eine Rückstufung in den Malus und muss – je nach Vertragsbedingungen – unter Umständen auch einen Selbstbehalt berappen.