Diese Reise rund um das Kap der Guten Hoffnung hat freilich kein gewaltiges afrikanisches Panorama hinterlassen, sondern eher Blitzlichter von einem Kontinent, der sich dem europäischen Besucher nicht auf Knopfdruck öffnet. Speziell dann nicht, wenn man mit einer Kreuzfahrt einen ziemlich distanzierten Reisestil gewählt hat. Umgekehrt: Die Schiffstour ist vor allem für Afrika-Neulinge eine einfache, bequeme, stressfreie Variante, den Schönheiten, der Vielfalt der Kulturen und den zahlreichen Widersprüchen dieses Erdteils etwas näher zu kommen.
Der Tanz der Zulu-Krieger. Inmitten von 1.000 Hügeln hoch über Durban stampfen wilde Zulu-Krieger in einem Kral beim Tanz die Füße in harte Lehmböden, befragen die "Sangoma", die Weissager-Heilerin, die mit den Vorfahren in Verbindung steht. Die staunenden Passagiere der MS Royal Star sind mit dem Bus in den "Phe-Zulu-Safaripark" herauf gekommen, um sich das Touristen-Spektakel anzusehen, die herrliche Aussicht zu genießen und vor den Grünen Mambas und riesigen Krokodilen im angeschlossenen Zoo zu erschaudern.
Elefanten-Showtime. Zwei Tage später geht es von Port Elizabeth in den Addo-Elephant-Park. Wie fast überall in den südafrikanischen Hafenstädten werden die Passagiere nach der Ankunft davor gewarnt, alleine durch das Stadtzentrum zu bummeln: zu gefährlich. Per Bus also rasch hinaus, zunächst vorbei an den Vierteln der (noch immer) viel wohlhabenderen Weißen, dann entlang der Township Motherwell. Links der Straße die Holz- und Blechverschläge, rechts die neuen Hütten mit Stromanschluss, vorfinanziert aus den Sozialprogrammen der Regierung. Riesige Elefantenherden durchstreifen den Addo-Park, an den Wasserlöchern kann man sie ganz aus der Nähe bestaunen - eine Erfahrung, die man wahrscheinlich ein Leben lang nicht vergisst.
Mythos Mandela. Jedes afrikanische Schulkind kennt die Geschichte von Nelson Mandela. Der Begründer des de-mokratischen Südafrika ist allgegenwärtig. Port Elizabeth wirbt mit der "Nelson Mandela Bay", Ausflüge ab Kapstadt führen nach Robben Island, wo Mandela 17 von insgesamt 28 Jahren im Gefängnis verbracht hat. Die Regenbogennation Südafrika, das Land der vielen Farben und Rassen, ist Mandelas Erbe. Der Ausgang des großen Versöhnungsprojektes ist ungewiss, die Probleme sind riesig.
Als Tourist in Maputo. Wer mit der MS Royal Star einen halben Tag in der Hauptstadt Mosambiks, vorbeischaut, erlebt das nicht-touristische Afrika. Die Spuren Jahrzehnte langer Befreiungs- und Bürgerkriege sind frisch in Maputo. Während der Stadtrundfahrt erklärt eine junge Frau den Touristen, wie die Portugiesen das Land ausgebeutet haben und wie es heldenhaft befreit wurde. Die meisten Kreuzfahrtpassagiere können damit wenig anfangen, haben genug mit der 42-Grad-Hitze und den unzähligen Straßenhändlern zu kämpfen, die die Busse belagern. In Maputo zeigt man abere auch stolz Nelson Mandelas Haus - seine (neue) Frau ist die Tochter des ehemaligen Präsidenten Mosambiks.
Sensation Sansibar. Unser Schiff ist in diesen zwei Wochen von Mombasa (Kenia) über Sansibar (Tansania) und Maputo (Mosambik) nach Südafrika (Durban, East London, Port Elizabeth, Mossel Bay, Kapstadt) unterwegs. Das ist ein Kaleidoskop afrikanischen Lebens, oftmals afrikanischer Lebensfreude. Besonders deutlich wird das auf Sansibar, der Gewürzinsel, wo man in den Straßen und Bazars von diesem für uns so rätselhaften Kontinent geradezu angesprungen wird. Man hätte gerne mehr Zeit für den farbigen Markt, das Gedränge in den Gassen, fürs Bestaunen der stolzen Frauen, fürs Scherzen mit den unzähligen Kindern, fürs Hinausstarren auf den Indischen Ozean, auf dem die Dhaus wie seit Jahrhunderten gelassen vorbei ziehen. Das ist wahrscheinlich das kleine Manko dieser Reise: Dass man immer in dem Moment, in dem man glaubt, jetzt komme man Afrika ein bisschen näher, wieder zurück muss aufs Schiff, weil es schon wieder zum nächsten Hafen geht.
Die MS Royal Star ist kein Jungspund, sondern eine Dame, über deren Alter man nicht spricht. Die Passagiere sind ruhig und gesetzt. Weil die MS Royal Star nur maximal 243 Gäste mitnehmen kann, ist die Atmosphäre an Bord familiär, der Service im Restaurant und in den Kabinen persönlich und äußerst freundlich. Spaß-Animation, Action und spektakuläre Showprogramme gibt's hier nicht. Dafür gutes Essen, viel Ruhe an den insgesamt vier Seetagen und überaus günstige Getränkepreise. Wer diese Mischung mag, wird sich an Bord dieser "African Queen" mit Kurs auf Kapstadt zwei Wochen lang ziemlich wohl fühlen.



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