- Volkswagen-Prototypen
- Oldtimer im Zeithaus
Ein Wochenende in Wolfsburg, mitten in der tiefsten deutschen Provinz? Na klar, ist doch nicht die Stadt das Ziel, sondern die Lust am Auto, die dort hemmungslos ausgelebt werden kann. Denn zwischen dem Volkswagen-Werk und den 20 Stockwerke hohen gläsernen Türmen, in denen sich die Autos der Selbstabholer stapeln, lockt die "Autostadt", eine Erlebniswelt für die ganze Familie - ohne Hochschaubahnen, dafür voll stiller Sensationen. 10 Millionen Menschen besuchten den 25 Hektar großen Themenpark seit seiner Eröffnung im Juni 2000.
Die Marke macht's. Alles dreht sich, alles bewegt sich. Doch das einzige, was dabei Krach macht, ist ein gelber Murciélago. In einer Inszenierung aus infernalischer Musik und Nebel dreht sich der automobile Kampfstier alle 20 Minuten aus seinem Gatter, dem schwarzen Lamborghini-Pavillon, ins Freie. Bei Bentley riecht man sich durch sechs Sorten feinstes Leder und betastet etliche Wurzelholz-Qualitäten, ehe man im Schatten einer acht Meter hohen Kurbelwelle den an der Wand klebenden Le-Mans-Boliden entdeckt. VW punktet mit einem 360-Grad-Kino, Audi mit einem simulierten Flug nach San Francisco, Seat so wie Skoda mit Kunst: Die Aufgabe der Marken-Pavillons ist es, Image zu vermitteln. Attraktionen zum Mitmachen gibt es da jede Menge: Wie ein Auto vor der Serienreife lernt man, in Test-Simulatoren extremer Hitze und Kälte (nur kurz!) zu trotzen und Vibrationen durchzustehen, die durch Mark und Bein gehen. Tastet sich durch dichtesten Nebel und spürt hautnah den rauen Wind eines richtigen Windkanals. Wird in Überschlags-Kugeln seitlich auf den Kopf gestellt und erlebt das Auslösen eines Airbags.
Zuviel Action? Muss nicht sein. Im Designstudio kann man per Touchscreen Autos entwerfen, im Sun Fuel Labor Bio-Sprit brauen lassen: Da sät einem ein Roboter Kresse-Körner in "sein" Watte-Viereck, gießt und fotografiert es bis zur Ernte - und schickt per E-Mail einen Film, der das Wachsen der Pflanze im Zeitraffer zeigt. Wochen später kommt eine Phiole eigenen Treibstoffs aus der Raffinerie.
Oldies im Setzkasten. Das gläserne Zeithaus ist ein lebendiges Museum, in dem Meilensteine des Autobaus in historische Szenarien eingebettet sind. Da steht der witzig-winzige Hanomag Komissbrot neben dem monumentalen Horch 670, den Heinz Rühmann im Film "Die Drei von der Tankstelle" fuhr, und in der Abteilung Wirtschaftswunder beliefert der allererste VW-Transporter einen original Krämerladen mit Sinalco. Hochkaräter wie Audis V16-Rennwagen von 1936 oder der Bugatti Atlantic, aber auch Prototypen des allerersten Käfers gibt es zu bestaunen. Und 10 Minuten entfernt hunderte VW - darunter dutzende, die nie in Serie gingen - im "offiziellen" Werksmuseum.
Offroad erleben. Wem der Traum, im eigenen Touareg durchs Gelände zu kurven, zu teuer ist, kann ihn auf einem Parcours mit Wassergräben, Treppen und schwankenden Brücken ausleben. Falls man dabei auf den Geschmack kommen sollte: Mit nach Hause nehmen darf man den Offroader leider nicht.



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