• Reise-Reportagen
    Ausgabe: Dezember 2006
    Autor:
    Roland Fibich

    Marke Paradies

    Mauritius: Wertzeichen für Sonnenurlaub in der Ferne.

    0612_mauritius_a © Fibich, Beachcomber, MTBA
    Ein Wertzeichen für Sonnenferien im Winter: die Insel Mauritius unter der Lupe
    © Fibich, Beachcomber, MTBA
    Das Paradies, das ist der Garten Eden oder der Himmel, jedenfalls ein Ort der Seligkeit. Paradiese gibt's laut Duden aber auch schon auf Erden. Sie sollen Orte oder Gegenden sein, die durch ihre Schönheit und Lebensbedingungen alle Voraussetzungen für ein glückliches Dasein erfüllen.

    Die turtelnden Liebespärchen, die beim Einchecken am LTU-Schalter in München die Hände nicht voneinander lassen können, haben ihr persönliches Glück schon gefunden. Jetzt trennen die jung Verliebten, frisch Vermählten und wieder Verknallten nur noch zehn Flugstunden von einem Ziel, das ihnen mit Slogans wie "immerwährender Sommer", "Palmen-Traumstrände" und "türkisblaues Meer" schmackhaft gemacht wurde. Es ist also eine Art weltliche Himmelfahrt, die sie mit dem Airbus A330-200 der LTU auf die Minute genau antreten. Umso größer würde die Enttäuschung sein, sollte der Traum vom Paradies in den nächsten ein bis zwei Wochen platzen.

    Versprechen gehalten? Das Liebesleben von Mauritius-Urlaubern geht uns nichts an. Jedoch kann hier klipp und klar festgehalten werden: Auf der nach oben offenen Skala weltlicher Paradiese nimmt die Insel Mauritius im Indischen Ozean tatsächlich eine Spitzenposition ein. Rund 40 Luxushotels haben sich an den schönsten Abschnitten einer 330 Kilometer langen Küste angesiedelt, darunter acht der Beachcomber-Hotelgruppe. Diese Top-Häuser, die jeden Komfort bieten, sind seit einigen Jahren aber nicht mehr nur Reiseziel für die Reichen und Schönen dieser Welt. Pauschalangebote zu vernünftigen Preisen wie etwa für das frisch renovierte Le Victoria oder das Le Mauricia - beide im Nordwesten der Insel - sorgen für stetig wachsenden Zustrom auch von Normalsterblichen.

    Dass Mauritius (neben Seychellen, Malediven und "der Südsee") geradezu zum Markennamen für einen "Traumurlaub im Paradies" wurde, dafür ist neben geschickter Werbung auch die Lebensart der Einheimischen verantwortlich. Voller Stolz betonen sie immer und immer wieder, wie harmonisch Hindus, Muslime und Christen auf diesem winzigen Fleck zusammen leben, den man im Atlas tatsächlich fast mit der Lupe suchen muss (zur Information: östlich von Madagaskar).

    Im Hotel Le Victoria. "Können Sie bitte diese Anmeldekarte - spielen...?" Nein, die junge Varsha im Luxushotel Le Victoria will nicht pokern, sie lernt gerade Deutsch. Ihr Lächeln genügt und der Gast, von der langen Anreise einigermaßen ermattet, begreift endlich: Du bist auf Urlaub!

    Das Victoria hat die größten Standard-Hotelzimmer auf der Insel - 60 Quadratmeter, frisch renoviert und neu eingerichtet. Im Bad (mit Haarföhn) gibt's zwei Waschbecken, eine Badewanne und noch eine Extra-Dusche als Draufgabe. Vom Balkon sieht man durch einen Palmengarten auf den Indischen Ozean. Die Palmblätter rascheln, das Wasser ist ziemlich türkis.

    Ein Rundgang: In der Mitte der riesige Pool, rechts eines der drei Restaurants, dann gepolsterte Liegen, dahinter wieder Palmen. Ein paar Stufen führen zum Strand: feiner Sand, genügend Liegen, Schirme, Schatten - alles da. Urlauber urlauben, dienstbare Menschen servieren bunte Drinks. So sieht es also aus, das Paradies auf Erden.

