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Foto-Show: Königreich Bhutan
Die Foto-Show ist sehr umfangreich - aber es lohnt sich ...
Liegt das nicht neben Propan?", versucht ein Kollege einen Witz. Die bittere Wahrheit ist: Fast kein Mensch weiß, wo Bhutan ist. Also erkläre ich: Das ist ein kleines Königreich, halb so groß wie Österreich, das zwischen Indien und China im Himalaja liegt. "Und warum soll man da hinfahren?" Ich rudere etwas hilflos mit den Armen: "Es soll wunderschön sein..."
Ich kann nicht so einfach nach Bhutan reisen wie, sagen wir einmal, nach Grönland. Ich brauche ein Visum. Ich muss einen Flug bei der staatlichen Drukair buchen, den ich nur mit einem Visum bekomme. Und das Visum erhalte ich nur dann, wenn ich, etwa über einen Reiseveranstalter bei uns, in Bhutan eine Rundreise buche. Kos-tenpunkt: 200 US-Dollar - pro Tag!
Der schönste Flug der Welt. Ich setze mich ins Flugzeug nach Kathmandu, Nepal. Dort steht der Airbus A319 der Drukair bereit. Ich weiß, dass ich für diesen Flug unbedingt einen Fensterplatz auf der linken Seite ergattern muss. Warum? Als der Jet aus dem Dunst des Tales hochsteigt, erstrahlen die Achttausender Everest, Lhotse und Co. zum Greifen nahe. Der 50-Minuten-Flug von Kathmandu-Paro gilt als einer der schönsten der Welt. Und als einer der spektakulärsten. Druk heißt Drache. Und wie selbiger auf Raubzug stürzt die Maschine beim Landeanflug auch hinunter in die engen Täler Bhutans. Nur Sekunden nach der letzten Kurve taucht die Piste auf und - rumms! - haben wir auch schon aufgesetzt. Vor dem kleinen Flughafen warten mein Führer Chundu und Fahrer Namgay mit dem Kleinbus. Wir fahren auf einer schmalen, holperigen Straße durch ein grünes Tal in die kleine Stadt Paro.
Hinter den sieben Bergen. "Bis in die 60er-Jahre des 20. Jahrhunderts war Bhutan fast völlig von der Außenwelt abgeschottet", erzählt Chundu. "Hohe Berge und tiefe Schluchten trugen viel dazu bei, aber auch bewusste Politik. Jetzt macht das Land innerhalb weniger Jahrzehnte einen Sprung vom Mittelalter ins 21. Jahrhundert. Vorsichtige Öffnung und Demokratisierung sollen die 700.000 Bhutaner aber vor allzu rascher Globalisierung schützen."
Ich spitze die Ohren. Berühmt geworden ist ja die Devise des Königs Jigme Singye Wangchuk, anzustreben sei nicht ein möglichst hohes Bruttosozialprodukt, sondern möglichst viel Bruttosozialglück.
In Paro wohne ich im Kichu-Resort, das wie alle anderen Touristenhotels in Bhutan sauber und mit WC bzw. Dusche gut ausgestattet ist. Die Buffet-Mahlzeiten sind schmackhaft, es gibt sogar gutes einheimisches Bier. Am nächsten Tag starten wir unsere Besichtigungen. Ich kritzle ins Notizbuch: Armut ja, aber kein Elend. Die Kinder sind gut genährt. Mönche prägen das Straßenbild. Die herrliche, saubere Luft. Überwältigende Aussicht über grüne Täler. Der Jhomolhari, der Siebentausender, im Abendlicht!
Klosterfestungen statt Verkehrsampeln. Die große architektonische Attraktion Bhutans sind die alten Klosterfestungen, Dzongs genannt. Sie sind noch heute gleichzeitig religiöse und weltliche Zentren der einzelnen Täler. In Paro besuche ich auch das Nationalmuseum und das Stadtzentrum mit einer "Geschäftsstraße". Am meisten los ist noch auf dem Sportplatz, wo sich vor allem Männer mit großer Ausdauer im Nationalsport Bogenschießen betätigen. Gut zwei Stunden sind es von Paro auf kurvigen Straßen durch enge Täler nach Thimphu, der Hauptstadt Bhutans. Thimphu hat 50.000 Einwohner, zwei große Straßen, immer mehr Autos, die auch Staus von einigen Metern Länge verursachen, und noch immer keine einzige Verkehrsampel.
Ich frage Chundu, wie die Einheimischen im Entwicklungsland Bhutan Geld verdienen, das für ein Auto reicht. "Wir exportieren Strom aus Wasserkraft, da fließt Geld in die Bürokratie", sagt er. Und der Staat will, dass die Beamten gut verdienen, damit sie nicht korrupt werden.
Später besuchen wir eine Krankenstation, in der wahlweise nach traditioneller tibetischer Medizin oder mit westlichen Methoden behandelt wird. Alles ist sauber und ordentlich. Woher kommt das Geld? Chundu lächelt. Touristen müssen 200 US-Dollar pro Tag bezahlen, ein Drittel geht direkt an den Staat - fürs Gesundheitswesen und für Schulen. Auch direkte Entwicklungshilfe, etwa aus Österreich, unterstützt die Menschen in Bhutan, die - statistisch gesehen - in einem der ärmsten Länder der Welt leben.
Tradition und Globalisierung. Die Bhutaner sind Buddhisten, ihre Religion bestimmt das Leben. Die Besuche der vielen Klöster und Tempel stellen neben den traditionellen Festen mit ihren Maskentänzen, Trommelwirbeln und Trompetenklängen wohl die Höhepunkte jeder Reise dar. Mit jedem Tag wächst meine Bewunderung für dieses kleine Volk, das seine Traditionen bewahren will, das Moderne akzeptiert (viele haben ein Handy, seit einigen Jahren gibt es auch Fernsehen) und seine Natur schützt: Das Besteigen der höchsten Gipfel ist aus religiösen Gründen verboten, die Wälder dürfen nicht abgeholzt werden.
Am letzten Tag besuche ich Taktshang, das weltberühmte "Tigernest", das hoch über dem Paro-Tal an einer Felswand zu schweben scheint. Guru Rinpoche soll im 8. Jahrhundert auf dem Rücken eines Tigers hierher geflogen sein und in der Höhle drei Monate meditiert haben. Die Tempel, die 1998 abgebrannt und bis 2005 neu errichtet wurden, sind eines der wichtigsten Heiligtümer im Himalaja.
Der Aufstieg zwischen Pilgern und anderen Touristen dauert zwei Stunden. Er ist etwas anstrengend, man hat auch Zeit zum Nachdenken. Religion, Familie, Gesundheit, Tradition, Natur - das ist also Glücksrezept nach bhutanischer Art. Dann öffnen sich die steilen Felsen, die Bäume scheinen zur Seite zu treten, die Gebetsfahnen flattern im frischen Wind des Vormittages, und ich sehe die Tempel an den steilen Abhängen. Das jedenfalls ist mein kleines Glück.
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