Offensive für Schiene & Straße
ÖAMTC skeptisch
Kritik am Programm
Der ÖAMTC kritisiert das bekannt gegebene Investitionsprogramm für Schiene und Straße. "Der Investitionsschlüssel von 2:1 (Bahn zu Straße) ist kritisch zu hinterfragen, weil die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Bahn schon lange versprochen, aber nicht gehalten wurde", sagt ÖAMTC-Verkehrsexperte Willy Matzke. In der EU gibt es keinerlei Möglichkeiten, Lkw auf die Bahn zu zwingen.
Brenner-Basistunnel keine Lösung
Der hochgelobte Brenner-Basistunnel ist nach einer Studie der WU Wien keine Lösung für die Transitbelastung Tirols. Schon heute könnte fast die Hälfte des Straßentransits über den kürzeren Weg der Schweiz geführt werden. Die Schweiz wird ihre Basistunnel der Bahn schon in wenigen Jahren fertig haben. Ein Brenner Tunnel, den die Finanzierungsbasis völlig fehlt, ließe sich aber frühestens im Jahr 2026 herstellen. "Wenn es gelänge mit dem Nicht-EU-Land Schweiz eine gemeinsame Strategie für den alpenquerenden Güterverkehr zu finden, so würden die zukünftigen Bahnkapazitäten der Schweiz völlig ausreichen", so der ÖAMTC-Experte.
Südautobahn und Flachbahnstrecke
Mit dem Vollausbau der Südautobahn über die Pack, der im heurigen Sommer abgeschlossen wird, erübrigt sich eine zusätzliche Bahnstrecke zwischen Graz und Klagenfurt. Nach Untersuchungen der TU Wien ist eine Flachbahnstrecke über Slowenien wesentlich schneller und billiger herstellbar. Vordringlich wären Investitionen in die Pyhrnbahn, damit der Güterterminal Graz optimal angebunden und den Ost-West-Transit auf dieser Route übernehmen könnte.
Lobau-Autobahntunnel
In einer großen Umfrage der Stadt Wien und den Autofahrerclubs hat sich eine überwältigende Mehrheit für eine Wiener Autobahnumfahrung ausgesprochen, nicht aber für einen Tunnel unter dem Naturschutzgebiet Lobau. Der ÖAMTC steht dem vorgezogenen Bau des Lobau-Autobahntunnels kritisch gegenüber, weil ein zeitgemäßes Sicherheitskonzept nicht berücksichtigt worden ist. So wurde eine unbedingt erforderliche befahrbare dritte Tunnelröhre für Rettung und Feuerwehr im Konzept überhaupt nicht berücksichtigt.
Sicherheitskonzept fehlt
"Ein bis zu acht Kilometer langer Tunnel ohne Fluchtwege ins Freie kann den Straßenbenützern, die dieses Bauwerk ja aus ihren Mauten bezahlen müssen, nicht zugemutet werden", sagt Matzke. Die Sicherheitsanforderungen mit einem dritten Rettungsstollen müssen auch für die beschlossenen Straßentunnel des Linzer Westringes gelten. Damit können diese Projekte aber um die Hälfte teurer kommen, als heute veranschlagt.
Sicherheit bei City-Tunnels
Dass solche Sicherheitsanforderungen des ÖAMTC aber heute schon Standards bei europäischen City-Tunnels sind, sieht man bei Autobahntunnels in Madrid. Diese Umfahrungstunnel mit drittem Sicherheitsstollen stehen unmittelbar vor der Eröffnung. Beim vergleichbaren City-Tunnel in Melbourne, wo diese vom Club geforderten Sicherheitsstollen ebenfalls fehlten, hat es erst vor wenigen Tagen nach einem Brandunfall drei Tote gegeben.