• Reise-Reportagen
    Ausgabe: Juli 2007
    11.05.2011
    Autor:
    Helmut Eckler

    Anflug auf Moskau

    Genau 20 Jahre nach Mathias Rust kann jetzt jeder einfach und nun auch günstig nach Moskau fliegen.

    0707_moskau_a © Helmut Eckler
    Roter Platz. Auch Moskaus Schickeria flaniert gerne zwischen Basilius-Kathedrale (links) und roter Kremlmauer
    © Helmut Eckler
    Auf dem Roten Platz ist die Hölle los. Nein, kein Sportflugzeug ist vor der Basiliuskathedrale gelandet, so wie vor 20 Jahren. Hunderte Jugendliche feiern Ende Mai ausgelassen den Ferienbeginn. In Schuluniformen und Trachten, in konservativen Anzügen oder im schrillen Outfit der MTV-Konsumenten.
    Basilikus-Kathedrale am Roten Platz
    © Helmut Eckler
    Konsumenten? Die gibt's massenhaft, Russland ist im Kapitalismus angekommen - und man zeigt, was man hat. In vielen supermodernen Einkaufstempeln und im weltberühmten Kaufhaus GUM, das den Roten Platz schon zu Zarenzeiten auf der Seite gegenüber der roten Kreml-Mauer begrenzte. In dessen rund 200 Luxusboutiquen wird fast jeder Wunsch erfüllt - falls der Rubel reicht. Für erstaunlich viele scheint Geld allerdings überhaupt abgeschafft worden zu sein. Damen stöckeln in High Heels und mit Designertäschchen durch die weiten Galerien, und hinter dem GUM warten 7er-BMW oder S-Klasse-Mercedes samt Chauffeur.

    Tipp: Bosco-Bar und Bosco-Café im GUM. Vorzügliche Speisen zu Moskau-üblich hohen Innenstadt-Preisen, aber mit den einzigen Sitzplätzen im Freien auf dem Roten Platz.

    Jenseits des Roten Platzes, hinter dem Erlösertor, öffnet sich der Manegeplatz. Er ist beliebter Treffpunkt für junge wie ältere Moskauer und Touristen. Man flaniert durch den Park an der hinteren Kreml-Mauer, entspannt in einem der Cafés und Restaurants oder bummelt durchs dreistöckige unterirdische Einkaufszentrum.
    Apropos Bummeln: In diesem und den vielen anderen, nagelneuen und teilweise riesigen Shopping-Zentren bekommt man wirklich alles, was es auch bei uns gibt - und das zu absolut vergleichbaren Preisen.

    Matruschka in blau mit traditionellem Motiv
    © Archiv
    Zu Fuß durch die Innenstadt. Vom Kommunismus ist nicht viel geblieben. Nur noch selten sieht man Hammer und Sichel - wenn, dann an den Wänden offizieller Gebäude und an Denkmälern. Und viele Sowjetsterne wurden in Moskau wieder durch den Doppeladler der Zaren ersetzt.
    Der Alte Arbat ist Moskaus quirlige Fußgängerzone mit Straßenkünstlern, Cafés, Geschäften und unzähligen Souvenirständen, wo man vom Sowjetorden über Uniformmützen bis zu den Matruschkas, den berühmten russischen Ineinandersteck-Puppen, alles bekommt. In den Seitengassen des ehemaligen Künstlerviertels finden sich Baujuwele und nicht weit entfernt kann man die Datscha Lew Tolstois besichtigen, die heute ein Museum ist.

    Vom Arbat ist es nicht weit zur Twerskaja, der mehrspurigen Lebensader Moskaus mit vielen Geschäften und Cafés. Auf dem gut halbstündigen Spaziergang sollte man einen kurzen Abstecher zum Gorki-Hausmuseum in der Malaja Nikitskaja machen, einer Jugendstil-Villa, erbaut von 1900 bis 1902 für den Millionär S. P. Rjabuschinski. Die Villa ist das Paradeobjekt von Fjoder Schechtel, Russlands bekanntestem Jugendstil-Architekten. Stalin stellte das Haus seinem Lieblingsschriftsteller Maxim Gorki für dessen letzte Lebensjahre zur Verfügung. Vor allem die zentrale Treppe aus grauem Marmor fasziniert, wie auch Stuck, Buntglasfenster sowie kunstvolle Holz- und Metall-Ornamente.

