11.05.2011

Schatz-Inseln

Zwischen Fidschi und Thaiti: Was am Südsee-Traum dran ist.

Von Scheibbs bis zur Lagune von Aitutaki sind's 23 Stunden Flug - oder noch mehr. Auf "One Foot Island" wachsen Kokospalmen und exotische Blumen. Es gibt einen Kiosk mit Erfrischungen und ein Glasboden-Boot. Die Südsee-Sonne knallt auf den weißen Sand. Das Meer ist türkis wie in Reisekatalogen. "Aitutaki", sagen manche, "das ist noch besser als Bora Bora."

Insel-Winzlinge. Aitutaki ist eine von 15 Cook-Islands, winzige Pünktchen mit der Gesamtgröße Maltas auf 2,3 Millionen Quadratkilometern Pazifik. Vieles von dem, was über "Trauminseln" oft herbei fabuliert wird, gibt's auf den Cook Islands wirklich: schöne Mädchen in Baströckchen, ungezwungene Freundlichkeit, kein Massentourismus. Wenn eine Schattenseite existiert, dann diese: In Auckland, der Hauptstadt Neuseelands, leben heute mehr Cook-Insulaner als auf den Inseln selbst. Grund: Außer im Tourismus gibt's kaum Arbeit.

Robinson-Familie. Das Atoll Palmerston, 500 Kilometer von Aitutaki, ist vom Rest der Welt fast genauso weit entfernt wie eine Forschungs-Station in der Antarktis. Nur alle paar Monate erreicht ein Versorgungsschiff die 75 Einheimischen, alle Nachfahren eines gewissen William Masters, der um die Wende zum 20. Jahrhundert mit drei (!) Frauen vor der Zivilisation die Flucht ergriff.

Palmerston hat man in 20 Minuten zu Fuß umrundet. Es besitzt einige Häuser, eine neue Kirche, einen Friedhof, eine Telefonzelle und eine Schule mit neuerdings fünf Computern plus Internet-Verbindung per Satellit. Zur Zeit ist eine Gast-Lehrerin aus Australien da. Sie unterrichtet Kinder und Erwachsene. Touristen können (außer mit seltenen Expeditions-Kreuzfahrt-Schiffen) nicht nach Palmerston kommen - kein Flugplatz, keine Unterkünfte.

Auf Niuatoputapu. Überquert man die internationale Datumsgrenze zwischen den Cook Islands und dem Königreich Tonga, verschwindet ein ganzer Tag in einer Art "Zeitloch". Aber Zeit spielt auf Niuatoputapu ohnehin keine Rolle. Pferdekarren zuckeln durch den Hauptort Hihifo, Kinderlachen, stolze Frauen mit bunten Sonnenschirmen. Auf dem Fußballplatz eine Tanzvorführung. Wem's gefällt (und das sind alle), der klebt den vom Schweiß nassen Tänzerinnen eine Dollarnote auf die nackte Haut - das ist hier üblich. Über der Lagune ragt der Vulkan Tafahi aus dem Meer. Tauchen oder Schnorcheln vor dem Riff beschert Begegnungen mit bunten Fischen und angeblich harmlosen Riffhaien. Weiter durch's Inselkönigreich Tonga. Seit die staatliche Flugline pleite ist, haben die Menschen auch auf Niuafo'ou nur noch selten Kontakt zur Außenwelt. Auf dem von frischen Lava-Ausbrüchen gezeichneten Vulkan hat der Vorarlberger Ferdinand Valentinotti, 42, sein Aussteiger-Glück als Lehrer gefunden.

"Die Natur gibt den Menschen hier alles, was sie brauchen", sagt er. Valentinotti spricht langsam und vorsichtig, so als wisse er, dass er dem Besucher aus der fernen Heimat ein Klischee auftischt. Gemeinsam geht es auf einem bunt geschmückten Lastwagen zu dem kleinen Dorf Kolofo'ou. Vor der Schule singen die Kinder ein eigens einstudiertes Lied: "Welcome, Tourists, welcome…". Der Lehrer ist gerührt, die Touristen sind's auch.

Fidschi, Tahiti und der ganze Rest: Natürlich sind die Familien-Insel Palmerston oder Niuafo`ou nicht die wirkliche "Touristen-Südsee". In den großen Hotel-Resorts von Fidschi und Tahiti läuft das Business mit dem Traumurlaub genauso ab wie auf dem Rest der Welt. Man muss viel Geld in die Hand und eine elend lange Flugreise in Kauf nehmen, um diese Südsee zu erleben. Bei entsprechend gefüllter Geldbörse, das sei in Deutlichkeit gesagt, zahlt sich das auch aus. Inzwischen aber wird auf Aitutaki und Niuatoputapu weiter geträumt.

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