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    Ausgabe: Jänner 2010

    Große Klappe

    Man mag es oder man hasst es. Das vorne wie hinten eigenwillige Design des fünftürigen Mitsubishi Lancer Sportback 1,5 Invite polarisiert ? und macht Lust, sich den Fast-Mittelklassler genauer anzuschauen.

    1001_lancer_a © ÖAMTC
    Jetfighter-Grill. Die den Lufteinlässen von Kampfjets nachempfunden Front dominiert die Front des Mitsubishi Lancer Sportback.
    Da mit einer viertürigen Limousine, so gut und ausgereift sie auch sein mag, in Europa zumindest in Kompakt- und Mittelklasse kein Blumentopf zu gewinnen ist, war es für Mitsubishi höchste Zeit, den fünftürigen Lancer nachzureichen. Der ist betont sportlich ausgefallen und zeigt auch in der zivilsten Version Ähnlichkeiten zu seinen Sportkollegen, dem Lancer Ralliart und dem Lancer Evolution. Die beiden letzgenannten sind in langjähriger Mitsubishi-Tradition optisch, aber vor allem technisch auf Rallyesport getrimmt.

    Außen & Innen

    Beim fünftürigen Lancer, der - wie der fünftürige A3 von Audi - den Namen Sportback trägt, versuchte man im europäischen Mitsubishi-Designzentrum bei Frankfurt, ein möglichst sportliches Erscheinungsbild zu erzielen. Die Front wird durch den bei Mitsubishi seit kurzem übliche Jetfighter-Grill dominiert, der den Lufteinlässen von Kampfjets nachempfunden wurde. Am bulligen Heck soll ein Dachspoiler die sportliche Note unterstreichen - der wirkt aber aufgesetzt und wurde mehrfach als "peinlich" eingestuft. Die hohe Seitenlinie trägt ein Übriges zur geduckt, bulligen Erscheinung bei. Ob man es gelungen findet oder nicht, das Design des Lancer Sportback polarisiert - und er hebt sich von der oft uniformen Masse der Kompakt- bzw. Mittelklasse ab.

    Kompakt- oder Mittelklasse? Die Frage ist berechtigt, denn mit 4,59 Metern Länge überragt der Lancer Sportback zwar die meisten Konkurrenten in der Golf-Klasse (Golf VI: 4,20 m), ist aber kleiner als die meisten Mittelklassler. Irgendwo dazwischen angesiedelt, versucht Mitsubishi für den Lancer offenbar, Kunden aus beiden Lagern zu werben. Bei dem bulligen Auftreten erwartet man auch satten Klang, wenn die Türen zufallen. Leider nein, der Türensound ist am ehesten als "blechern" beschreibbar. Innen ist der Sportback auffallend schlicht und sachlich gestaltet. Das bringt wenig Eprit, aber viel Übersicht, die Mittelkonsole ist nicht überladen. Und die erwünschte Sportlichkeit wird durch versenkte und gut ablesbaren Rundinstrumente erzielt.

    Vorne genießt man - auch durch die Fahrzeuglänge bedingt - üppige Platzverhältnisse. Hinten ist die Beinfreiheit ausreichend, nur das schräg abfallende Heck schränkt die Kopffreiheit ein, sodass alle über einsachzig Probleme haben dürften.

    Der Lancer bietet ausreichend viele praktische Ablagen und Fächer, der Kofferraum ist mit 288 Litern Fassungsvermögen aber ziemlich klein ausgefallen. Er lässt sich jedoch dank niedriger Ladekante gut beladen und hält zwei praktische Details parat: Einerseits ist unter dem Boden ein 8 cm tiefes Fach versteckt, dessen Deckel abgesenkt werden kann, wodurch der Kofferraum an Höhe gewinnt. Die Kapazität steigt auf 344 Liter. Andererseits lassen sich die Rücksitzlehnen im Verhältnis 40:60 umklappen - und zwar ganz ohne Kraftaufwand und Verrenkung: einfach hinter dem Sportback stehend die Hebel links und rechts in den Kofferraumseiten ziehen und die Lehnenteile fallen um - aufgestellt müssen sie jedoch wie bei allen anderen Autos auch per Hand werden.

    Fahren & Sicherheit

    Das Fahren ist - zumindest mit dem kleinsten Benziner - nicht so sportlich, wie es das Design verspricht. Der 109-PS-Vierzylinder beschleunigt den knapp 1,3 Tonnen schweren Mitsubishi erstaunlich gut, wird aber schon im mittleren Drehzahlbereich unangenehm laut, was spätestens auf Autobahnen störende Dimensionen erreicht.

    Die Gänge werden im Lancer mit einem gut abgestuften, exakt zu schaltenden Fünfganggetriebe mit angenehm kurzen Schaltwegen gewechselt.

    Sportlicher und zum Lancer passender ist die Lenkung. Sie ist direkt und nicht zu leichtgängig. Dazu passt auch das Fahrwerk, das durch flotte Kurvenfahrten nicht überfordert ist und den Lancer immer gut kontrollierbar bleiben lässt. Lastwechsel sind dem Lancer fast fremd. Zudem sind im Sportback elektronische Helfer wie ABS und ASTC (Aktive Stabilitäts- und Traktionskontrolle) serienmäßig an Bord.

    Geld & Umwelt

    18.990 Euro kostet der 1,5 Invite, das Einstiegsmodell in die Sportback-Palette, die sieben Varianten bietet. Der 1,5 Invite hat in Serie bereits alles an Bord, was heutzutage erwartet werden darf. Erwähnenswert dabei die sieben Airbags (Fahrer- und Beifahrer, Seiten- und Kopf-Airbags sowie Knie-Airbag für den Fahrer) und die Klimaautomatik statt der üblichen manuellen Klimaanlage - wobei auch diese bei Basismodellen keineswegs immer vorhanden ist.

    6,3 Liter Super unter Laborbedingung sind passabel - zu den Kostverächtern gehört der Mitsubishi damit aber nicht. Im täglichen Betrieb genehmigt sich der 1,5-Liter-Benziner mit einem Testverbrauch von 7,6 Litern je 100 km eindeutig zu viel.

    Unterm Strich

    PLUS
    Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, sportliches, straffes Fahrwerk, Lenkung.

    MINUS
    Lauter Motor, peinlicher Heckspoiler.