    Jugendtreffpunkt Puschkin-Platz mit Rossija-Kinopalast
    © Archiv
    Ein Knotenpunkt auf der breiten Geschäftstraße Twerskaja ist der Puschkin-Platz. Hier trifft sich Moskaus Jugend rund um den Rossija-Kinopalast. Vis-à-vis ist Moskaus erste McDonalds-Filiale (1990), schräg gegenüber genießt man russische Spezialitäten im Café Puschkin. Und nur ein Stück weiter auf der Twerskaja, in Richtung Kreml, muss man unbedingt ins Jelissejew, einem Palais-artigen Delikatessengeschäft in üppigem Jugendstil.
    Übrigens: Will man in eines der glamourösen und sündteuren Nachtlokale in den Nebenstraßen der Twerskaja und im alten Stadtteil Kitaj Gorod, muss man erst einmal an den Türstehern vorbei. Da ist's gut, wenn man nach Geld ausschaut - Designermode und speziell ein Luxusautos helfen da sehr.

    Und das sind die Praxis-Tipps für den Kurz-Trip in die russische Metropole:

    Einen guten Überblick verschaffen eine Bustour oder - wirklich empfehlenswert - eine Schifffahrt auf der Moskwa: vom Kreml zum Jugendstil-Bahnhof Kiewskaja, wo man dann auch gleich in die U-Bahn abtaucht.
    Mit der U-Bahn fahren ist in Moskau Pflicht
    © Archiv
    Die U-Bahnstationen, erbaut ab 1931, werden zurecht "Paläste des Volkes" genannt. Kunstwerke in Stahl, Bronze, Marmor, Stuck und Glas. Besonders schön: Kiewskaja, Barrikadnaja, Nowoslobodskaja, Komsomol'skaja, Majakowskaja und Arbatskaja. Ein Einzelfahrschein kostet 17 Rubel (ca. 50 Cent). So lange man unten bleibt, braucht kein weiterer entwertet werden. Daher: aussteigen, Station ansehen und weiterfahren zur nächsten - wenn möglich, am Wochenende, denn an Arbeitstagen fahren rund 9 Millionen Moskauer mit der U-Bahn, da helfen auch die extrem kurzen Intervalle nicht wirklich. Der Kreml war die Stadt der Zaren innerhalb der Stadt: 28 ha groß, von der 2,2 km langen Kremlmauer mit 18 Türmen umgeben. Die Regierungsgebäude und der Amtssitz von Präsident Putin sind zwar tabu, die prunkvollen von Zwiebeltürmen gekrönten Kathedralen und Kirchen, die Zarenglocke, den Glockenturm "Iwan der Große" und die Zarenkanone muss man aber gesehen haben. Wie die Rüstkammer mit ihren Zarenschätzen in Gold und Silber mit jeder Menge Edelsteinen, Fabergé-Miniaturen, Prunkgewändern, Waffen und Prachtkutschen - auch wenn die Besichtigung nur in geführten Gruppen möglich ist.Nicht nur im Kreml stehen russisch-orthodoxe Kirchen mit wunderschönen Ikonen und Fresken, die ganze Stadt ist voll davon. "Immerhin haben rund 500 von ursprünglich über 4.000 Kirchen, Klöstern und Kathedralen den Kommunismus überstanden", sagt Elena, unser Kreml-Guide.
    Verkehrsministerium im Zuckerbäcker-Stil der Stalin-Ära
    © Archiv
    Die "Sieben Schwestern" sind weithin sichtbar in der Stadt verteilt. So heißen die sieben Monumentalbauten im "Zuckerbäcker-Stil" der Stalin-Ära. Je zwei sind Ministerien, Hotels und Wohnhäuser. Das siebente ist das Hauptgebäude der Universität auf den Sperlingsbergen, von wo man einen traumhaften Blick auf die Stadt genießt. Die Christi-Erlöser-Kathedrale, die russisch-orthodoxe Hauptkirche, wurde 1931 auf Betreiben Stalins gesprengt. An ihre Stelle sollte der "Palast der Sowjets", ein rund 420 m hoher Zuckerbäcker-Wahnsinnsbau treten. Dann kam der Weltkrieg, die Baugrube wurde zum Freibad. 1996 bis 1999 wurde die Kathedrale nach Originalplänen wieder aufgebaut - finanziert durch private Spenden. Achtung: Knie und Schultern müssen bedeckt sein, sonst darf man nicht rein. Taschen, Rucksäcke usw. sind nicht erlaubt. Fotografieren ist verboten - wie in allen Kirchen, Geschäften und öffentlichen Gebäuden.
    Auf die Einhaltung dieses Foto-Verbots achten private Sicherheitsleute und die omnipräsenten Polizei. Soviele Uniformierte auf den Straßen findet man kaum anderswo.

    Sechs Mal pro Woche fliegt Niki direkt nach Moskau. Aber: Das Visum ist weiterhin kompliziert und zeitaufwändig zu besorgen. Der Club hilft dabei, wenn man im ÖAMTC-Reisebüro bucht.