Sicherheit
12.10.2011

"Neue Straßen - Neue Fahrzeuge" als Herausforderung für den Menschen

ÖAMTC/ÄKVÖ-Symposium 2011

"Neue Straßen - Neue Fahrzeuge. Eine Herausforderung für den Menschen" - unter diesem Titel diskutieren heute Experten bei einem Symposium von ÄKVÖ (Ärztliche Kraftfahrvereinigung Österreichs) und ÖAMTC in Wien. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob der Mensch den Neuerungen im Verkehr tatsächlich gewachsen ist. Deutlich wird das Spannungsfeld beim Thema "Shared Space". Der "öffentliche Raum als Lebensraum für alle" ist ein neuer Ansatz in der Verkehrsplanung. ÖAMTC-Experte Hans Peter Auer berichtet in seinem Vortrag über die Erfahrungen mit Shared Space-Projekten in der Steiermark. Einige Vorteile aus seiner Sicht: "Das Projekt Shared Space in Gleinstätten zeigt eine deutliche Reduktion der gefahrenen Geschwindigkeit. Positiv ist auch die Einbindung aller Verkehrsteilnehmer und Anrainer in die Planung."

Genau diesen Punkt, den gesellschaftlichen Konsens der Bürger über die Gestaltung und Nutzung einer Verkehrsfläche, sieht auch ÖAMTC-Jurist Martin Hoffer als entscheidenden Erfolgsfaktor. "Es ist eher zweifelhaft, ob das ebenfalls in einer anonymen Großstadt möglich ist", sieht ÖAMTC-Jurist Hoffer derzeit noch gewisse Grenzen für visionäre Verkehrskonzepte. Eine Übergangslösung aus seiner Sicht: "Rahmengesetze, die fehlende soziale Kontrolle ersetzen." Hoffer schlägt vor, sich bei städtischen Projekten für geteilten Verkehrsraum an bestehende Regeln wie etwa Wohnstraßen zu orientieren und diese zu erweitern bzw. zu modifizieren.

Elektronische Fahrerassistenzsysteme

Neben Verkehrsplanung sind auch elektronische Fahrerassistenzsysteme Thema beim Symposium. ÖAMTC-Experte Friedrich Eppel erklärt die Funktionsweise der wichtigsten aktuell erhältlichen Fahrerassistenzsysteme. "Auch wenn es bei manchen Systemen schon in Richtung autonomes Fahren geht, der Mensch wird auch in naher Zukunft Herr über die Entscheidungen im Fahrzeug sein", bekräftigt Eppel.

Telematik gewinnt an Bedeutung

Birgit Nadler von nast consulting skizziert, dass Verkehrstelematik in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen wird: "Zu den bestehenden intelligenten Verkehrssystemen, die die Verkehrsteilnehmer vor Gefahrenstellen warnen, werden kooperative Systeme (Car2X) integriert. Dies bedeutet, dass ein laufender Daten- und Informationsaustausch aller Beteiligten (Fahrzeuge untereinander als auch mit der Verkehrsinfrastruktur) stattfindet. Dadurch können konkrete und aktuelle Informationen an die betroffenen Fahrzeuge weitergeleitet und im Fahrzeug dargestellt werden." Mediziner Raimund Saam berichtet, dass durch die flächendeckende Implementierung eines Telematiksystems (Informationen über Straßenzustand, Verkehr etc.) die Zahl der Schwerverletzten um 30 Prozent, die der Unfälle mit Personenschaden um 31 Prozent und die Zahl der Verkehrsunfälle um 35 Prozent verringert werden könnte.

Faktor Mensch

Wie relevant der Faktor Mensch bei allen technischen Neuerungen bleibt, schildert Wolfgang Staffen, Facharzt f. Nuklearmedizin. So stünden der technischen Weiterentwicklung sowie neuen und sicheren Straßen ein höheres Verkehrsaufkommen und eine zunehmende Schnelllebigkeit gegenüber. "Es stellt sich die Frage, wie wir in Zukunft unser Gehirn direkter und effizienter für unsere Mobilität nutzen können", so Staffen im Rahmen des ÖAMTC/ÄKVÖ-Symposiums.