Nach vier Verkehrssicherheitsschwerpunkten im Jahr 2011 startet der ÖAMTC eine weitere Aktion zur Erhöhung der Verkehrssicherheit. "Mit der Aktion Tunnelblick macht der ÖAMTC einerseits auf ein vernachlässigtes Thema in der Unfallstatistik aufmerksam. Andererseits unterstützt der Club damit den 10-Jahresplan seiner internationalen Dachorganisation FIA, die Anzahl der Verkehrstoten bis 2020 signifikant zu reduzieren", erklärt ÖAMTC-Verbandsdirektor Oliver Schmerold.
ÖAMTC startet Bewusstseins-Kampagne zum Verkehrsrisiko "Tunnelblick" (Teil 1) (+Foto, +Video)
Computer-Simulation zeigt unterschätzte Gefahr im Straßenverkehr
Um auf die Gefahr "Tunnelblick" aufmerksam zu machen, startete der ÖAMTC eine Selbsttest-Aktion mittels Computer-Simulation: Eine Woche lang stand im ÖAMTC-Shop am Schubertring ein spezielles Testgerät, zur Verfügung gestellt von der Firma Schuhfried. Kunden und Mitglieder konnten damit freiwillig ihr peripheres Sehvermögen testen. Dabei mussten sie auf dem Gerät eine "Doppelaufgabe" lösen: Die Aufmerksamkeit wurde im Zentrum des Gesichtsfelds gebunden, indem eine Bewegungsfolge (Tracking-Aufgabe) durchgeführt wurde: Man musste versuchen, einen beweglichen Punkt zu "fangen". Gleichzeitig wurden auf beiden Seiten zusätzlich Lichtreize geboten, auf die der Proband selektiv zu reagieren hatte, indem er rasch das korrespondierende Pedal drückte. "Insgesamt nutzten rund 100 Personen die Möglichkeit, ihr peripheres Sehvermögen zu überprüfen", fasst ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger zusammen.
Solange die Testpersonen nur die beiden Aufgaben am Gerät lösen mussten, waren die Ergebnisse durchwegs gut bis sehr gut – und zwar unabhängig vom Alter. Waren die Testpersonen zusätzlich abgelenkt, z. B. durch ein persönliches Gespräch, ein Telefonat oder nur durch Action im Shop, war die Leistung nicht mehr so gut. Die peripheren Lichtreize wurden manchmal komplett übersehen oder die Reaktion war falsch, indem das linke statt dem rechten Pedal gedrückt wurde oder umgekehrt. "Die Ergebnisse zeigen, dass die Informationsaufnahme und die Reaktionsfähigkeit bei gleichzeitigen Zusatztätigkeiten verringert sind. Wird zusätzlich Stress erzeugt, kann das zur Folge haben, dass das Gehirn ein Areal quasi 'stilllegt', um sich auf die anderen Geschehnisse konzentrieren zu können. Geschlecht und Alter spielen hier eher eine geringe Rolle", erklärt die ÖAMTC-Verkehrspsychologin.
Gesichtsfeld freihalten, keine Ablenkung, bei Stress runter vom Gas
Da Veränderungen im peripheren Sehen altersunabhängig durch Ablenkung, Übermüdung und Überforderung ausgelöst werden, sollte sich jeder Verkehrsteilnehmer bewusst sein, dass es Situationen gibt, in denen das periphere Sehen eingeschränkt ist – und entsprechend reagieren. Auf der einen Seite ist jeder selbst gefordert: Zunächst einmal sollte der Sichtbereich aus dem Auto frei sein. Darüber hinaus sollte man sich bewusst sein, dass man in Stress-Situationen vieles leichter übersieht bzw. anders wahrnimmt. Hier hilft es, vorsorglich in fordernden Verkehrsbereichen die Geschwindigkeit zu reduzieren, den Abstand zu vergrößern und alle ablenkenden Dinge zu unterlassen.
Gefordert sind aber auch die Verkehrsplaner: Bereits bei der Gestaltung des Verkehrsraumes sollte beachtet werden, dass Wichtiges im Fokus ist, weil Randbereiche im Stress oft nicht oder nur schlecht wahrgenommen werden. Unterstützung bietet auch die Fahrzeugindustrie – viele Assistenzsysteme können Schwächen des Menschen teilweise ausgleichen. "Verantwortlich ist und bleibt aber der Mensch hinter dem Steuer", bekräftigt die ÖAMTC-Verkehrspsychologin.
Aviso an die Redaktion:
Fotos zu dieser Aussendung sind unter www.oeamtc.at/presse abrufbar. Sendefähiges Videomaterial ist bei der ÖAMTC-Öffentlichkeitsarbeit unter der Nummer (01) 711 99 1218 erhältlich.
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