"Psychischen Verhaltensänderungen im Straßenverkehr wird im Vergleich zu Umweltschäden oder verkehrstechnischen Problemen verhältnismäßig zu wenig Bedeutung geschenkt." Das kritisiert Herwig Scholz, geschäftsführender Präsident der Ärztlichen Kraftfahrvereinigung Österreichs, anlässlich ihres in Wien stattfindenden Jubiläumssymposiums "Verkehrsmedizin im 21. Jahrhundert".
"road rage"
Dabei ist es aber oft aggressives Verhalten, dass zur Eskalation und in Folge dessen zu Unfällen im Straßenverkehr führt. "Eine umfangreiche Befragung des ÖAMTC hat gezeigt, dass es spezifische Aggressionsmuster im Straßenverkehr gibt, die im anglo-amerikanischen Raum auch als "road-rage" massiv erforscht worden sind", so Scholz.
Agressive Verhaltensweisen
Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass Menschen in der Abgeschlossenheit des Fahrzeuges Verhaltensweisen entwickeln, die sie außerhalb des Wagens höchstwahrscheinlich nicht an den Tag legen würden. Zu den am häufigsten erlebten aggressiven Verhaltensweisen zählen laut ÖAMTC-Erhebung "Schneiden beim Spurwechsel" (56 Prozent), "Aggressives Auffahren/Verfolgen" (52 Prozent), "Blenden/Hupen" (33 Prozent) und "Obszöne Gesten" (24 Prozent), jeder siebente wurde immerhin schon einmal verbal beschimpft. "Weitere Forschungen auf dem Gebiet aggressiver Verhaltensweisen sind daher dringend notwendig", fordert der geschäftsführende Präsident der ÄKVÖ.
Ärztliche Mobilität im Wandel
Mit dem Ziel die ärztliche Mobilität zu verbessern, wurde die heute als Zweigverein des ÖAMTC wirkende ÄKVÖ 1907 gegründet. Waren Ärzte damals auf Pferdefuhrwerke für ihre Hausbesuche angewiesen, begann das Automobil als modernes Fortbewegungsmittel an Bedeutung zu gewinnen. Von der Gründung der Ärztlichen Kraftfahrvereinigung Österreichs an, setzen sich die automobilen Ärzte mit den gesundheitlichen Auswirkungen des Straßenverkehrs auseinander.
"Bis heute veranstaltet die ÄKVÖ gemeinsam mit dem ÖAMTC zweimal jährlich ein interdisziplinäres Fachsymposium zu Themen, die sowohl für Kraftfahrer, als auch die Ärzteschaft von Bedeutung sind", sagt ÖAMTC-Präsident Werner Kraus in seinen Grußworten.
Vom Pferdefuhrwerk zum Rettungshubschrauber
Im modernen Rettungswesen hat sich im Laufe der Jahrzehnte aber einiges getan. "Rasche Hilfe aus der Luft ist heute selbstverständlich geworden. Die notärztliche Erstversorgung am Unfallort ist ein wesentlicher Bestandteil des modernen Rettungswesens", sagt Helmut Trimmel, leitender Flugrettungsarzt der ÖAMTC-Notarzthubschrauber im Rahmen des Symposiums. Mit rund 16.000 Einsätzen jährlich stellt die ÖAMTC-Flugrettung das Rückgrat der notfallmedizinischen Versorgung in Österreich dar.
Symposium-Themen und ÄKVÖ-Wissenschaftspreis
Für die ÄKVÖ stehen aber vorwiegend Arbeitsfelder und wissenschaftliche Fragen im Mittelpunkt, die erst durch die massive Entwicklung des Verkehrs entstanden sind. Daher werden im Rahmen des Symposiums auch eine Vielzahl an bedeutenden Themen diskutiert, deren Schwerpunkte von Notfallmedizin und Verkehr über Unfallprävention aus medizinischer Sicht und Aspekte der Umwelthygiene bis hin zur Verkehrsmedizin reichen. Im Rahmen der Veranstaltung wird außerdem erstmalig der ÄKVÖ-Wissenschaftspreis, gestiftet von der UNIQA, verliehen.
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