Wer aber, bitteschön, ist verrückt genug, um mitten im Winter ganz nach Norden zu reisen, um am Polarkreis bei wahrhaft arktischen Temperaturen mit Hundeschlitten über den zugefrorenen finnischen Meerbusen zu rattern, dessen Eis mit dem Eisbrecher Sampo zu knacken oder sich sogar - in einen dicken Gummianzug gepackt - in die schaurige See zu tauchen? Klimaflüchtlinge aus den erhitzten Alpentälern sind keine auszumachen, also fragen wir Sinikka Niskanen von Lapland Connection: "Unsere Region ist im Winter vor allem ein Ziel für Firmen-Incentives geworden. Aber auch immer mehr Einzelreisende kommen, weil sie etwas Außergewöhnliches in wunderbarer Landschaft erleben wollen", sagt die Schneesafari-Veranstalterin.
Diese verrückten Finnen! Einer dieser "Erlebnistage" kann etwa so ablaufen: Nach dem schwer fallenden Abschied vom gut geheizten Hotel dürfen wir selbst mit Motorschlitten durch die winterliche Märchenlandschaft sausen. Nach etwa 90 Minuten erreichen wir den Eisbrecher Sampo, der uns hinaus aufs zugefrorene Meer bringt. Nach dem Mittagessen können sich ganz Mutige in speziellen Anzügen ins eisige Wasser legen.
Zurück an Land geht es dann zum Hundeschlittenfahren. Jeder darf einmal selbst den Schlitten steuern. Doch keine Angst: Die klugen Tiere kennen den Weg (und auch die Abkürzungen) nach Hause. Der nächste Höhepunkt ist ein Saunabesuch samt Verkostung von Hochprozentigem - erstmals kommt hier wieder Leben in die vollkommen vereisten Gliedmaßen des Reporters. Es ist derart kalt, dass das Wasser an der Außentüre der Sauna innerhalb von Minuten zu dicken Eisklumpen gefriert. Als Belohnung gibt es dann zum Abendessen köstlichen am Kamin gerösteten Lachs.
In der Eis-Burg. Wer freilich glaubt, er sei diesen Finnen damit endgültig entkommen, wird in der Eis-Burg von Kemi eines Besseren belehrt. Jedes Jahr wird sie neu errichtet, die größte Attraktion sind die Einzel- und Doppelzimmer aus Eis, auf die dicke Schlafsäcke und Decken gebreitet sind. Die größte Überraschung für den Südländer ist wohl, dass es in den Zimmern wohlig-warme minus fünf Grad hat, während draußen bei unter minus 20 Grad noch immer Väterchen Frost unumschränkt regiert. Dennoch: In so einem "Bett" etwa eine Hochzeitsnacht zu verbringen - daran können wohl nur Masochisten denken. Mit einem "Gute-Nacht-Drink" versorgt, schläft man zwar leidlich gut. An Sex ist aber nicht zu denken, würde doch jede Bewegung die Gefahr eisiger Zugluft herauf beschwören.
Wie dem auch sei: Der Weckruf ist eine Art Erlösung. Zum Abschluss steht dann ein Besuch beim "Weihnachtsmann" am Polarkreis bei Rovaniemi auf dem Programm. Doch der Schauspieler, der den Geschenkelieferanten spielt, ist gerade Mittagessen. Fotografieren darf man dann auch nicht, außer man zahlt. Fazit fürs Santa Claus Village: Superkitsch in Reinkultur, eher etwas für japanische Reisegruppen.



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