Unfallursache Sekundenschlaf

Sekundenschlaf bei 130 km/h bedeutet 180 m reaktionslos unterwegs zu sein. Müde? 29 Prozent würden einfach weiterfahren! Kaffee und Frischluft sind keine empfehlenswerten "Wachhalter".

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Die Ergebnisse der Unfallforschung sprechen eine eindeutige Sprache: Nur wer ausgeschlafen hinter dem Steuer sitzt, kann brenzlige Situationen im Straßenverkehr rechtzeitig erkennen und entsprechend darauf reagieren. Ärzte und Schlafforscher, Psychologen, Fahrtechniker und Straßenbauer sind sich darüber einig, dass zu viele Lenker übermüdet hinter dem Steuer sitzen und damit gefährliche Situationen - nicht selten mit tödlichem Ausgang - heraufbeschwören.

Inwieweit man dieser Gefahr der Übermüdung vorbeugen kann, war Thema eines Expertenforums. Dieses hat der ÖAMTC in Kooperation mit der ASFINAG, der Österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin ÖGSM/ASRA, dem Institut für Schlaf-Wachforschung (ISWF) und der Medizinischen Universität Wien durchgeführt.

Hohe Dunkelziffer bei Unfällen

25 Verkehrstote gab es im Jahr 2009, deren Unfall direkt auf Übermüdung zurückzuführen war. Das entspricht einem Anteil von 4,3 Prozent an allen Verkehrsunfällen mit tödlichem Ausgang. Die Dunkelziffer liegt aber wesentlich höher.Daher gilt: Gibt es das eine oder andere Anzeichen von Müdigkeit, unbedingt anhalten und eine Pause einlegen! Werden Müdigkeitssymptome ignoriert, droht der gefährliche Sekundenschlaf. Vor allem monotone Strecken, die in der Nacht gefahren werden, sind heimtückisch. Das Risiko, einen Unfall infolge Übermüdung oder Sekundenschlaf zu verursachen, ist in den Nachstunden besonders hoch.

Wer bei 130 km/h auf der Autobahn fünf Sekunden einnickt, ist 180 Meter völlig reaktionslos unterwegs.

Übermüdung als Ursache für tödliche Unfälle

Übermüdung führt zu Aufmerksamkeits- und Konzentrationseinbußen, verlängerte Reaktionszeiten, falsche Einschätzung von Entfernungen und Geschwindigkeiten oder Schwierigkeiten die Fahrspur zu halten, sind die unweigerlichen Folgen. Es muss sofort angehalten werden, hier hilft nur noch schlafen oder ein Fahrerwechsel.

ÖAMTC-Tipps für lange Urlaubsfahrten mit dem Auto
  • Gute Planung der Etappen: Bei langen Fahrten die Zeit nicht zu knapp kalkulieren und unbedingt ausreichend Pausen einplanen. Führt die Fahrt zum Ziel weiter als etwa 800 Kilometer, ist ein Zwischenstopp mit einer Übernachtungsmöglichkeit anzuraten. Wer glaubt, als routinierter Autofahrer seinen eigenen Körper austricksen zu können, kann einem tödlichen Irrtum unterliegen.
  • Ausgeruht fährt doppelt gut: Nur ausgeschlafen und erholt hinter das Steuer setzen. Wichtig ist es, den persönlichen Biorhythmus zu beachten. Vor allem in der Zeit von zwei Uhr bis sechs Uhr Früh ist das Risiko ermüdungsbedingter Unfälle besonders hoch. Von Fahrten in der Nacht ist deshalb abzuraten. Auch am Nachmittag zwischen 14 Uhr und 16 Uhr kommt es zu einem biologischen Leistungsabfall.
  • Faustregel: Bei Müdigkeitsanzeichen eine Pause einlegen. Dabei wirkt ein kurzes Nickerchen genauso Wunder wie Bewegung an der frischen Luft.
  • Verpflegung nicht vergessen: Ausreichend Flüssigkeit trinken, am besten Wasser, verdünnte Fruchtsäfte oder Tee, keinesfalls Alkohol. Auf leichte und vitaminreiche Ernährung achten. Vitaminmangel führt zu Müdigkeit und Unkonzentriertheit. Fischgerichte, Salate, Joghurt und Obst sind zu empfehlen. Der Genuss von zu schweren oder üppigen Mahlzeiten erhöht die Gefahr von Schläfrigkeit.
  • Keine Lösung: Die ersten Anzeichen von Müdigkeit können nicht mit frischer Luft bei geöffnetem Fenster, lauter Musik oder einem aufputschendem Getränk wie Kaffee kompensiert werden. Dabei kommt es lediglich zu einer kurzfristigen jedoch trügerischen Besserung. Man fühlt sich vorübergehend etwas wacher, ist es aber nicht - der fehlende Schlaf und damit die verminderte Leistungsfähigkeit lassen sich nicht wett machen.
  • Verantwortung des Beifahrers: Um sicher ans Ziel zu kommen, ist auch der Mitfahrer gefordert. Oft fällt es einem Mitfahrenden früher auf, wenn der Fahrer von Müdigkeit geplagt wird. Wenn möglich auf langen Etappen öfters einen Fahrerwechsel durchführen.