Auch für den reisenden Europäer liegt Chile, gelinde gesagt, etwas abseits. Über 20 Stunden dauert die Anreise per Flugzeug ab Österreich. Und auch die Entfernungen innerhalb des 4.300 km langen und im Schnitt nur 180 km breiten Landes, das auch schon als "geographisches Monstrum" bezeichnet wurde, sind enorm.
Wer aber lange Flüge nicht scheut, wird mit außergewöhnlichen Erlebnissen in einem weitestgehend sicheren Reiseland belohnt, in dem Extreme der Normalfall sind - von der berühmten Atacama-Wüste im Norden bis zum Torres-del-Paine Park nahe der Magellan-Straße ganz im Süden.
Wilder geht es nicht. Die "blauen Türme" sind das Herzstück des mit Sicherheit wildesten, wahrscheinlich schönsten und leider wohl auch teuersten Nationalparks der Welt am Rande des südpatagonischen Eisfeldes. Für die Besichtigung benötigt man inklusive An- und Abreise vom 500 Kilometer entfernten Flughafen Punta Arenas drei bis vier Tage. Bizarre Felstürme spiegeln sich in glasklaren Seen, an denen sich Guanacos, die örtliche Lamavariante, und Nandus, kleine Strauße, sammeln. Den Gletscherabbruch am Lago Grey kann man per Ausflugsboot aus nächster Nähe bewundern, die Nächte verbringt man zum Beispiel superkomfortabel und samt phänomenalem Abendbuffet in der "Hosteria las Torres".
Freilich ist der Park für sein launisches Wetter berühmt-berüchtigt - man benötigt also auch etwas Glück für den vollen Naturgenuss. Reiseleiter Erik Hechenleitner, schon dem Namen nach ein waschechter Einheimischer, zur vorherrschenden Tiefdrucklage: "Schlecht, aber stabil".
Vicuñas und Vulkane. In der Atacama-Wüste hoch im Norden Chiles hingegen ist es trockener als in der afrikanischen Sahara oder der zentralasiatischen Gobi. "Dame agua, por favor - gib' mir bitte Wasser" hat irgendein Witzbold auf ein Papp-Plakat gekritzelt und damit an der Straße von Calama nach San Pedro de Atacama den einzigen (verkrüppelten) Baum im Umkreis von Dutzenden Kilometern geschmückt. Unter Chilenen ist es "in" geworden, im ehemaligen Aussteiger-Kaff San Pedro de Atacama mit Blick auf Anden-Riesen wie den Vulkan Licancabur zu urlauben.
Die Oase ist - samt einem mittlerweile guten Hotel- und Restaurantangebot - der Ausgangspunkt für Touren. Etwa zum Salar de Atacama, in dessen Brackwasser sich vom Schnee bedeckte Vulkangipfel spiegeln und wo man den Flamingos ganz nahe kommt. Bereits um vier Uhr früh bricht man zu den Geysiren von El Tatio auf 4.300 m (!) auf, die nur kurz nach Sonnenaufgang aktiv sind.
Abends trifft man einander im Valle de la Luna (Mondtal) zum spektakulären Sonnenuntergang, der die Vulkane in ein unglaubliches Rosa färbt. Geheimnisvoll hingegen geben sich die 2.000 Jahre alten Ruinen von Tula und die noch immer rätselhaften Erdzeichnungen in der Umgebung.
Im Museum von San Pedro kann man die Nachbildungen berühmter Mumienfunde bestaunen ("Miss Chile"). Fast auf Schritt und Tritt sind Vicuñas, wild lebende Lamas, die Begleiter in der Atacama.
Sicher und sauber. Klar, dass man öfter ins Flugzeug steigen muss, will man diese weit auseinander liegenden Teile Chiles besuchen. Ausgangspunkt ist in jedem Fall die junge, moderne, aber vom Smog geplagte Hauptstadt Santiago samt ihrer bewegten jüngeren Geschichte.
Erst seit einigen Jahren hat in einer aufblühenden Demokratie auch Salvador Allende, 1973 von Augusto Pinochet mit Unterstützung der CIA aus Amt und Leben gebombt, sein Denkmal vor dem Regierungsgebäude "La Moneda".
Thema Sicherheit: Als Tourist muss man in Chile schon lange nicht mehr Angst um Leib und Leben haben. Die schlechteren Viertel Santiagos ausgenommen, ist der Andenstaat ein überaus sicheres Reiseland, wahrscheinlich das sicherste - und "ordentlichste" - ganz Süd- und Mittelamerikas. Tja, schließlich leben ja auch rund 200.000 Deutschstämmige im Land. Der Volksmund nennt die Deutschsprachigen schlicht "die Ottos"...
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