    Schattenseiten? Das Victoria liegt in einem Naturschutzgebiet, unter und über der Wasseroberfläche sieht man auch Felsen. Man kann zwar direkt vom Sandstrand ins warme Meer, dafür sind jedoch Badeschuhe empfohlen. Das macht aber eigentlich nichts, denn im Gegenzug bietet das Hotel jede Menge Sportmöglichkeiten. Schnorcheln, Windsurfen, Segeln, Tret- und Padelboote sowie sogar Wasserskifahren sind im Preis eingeschlossen. Die Unterwasserwelt alleine - bunte Fische! Korallen! - ist eine Reise wert.

    In den Restaurants wird abwechslungsreiche Spitzengastronomie geboten. Service und Ambiente sind von höchster Qualität. Wer Halbpension (Frühstück und Abendessen inklusive) gebucht hat, abends aber eines der beiden zusätzlichen Spezialitäten-Restaurants aufsuchen will, erhält automatisch ein Guthaben, den Rest muss man drauflegen. Die Getränke haben die für Hotels dieser Kategorie international üblichen Preise, z. B. gibt's ein kleines Bier um umgerechnet E 2,80. Wer mittags einen Imbiss zu sich nimmt, muss inklusive Getränken mit mindestens zwölf Euro pro Person rechnen. Wie überall auf Mauritius sind die Preise auf den Speisekarten ohne Steuern angegeben. Nach Sonnenuntergang kleiden sich die Gäste fürs Abendessen lässig-elegant - Jeans sind gerade noch erlaubt, kurze Hosen ein absolutes "no-no". Ein romantisches Dinner-Erlebnis ist das Hummer-Buffet einmal pro Woche zum Aufpreis von rund 50 Euro.

    Noch mehr Paradies. Wer meint, so viel Luxus könne nicht mehr überboten werden, irrt gewaltig. Im Le Paradis im Süden der Insel hat Beachcomber weltliche Glückseligkeit gleich zum Hotelnamen gemacht. Frauen, die aussehen wie die junge Catherine Deneuve, spazieren mit wohl erzogenen Töchtern von ihren Suiten zum Strand, während Männer, die sonst wahrscheinlich Hedgefonds managen oder internationale PR-Agenturen leiten, Wasserski fahren oder auf hoher See Hemingway-Feeling suchen. Wer Stil und Eleganz mit Badevergnügen in einer, nun ja, paradiesischen Umgebung verbinden will, ist im Le Paradis goldrichtig - eine Woche Luxusferien inklusive Flug und Halbpension gibt's pro Person ab Euro 1.910,-.

    Insel-Rundfahrt. Oft wird behauptet, Mauritius habe außer Strandferien in den besten Hotels der Welt nicht viel zu bieten. Wer genauer hinsieht und sich das Vergnügen einer Erkundungstour gönnt, wird vor allem von der Freundlichkeit und Friedfertigkeit der Einheimischen begeistert sein.

    Und es müssen gar nicht die "großen" Sehenswürdigkeiten wie der tropische Garten von Pamplemousses mit seinen Wagenrad-großen Wasserlilien oder das Farbenspiel von Naturwundern in den Terres de Couleurs ("Bunte Erde") sein. Vielleicht setzt man sich auch einmal auf die Bank gleich neben der Kapelle Notre-Dame Auxiliatrice am Cap Malheureux an der Nordspitze von Mauritius, schaut den Kindern beim Plantschen und den Fischern beim Diskutieren zu. Gleich in der Nähe, in der weit geschwungenen Bucht von Anse la Raie, findet sich ein dem Elefantengott Ganesh und dem Gott Shiva gewidmeter Hindu-Schrein, und auch zur nächsten Moschee ist es nicht weit.

    Das Zusammenleben der Kulturen ist auf einer kleinen Insel, auf der alle Menschen Vorfahren haben, die irgendwann eingewandert sind, offenbar einfacher als anderswo. Taxi-Fahrer Rajesh Gungah: "Wir leben in Frieden. Und man kann auch als Frau nachts alleine spazieren gehen." Rajesh ist stolz auf sein kleines Inselreich.

    Große weltliche Reichtümer besitzen die meisten Einheimischen freilich nicht: Probleme mit sinkenden Einkünften aus dem Zuckerrohr-Anbau und Konkurrenz aus Fernost für die Textilindustrie machen Sorgen. Dennoch hat Mauritius, auch durch den Tourismus, eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen in Afrika: ca. 4.000 Rupien im Monat. Das sind rund 100 Euro, also ziemlich genau der Preis des Hummer-Dinners für Zwei im Hotel Victoria.

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    ÖAMTC-Länderinformationen Mauritius

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